Falschparker zur Kasse zu bitten, das unterstütze er ausdrücklich, sagt Jonas Kühn. Doch dass die Stadt in Corona-Zeiten auch jenen Bürgern Strafzettel aufbrummt, die einen Bewohnerparkausweis haben, das nervt den Forchheimer.

Jonas Kühn teilt sich mit seiner Freundin ein Auto. Weil derzeit auch seine Partnerin im Homeoffice arbeitet, steht das Fahrzeug häufiger als üblich auf dem Parkplatz. Weil aber in der aktuellen Homeoffice-Phase viele Anwohner ihr Auto stehen lassen, und weil es ohnehin mehr Bewohnerparkausweise als entsprechende Parkflächen gibt, ist zur Zeit eine akute Parkplatznot spürbar.

Triftige Gründe fehlen

Jonas Kühn hat sich an die Stadt Forchheim gewandt. In seinem Schreiben weist er auf die "Bayerische Infektionsschutzmaßnahme-Verordnung" hin und auf die Ausgangsbeschränkung. Die sehe vor, dass "das Verlassen der Wohnung nur in triftigen Gründen erlaubt ist". Nun sei aber, sagte Jonas Kühn dem FT, das Umparken seines Autos kein triftiger Grund. "Wegen Corona bleibe ich doch besser im Haus. Doch die Stadt treibt mich aus einem trivialen Grund raus, nämlich um ein Auto umzuparken."

Schon drei Mal ist dem Forchheimer folgendes Ärgernis widerfahren: Er kehrt nach dem Einkaufen in die Klosterstraße zurück und findet in der für Anwohner vorgesehenen Zone keinen Parkplatz. Also parkt er auf einer jener Stellflächen, für die offiziell ein Ticket an der Parkuhr gezogen werden muss. Im Januar handelte er sich auf diesem Wege bereits zwei Strafzettel ein, zuletzt am vergangenen Montag.

Jonas Kühn ruft in seinem (bislang unbeantworteten) Schreiben an die Stadt in Erinnerung, "dass zur Zeit ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung im Homeoffice tätig" sei . "Im Bereich der Forchheimer Innenstadt bedeutet dies, dass das Auto tagsüber nicht zur Arbeitsstelle pendelt, sondern auf einem Parkplatz in der Nähe der eigenen Wohnung abgestellt ist. Dieses löst sich auch nicht einfach so in Luft auf, sondern muss nun mal irgendwo stehen. Die aktuelle Fortführung der Parkraumüberwachung stellt hierbei eine Gängelung der Bürgerinnen und Bürger Forchheims dar."

Unserer Zeitung sagte Britta Kurth, die Sprecherin der Stadt Forchheim, dass wegen des Lockdowns die Straßenverkehrsordnung nicht geändert werden könne. Auch sei die Stadt Forchheim nicht in der Lage, eine Ausnahme für Bewohner mit Parkausweisen zu machen. "Das ist gegenüber den anderen Bürgern und auch gegenüber Autofahrern, die von auswärts kommen, nicht vermittelbar."

Jonas Kühn sieht es ganz anders. Er zahle ja bereits für das Parken. In anderen Städten dürften die Bürger mit Anwohnerausweis ihr Fahrzeug auch auf den für die Allgemeinheit bestimmten Parkflächen abstellen. Weshalb sollte das die Stadt Forchheim nicht ermöglichen? "Anwohner trotz sichtbar im Fahrzeug angebrachtem Bewohnerparkausweis regelmäßig und gezielt abzukassieren, ist schlicht und ergreifend eine Farce", meint Kühn. Man werde von der Stadt quasi vor die Wahl gestellt, das Auto umzuparken, obwohl es keine Stellflächen gebe, oder ein Knöllchen bezahlen.

Dem FT erzählt Jonas Kühn von einem Nachbarn, der sich mit der selben Begründung geweigert habe, die Knöllchen zu bezahlen. "Sie wurden dann angeblich zurückgenommen." Für das Fehlparken am 7. Januar müsste Kühn zehn, für jenes am 18. Januar fünfzehn Euro zahlen. Er sei aber entschlossen, Widerspruch einzulegen. Außerdem verlangt er von der Stadt, "die Ausschreibung von Verwarnungen an Fahrzeugen mit gut sichtbarem Bewohnerparkausweis zu unterlassen, solange die Ausgangsbeschränkungen und die Ausgangssperre in Kraft sind".