Es sah aus wie ein Nachbarschaftsstreit in der Nordstadt. Bei dem ein Hund ebenso eine Rolle spielte wie ein immer länger werdendes Messer. Und es war wohl das erste Mal, dass Amtsrichterin Silke Schneider entnervt wirkte und eine Einvernahme von Zeugen beendete, obwohl noch längst nicht alle Geladenen gehört worden waren.
Der Bedrohung angeklagt war ein 57-jähriger Kosovare. Für die Verhandlung hatte er von seinem Anwalt Michael Hofmann ein Schweigegebot auferlegt bekommen. Was letztlich zu der Auseinandersetzung geführt hatte, wurde deshalb auch vor dem Gericht nicht ganz klar. Fest steht nur, dass der Angeklagte das Grundstück eines 60-Jährigen betreten hatte, der darauf eine Reparaturwerkstätte betreibt und dessen Hund an jenem Tag die Wut des Angeklagten auf sich gezogen hat. Als Vorbotin der Zankerei war zuvor die Frau des Kosovaren aufgekreuzt und hatte sich ebenfalls über das Tier beschwert.
"Der Hund muss weg!", soll die Frau verlangt haben. Das Ansinnen muss ihrem Mann Befehl gewesen sein.
Bei seinem anschließenden Besuch auf dem Nachbargrundstück soll er eine unmissverständliche Bewegung gemacht haben, bei der er mit dem Finger quer über den Hals fuhr. Ein Taxifahrer, der sein Auto regelmäßig zur Reparatur in diese Werkstatt bringt und der Geschäftsführer bestätigten vor Gericht, diese Geste gesehen zu haben.
Dann habe der Angeklagte plötzlich ein Messer gezogen und in Richtung des Geschäftsführer gestoßen. Der habe aber noch rechtzeitig habe ausweichen können.

Das Messer wird lang und länger

Um ebendiesen Messerstoß ging es bei den Zeugenbefragungen im Wesentlichen auch. Und es war interessant zu hören, wie dieses Messer im Laufe der Zeugenaussagen immer länger und gefährlicher wurde.
Zunächst war von einer Länge von 15 Zentimetern die Rede, dann von 25 Zentimetern. Bei einem Zeugen wurde daraus ein "Militärmesser". Allerdings konnte der Mann nicht genau definieren, was das genau ist, ein "Militärmesser". Dem herbeigerufenen Polizeibeamten aus Bamberg, der sich des Falles annahm, präsentierte der Kosovare schließlich eines jener Messer, die im Volksmund "Schneidteufelchen" heißen, ein winziges Obstmesser, mit dem man sich zwar schmerzhaft verletzen kann, dessen Gefährlichkeit sich aber in Grenzen hält.
Etwas fiel auf: Es wurden immer wieder die gleichen Worthülsen und Redewendungen benutzt. Dies warf den Verdacht auf, dass die Zeugen vor allem auswendig Gelerntes herunterbeteten. Ob es tatsächlich so gewesen war und die Zeugen sich untereinander abgesprochen hatten, konnte gleichwohl nicht nachgewiesen werden.
Dennoch gelang es Rechtsanwalt Michael Hofmann, den letzten Zeugen - den Werkstattbesitzer - derart zu verwirren, dass sich dieser völlig verhaspelte. Das war auch der Zeitpunkt, an dem Silke Schneider endgültig genug hatte: "Also, ich brauche jetzt keine Zeugen mehr."
Aber auch der Angeklagte bekam ihren Zorn zu spüren: "Und Sie brauchen gar nicht so zu grinsen. Das fällt mir schon die ganze Zeit auf!"
Der Verteidiger fing den Ball daraufhin bereitwillig auf und regte eine Einstellung des Verfahrens an. So geschah es auch. Die Gerichtskosten trägt das breite Kreuz des deutschen Steuerzahlers. Der Angeklagte muss seine Auslagen jedoch selbst tragen muss.