Wir schreiben Freitag, 17. August, 17 Uhr. Das Zelt steht größtenteils, in der noch immer andauernden Sommerhitze werden Biertischgarnituren aufgestellt, Bar, Stände und Ausschank betriebsbereit gemacht. Auf der großen Bühne inmitten des Zeltplatzes warten zwölf Kinder auf den Beginn ihrer Generalprobe.

"Eins von ihnen bin ich, Lena Knoll. Mit meinen zwölf Jahren bin ich die älteste und schon von Anfang an bei den "Stegflickerla" dabei. Die "Stegflickerla", das sind etwas über 20 Kinder aus Rüssenbach und teilweise aus Nachbarortschaften, die zur Oster- und Weihnachtszeit und auch vereinzelt im restlichen Jahr als Gemeinschaft für das Dorf aktiv sind.

"Für den Auftritt beim Backofenfest haben wir vier oder fünf Mal mit unseren Betreuerinnen Tanja Amon, Anna Dötzer und Christine Dittrich geprobt", so Lina weiter. "Die Generalprobe lief zwar noch ein wenig chaotisch ab, aber ich war trotzdem zuverlässig und langsam wurde ich auch ein bisschen nervös. Ein paar Stunden später war der Aufbau grob abgeschlossen, der Rest wurde auf den Samstag verschoben. Erste Lieder wurden mit männlichen Prachtstimmen angestimmt, aber zum Glück haben sie nicht so lange durchgehalten, sodass ich am nächsten Vormittag fit in den Tag starten konnte.

Um 10 Uhr wurde unser Auftritt zum letzten Mal durchgesprochen und ich durfte mit meiner Schwester und meinem Cousin das frische Brot aus dem Backofen verkaufen". Für Nervosität blieb gar keine Zeit, denn schließlich kümmerten sich die Stegflickerla auch um den Stand fürs Dosenwerfen. Nach der Festansprache des Vorsitzenden des Katholischen Burschen- und Männervereins, Michael Wiemann, und dem Bieranstich um 17 Uhr kann das Fest beginnenn.

"Es macht total Spaß"


Mit seinen 22 Jahren ist Michael ein ziemlich junger Vorstand für so einen wichtigen Verein, aber er bringt es auf den Punkt: "Beim Backofenfest kumman alla widdä zam!" Und da hat er Recht. Auch Leute, die man das ganze Jahr über nicht trifft, sieht man hier wieder. Und so ist es auch bei den Stegflickerla. "Alle Kinder kommen zusammen, wir proben viele verschiedene Lieder, es macht total Spaß und besonders das Tanzen mag ich", sagt Lena dazu.

Sonntag, 15 Uhr: Von der Bühne, auf der gestern noch "X-Large" standen und bald die Niedermirsberger Blaskapelle spielen wird, weht Akkordeon-Musik. Simon Dachwald stimmt das Oberfrankenlied an. Mit dem Schild führen Luisa und Lena den Zug an, gemeinsam machen sich die Stegflickerla auf den Weg zur Bühne. "Oberfranken ist mein schönes Heimtland, wo der Main sich schlängelt wie ein Silberband", tönt es aus den Kehlen und die Gäste unterstützen tatkräftig.

Ein kurzes Innehalten auf der Bühne, aus dem CD-Player schallt Michel Telós "Ai se eu te pego". Rechter Fuß vier Mal vor, dann linker. Bloß keinen Fehler machen. Eine Drehung in die eine, dann in die andere Richtung. Und bevor sie noch groß drüber nachdenken können, wie die nächsten Schritte gehen, ist das Lied auch schon wieder vorbei. Die jungen Tänzerinnen verabschieden sich beim Publikum mit "Muss i denn zum Städtele naus" und einem synchronen Abgang. Geschafft. Tosender Applaus. Endlich wieder Entspannung.

Und jetzt können sich die Stegflickerla ganz dem Dosenstand und dem Rest des Festes widmen. Für die restlichen Stunden heizten vor allem die Musiker der Niedermirsberger Blaskapelle ein. Und auch wenn Michael Wiemann mit seinem Backofenfest vor allem "Hax'n, Bier und Musik" verbindet, ist auch er froh, "wenn's dann widda rum is". Eine Verschnaufpause, bis es dann im nächsten Jahr wieder heißt: "Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit! 98, 99, gsuffa!"