Weniger Einsätzen, allerdings mehr Straftaten: Den Beamten, die auf dem Annafest 2022 in Forchheim im Ansatz waren, wurde es nach Angaben des Polizeipräsidiums Forchheim "nicht langweilig". Zwar hat es mit 100 Einsätzen ein paar Einsätze weniger gegeben als beim letzten Annafest, dafür allerdings mehr Straftaten. "Trotzdem darf man nach dreijähriger Annafestpause wieder von einem in weiten Teilen friedlichen und geselligem Festverlauf sprechen", heißt es jedoch auch. 

Das von der Stadt Forchheim mit der Forchheimer Polizei erarbeitete Verkehrskonzept ging auf. Bis auf ganz wenige Ausnahmen folgten die Besucher den von der Stadt angebrachten Wegweisern. Dass es im Bereich der Hain- beziehungsweise Hainbrunnenstraße beim Abstrom zu kurzfristigen Stauungen kam, hatte man einkalkuliert. Insgesamt kam es beim Fußgänger-, Rad- und Fahrzeugverkehr aber kaum zu Behinderungen. 

Annafest-Bilanz der Polizei: Mehr gefährliche und vorsätzliche Körperverletzungen

Ein Blick in die vorläufige Annafest-Statistik zeigt in vielen Bereichen eine leichte Zunahme an Delikten. So waren 2022 im Vergleich zu 2019 mehr gefährliche und vorsätzliche Körperverletzungen, mehr Beleidigungen, mehr Widerstandshandlungen und mehr Trunkenheitsfahrten zu verzeichnen. Die Anzahl der Diebstähle und Sachbeschädigungen war rückläufig. 

So kam es zu folgenden Delikten:

  • Gefährliche Körperverletzung 4 (3)
  • Körperverletzungen    20  (15)
  • Widerstand  4 (1)
  • Raub  0 (0)
  • Diebstahl  4   (7)
  • Beleidigungen  13    (6)
  • Sachbeschädigungen  9   (16)
  • Trunkenheitsfahrten    9   (2)
  • Annafest-Verordnung      1    (3)  
  • Ingewahrsamnahmen   9  (4)

Eine 18-jährige Forchheimerin schlug ihrem Exfreund aus Eifersucht einen Maßkrug gegen das Gesicht, sodass dieser einen Schneidezahn verlor.  Ein anderer Beschuldigter warf seinem Kontrahenten erst einen Stehtisch entgegen, schlug ihm dann mit der Faust ins Gesicht und zerriss ihm das T-Shirt: Nachdem er auch noch versucht hatte, die eingesetzten Polizeibeamten anzugreifen, landete er mit fast zwei Promille in Polizeigewahrsam.  

In mehreren Fällen: Beamte werden Opfer von übelsten Beschimpfungen

Ein 54-jähriger aus Höchstadt setzte bei einer körperlichen Auseinandersetzung eine Zange ein und bei einer weiteren Körperverletzung war ein betrunkener Festbesucher laut eigenen Angaben von drei Unbekannten zusammengeschlagen worden.
In allen Fällen ermittelt die Polizei nun wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Delikte. Aber auch die hohe Anzahl an vorsätzlichen Körperverletzungen (20) trübt das sonst eher positive Bild.

Neben vier Widerstandshandlungen kam es auch zu 13 Beleidigungen. In acht Fällen waren Polizistinnen und Polizisten Opfer übelster Beschimpfungen und Beleidigungen. Auffällig in der 2022er-Bilanz ist auch der deutliche Anstieg alkoholisierter Verkehrsteilnehmer. Hier waren es vor allem die Radfahrer, die durch übermäßigen Alkoholgenuss aufgefallen sind. Vor einem Fahrverbot beziehungsweise dem Entzug der Fahrerlaubnis schützt sie da nicht, dass sie das Rad und nicht das Auto genommen haben.

"Polizei und Sicherheitsdienst hatten die Lage allerdings stets im Griff und sorgten für einen weitgehend reibungslosen und friedlichen Annafest-Verlauf", heißt es seitens der Polizeiinspektion Forchheim.

Fazit

Am Bahnhof sorgte indes die Bundespolizei aus Nürnberg dafür, dass alles in geordneten Bahnen ablief. Insgesamt betrachtet waren Aggressionspotential und Gewaltbereitschaft einiger weniger Festbesucher leider wieder erschreckend hoch. Dabei muss - genau wie 2019 auch - festgestellt werden, dass bei den Gewalt- und Beleidigungsdelikten oftmals hohe Promillewerte bei den Tätern im Spiel gewesen sind. Abschließend bleibt aber festzustellen, dass das Annafest trotz der leicht gestiegenen Anzahl an Straftaten, überwiegend gemütlich gefeiert wurde.