Der 44-Jährige soll laut Anklageschrift an einem Sonntag im Juli 2015 auf einem Parkplatz bei Pretzfeld die Mutter seines Kindes geschlagen haben. "Wir hatten oft Streit", erklärte der Angeklagte zu Beginn seiner Aussage. Auch vor Gericht waren die beiden schon einmal. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt.
"Sie fühlt sich immer von mir bedroht", sagte der 44-Jährige, "warum weiß ich aber nicht." Er sei ihr gegenüber nicht handgreiflich geworden, habe lediglich versucht, sie am Arm ins Auto zu ziehen. Zuvor waren die beiden mit dem gemeinsamen Sohn spazieren gewesen. Auf einmal sei sie weg gerannt und habe nach Hilfe gerufen. Aktuell läuft ein Sorgerechtsstreit zwischen den beiden.

"Ich bin seit 25 Jahren in Deutschland und habe noch nie ein Problem gehabt.
Erst seit zwei Jahren, seit ich diese Frau kenne, hatte ich mit der Polizei zu tun", gab der 44-Jährige zu Protokoll.


Wilde Aussage

Die 33-jährige Geschädigte sagte mit Hilfe eines Dolmetschers aus. In ihrer Aussage - die in Abwesenheit des Angeklagten stattfand - vermischte sie immer wieder Deutsch und Arabisch, war aufgeregt und gestikulierte wild. Es würde ihm nicht gefallen, wie sie sich kleide, erklärte die Tunesierin. Immer wieder habe er sie mit Worten verletzt, manchmal auch mit Taten. "Ich gebe zu, dass ich ihn an dem Tag auch beschimpft habe", übersetzte der Dolmetscher ihre Aussage. Dann habe er sie zwei Mal mit der flachen Hand geschlagen. Er schlage sie auch regelmäßig, sie habe bisher nur nie etwas gesagt, weil sie Angst hatte, das Kind zu verlieren.

Ein Zeuge, der die 33-Jährige auf dem Parkplatz von ihrem Partner wegrennen gesehen hatte und schließlich auch die Polizei alarmierte, sagte vor Richterin Schneider aus, die Aggression sei von dem 44-Jährigen ausgegangen, auch wenn er keine körperliche Gewalt gesehen habe. Die Polizeibeamtin, die den Streit aufgenommen hatte, hatte sich auch mit der Geschädigten unterhalten. Diese sei am Anfang aufgelöst, später aber ruhig und sachlich gewesen. Auch die wenigen äußerlich erkennbaren Verletzungen hatte die Polizeibeamtin dokumentiert.
In seinem Plädoyer sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, er sehe die Aussage der Geschädigten durch den Parkplatz-Zeugen als bestätigt an. Daher gehe er davon aus, dass diese Aussage stimme und deshalb beantragte er einen Schuldspruch.

Der Angeklagte, der ohne Verteidiger gekommen war, sagte in seinem letzten Wort : "Das ist unfair. Ich habe sie gar nicht geschlagen. Ich habe die Frau nicht angefasst."

In ihrem Urteil kam Richterin Schneider aber ebenfalls zu einem Schuldspruch. Der Angeklagte muss eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro bezahlen. Bei der Urteilsverkündung kommentierte der Angeklagte immer wieder die Aussagen der Richterin. Als er den Gerichtssaal verließ, sagte er: "Das ist ungerecht!"