Feste wollen gefeiert werden, dachte sich auch Bürgermeister Hans Weisel. Schließlich kann Wiesenthau nicht jedes Jahr seinen 950. Geburtstag feiern. Und es kommt noch dicker. Auch Schlaifhausen (seit 1978 gehört der schmucke Ort am Walberla zu Wiesenthau) hat einen runden Geburtstag. Vor 650 Jahren wurde der romantische Flecken erstmals schwarz auf weiß auf irgendeiner Urkunde erwähnt.
So weit, so gut. Doch bald fing der Ärger an. Bürgermeister Weisel gründete ein Festkommittee. "Ich wollte, dass jede Gemeinde für sich feiert. Wir in Wiesenthau hätten eine Feier am See machen können", schwärmt Weisel. Das wäre der Historie gerechter geworden. Die Gemeinde habe extra eine Seebühne gebaut. "Welcher Ort hat schon so ein herrliches Panorama, mit Schloss und ohne Verkehr? Wunderschön!"
Aber aus dem romantischen Fest unter freiem Himmel wurde nichts. Der Bürgermeister kassierte im Festausschuss eine Niederlage. Die Mehrheit der Vereinsvorstände (viele sitzen gleichzeitig auch im Gemeinderat) wollten ein Fest im Festzelt. Und zwar für beide Gemeinden. Von einem richtigen Festmarathon träumten einige Vereinsvorsitzenden. Schließlich stellen doch auch die Pinzberger ein Spektakel zum Gemeindejubiläum auf die Beine. Da wollten sich die Wiesenthauer und Schlaifhausener nicht lumpen lassen. Weisel träumte weiterhin von idyllischem Ambiente und keiner Bierbank. "Es ist ja alles nicht mehr so wie früher. Dass die Leute weggehen und hektoliterweise Bier trinken."
Und dann auch noch im Zelt. Weisel schüttelt den Kopf. "Da läuft mir ja jetzt schon der Schweiß runter." Die Zeiten hätten sich eben geändert, findet er. .

Ein Affront für die Vereine


Wahrscheinlich hätte niemand - außerhalb der beiden Ortschaften - von den Querelen erfahren, wenn der Streit hinter den Kulissen nicht eskaliert wäre.
Weisel beugte sich der Mehrheit, wenn auch unwillig. Man bestellte die Musik und das Zelt. Dann löste Weisel den Festausschuss auf. Für die Vereine der erste Affront. "Schließlich war ja alles geklärt", verteidigt sich der Bürgermeister. Zumindest fast alles. Freiwillige für den Bierausschank und die Bedienung fehlten noch. Die Vereine stellten sich etwas stur. Weisel griff zur Feder und drohte den Vereinen freundlich mit "Konsequenzen". Schließlich müsse er als Bürgermeister nicht den Vereinen immer unbürokratisch unter die Arme greifen. Einige Vereinsvorsitzende fühlten sich trotzdem regelrecht "erpresst". Zuerst wollten sie es auch laut sagen. Aber der Linus-Wittich- Verlag wollte einen "Offenen Brief" im Gemeindeblatt nicht abdrucken. Schließlich zirkulierten die Schreiben doch unter der Hand.
"Von Anfang an ist das Ganze unter keinen guten Stern gestanden", sagt Weisel heute. Vielleicht sei er zu weich gewesen. Hätte mal auf den Tisch hauen sollen im Festausschuss. Aber als Lehrer habe er eben immer alle mitnehmen wollen. "Und dann kriegst du Briefe, die Vereine fühlen sich kritisiert und von mir und bedroht." Weil er das mit den Konsequenzen geschrieben habe. "Und dann muss ich so Sätze lesen, wie das Geben und Nehmen funktionierte bisher sehr gut, freilich bisher - weil die Vereine immer nur gekriegt haben von der Gemeinde."
Freilich hofft Weisel trotzdem darauf, dass viele Menschen zum Fest heute Abend auf den Festplatz zwischen Schlaifhausen und Wiesenthau kommen. Schließlich spielt die Blaskapelle aus Leutenbach und ein Apotheker spendiert ein Feuerwerk. Mit der Rivalität zwischen den Orten hätten die Querelen aber nichts zu tun. "Das das so gelaufen ist, da haben die Schlaifhausener wirklich keine Schuld dran." Dann rafft er sich auf. Steh aus seinem Sessel auf. Er geht hoch zum Festzelt. Schließlich ist er ja der Bürgermeister.


Fest-Programm:
Am Samstagabend spielen ab 20 Uhr die Leutenbacher Musikanten im Festzelt. Um 22 Uhr findet ein großes Feuerwerk statt. Am Sonntag findet um 9 Uhr ein Festgottesdienst statt. Am Sonntagnachmittag steigt dort ab 13 Uhr das Schulfest im Festzelt in Wiesenthau.