So schnell geht es nicht, alles der Reihe nach. Es ist Samstag und der Marktplatz vor der Fachwerkkulisse Forchheims wird zum Handlungsort. Spannung verspricht die Ankündigung einer Versteigerung von Fundsachen.
Schon seit vielen Jahren wird hier versteigert, was in Forchheim und Umgebung so gefunden worden ist.

Fundsachen dürfen nicht behalten werden und müssen im Fundamt oder in der Polizeiinspektion abgegeben werden. Fundunterschlagung ist ein Strafbestand. Wird ein Gegenstand vom Besitzer innerhalb von sechs Monaten abgeholt, hat der ehrliche Finder oft sogar Anspruch auf Finderlohn. Nach dieser Frist kann der Finder die Fundsache gegen eine Aufbewahrungsgebühr käuflich erwerben. Nicht abgeholte Fundsachen kommen zur öffentlichen Versteigerung.


Fahrräder sind der Renner

Und somit wären wir wieder auf dem Marktplatz. Auf dem ordnungsgemäß abgesperrten Schauplatz sind bereits 27 Fahrräder aufgestellt. Interessiert schaut Renate Zimpelmann aus Hetzelsdorf. Auf die Frage, was sie suche, antwortet sie: "Ich suche ein Fahrrad für Hilfebedürftige. Ich möchte gern helfen."

Inzwischen hat sich der Marktplatz weiter gefüllt. Das zahlreich erschienene Publikum mit internationaler Beteiligung wartet gespannt auf den Beginn. Weitere Fundsachen, Bekleidung, Schmuck, Uhren, Handtaschen, ein Tretroller, eine Madonnenfigur und vieles mehr, werden von Mitarbeitern des Ordnungsamts zur Versteigerung herangetragen.

Kurz vor Beginn der Versteigerung wird die Absperrung geöffnet und alle Fundsachen können persönlich in Augenschein genommen werden. Plötzlich ein Hilferuf einer Mitarbeiterin des Ordnungsamts: "Halt, halt, alles ist nur zum Anschauen." Was war passiert? Einige Interessenten nahmen ihr Wunschfahrrad gleich in Besitz und wollten das Gelände verlassen - wohl in Unkenntnis über den Ablauf einer Versteigerung.
Dann kommt Bewegung in das Publikum. Punkt 11 Uhr erscheint gut gelaunt Friedrich Zirnsack vom Straßenverkehrsamt der Stadt Forchheim und eröffnet als Auktionator die öffentliche Versteigerung mit den Worten "Einen wunderschönen Samstag wünsche ich Ihnen". Mit Gummihammer bewaffnet legt er auch gleich los. Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten und ein kräftiger Schlag auf den Biergartentisch - und das erste Fahrrad mit Plattfuß geht für vier Euro weg.


Einige Kuriositäten

Fahrräder sind heute der große Renner. Es wird laut und die Versteigerung kommt richtig in Fahrt. Ein Damenfahrrad mit Handtasche findet für 50 Euro einen neuen Besitzer. 76 Euro wird für ein Herrenfahrrad mit Helm ersteigert.

Friedrich Zirnsack hält gekonnt die Anwesenden mit flotten Sprüchen bei guter Laune. Er macht das schon seit über 20 Jahren. Und in all den Jahren gab es schon einige Kuriositäten zu bestaunen; zum Beispiel ein Gebiss oder ein Korsett. Als Carepaket preist er nun die Kombination aus Damenfahrrad, Handtasche und weißer Damenjacke an - und prompt wird das Paket für 35 Euro versteigert.
Dann folgt der Auftritt für Renate Zimpelmann. Tatsächlich ersteigert sie günstig ein Fahrrad und freut sich. Auf dem Biergartentisch steht nun ein grauer Metallstuhl und als Zugabe wird noch ein blauer Schirm angehängt. Ob das wohl weggeht?

Und ob. Mit dem markigen Spruch "Stuhl mit Regenschirm suchen neuen Besitzer für zukünftige Schirmherrschaft" geht die ungewöhnlichste Kombination des Tages für neun Euro an einen Mann aus Ketschendorf. Der gut gelaunte Rentner hinterlegt an der Kasse sein Geld und lässt sich stolz mit seinem neuen Besitz ablichten. "Der Stuhl kommt zur Dekoration in meinen Garten, der Regenschirm ist Zugabe", sagt der neue Besitzer.