Die Eingangstür des alten Hallenbads ist mit Graffitis besprüht; einer hat wohl mit einem Stein seine Kräfte daran ausprobieren wollen. Aus den halbblinden Scheiben schimmert pure Tristesse.
"Meine Güte, schaut das hier aus!" Gerhard Kummerer, der Organisator der 24-Stunden-Schwimmen, ist nochmals an den Ort seiner vielen Aktivitäten für die DLRG und den Schwimmsport gekommen. In Abschiedsstimmung. Denn in kurzer Zeit wird von dem funktionalen Betongebäude in der Basteistraße nichts mehr zu sehen sein. Seit Eröffnung des Ganzjahresbads im Stadtsüden vor zwei Jahren lagen die zwei Becken trocken, und nun weicht das Gebäude einem modernen Wohnquartier.
Bernd Maier von der Abrissfirma Plannerer war so freundlich, noch einmal die Tür aufzusperren. Kummerer sucht sich zwischen alten Möbeln, einer Kaffeemaschine am alten Kassenautomaten vorbei einen Weg in die große Schwimmhalle. Das Ein-Meter-Sprungbrett ist noch funktionstüchtig. Der stellvertretende Vorsitzende der DLRG tritt noch einmal darauf und schaut in die Tiefe. Er habe das Schwimmerbecken bisher nie leer gesehen, erzählt er. Obwohl er seit Eröffnung des Bades vor gut 40 Jahren viele, viele Male hier war. "Sieht gar nicht so tief aus, aber wenn man da Gegenstände tauchen musste, war das ganz schön anstrengend", merkt er an.

Annäherung der Vereine


Das Becken ist nur 3,50 Meter tief, versichert er. "Selbst dafür haben DLRG und Wasserwacht beim Bau kämpfen müssen." Und denkt gleich auch an die sportliche Rivalität zwischen den beiden dem Schutz vor Wassergefahren verpflichteten Organisationen bei den zwölf Marathon-Schwimmwettbewerben. Aber dadurch hätten sich die beiden Vereine auch angenähert. Immer sei es ein interner Wettbewerb gewesen, wer die längere Strecke zurücklege. Bis auf das eine Jahr. Bis auf 2003.
Da traten die Klosterbären an, die Jugendgruppe des Redemptoristenklosters St. Anton. 198,3 Kilometer und damit Tagesrekord legte die junge Mannschaft damals zurück. Das alljährliche Motto des Ereignisses "Ein tolles Erlebnis - dabei sein ist alles" hatte ihnen allein nicht gereicht.
"Zum ersten 24-Stunden-Schwimmen ist sogar ein Teilnehmer extra aus Berlin angereist", fällt Kummerer ein, währen er in die Umkleidekabinen blickt, in denen sich Bauschutt und Müll angesammelt hat. Im Arbeitsraum der Bademeister liegen noch ein paar der farbigem Schlüsselbändchen, ein einsamer Badeschuh und ein nur halbleerer Wasserball. Kummerer lacht hellauf. "Nur mundaufgeblasene Bälle..." Das Verbotsschild ist noch klar zu lesen, unter der Uhr des Lehrschwimmbeckens, die immer noch 17.38 Uhr anzeigt.
Da übten immer die "Pinguine", die Schwimmanfänger des Vereins. An den Warmbadetag erinnert sich Kummerer noch und auch an Polizei- und Schwesternschwimmen. Für die Schwimmstunde der Ordensfrauen, die damals noch im Forchheimer Krankenhaus und in Schulen tätig waren, verhängten die Bademeister extra die Glasscheiben der kleinen Schwimmhalle. Für die ersten 24-Stunden-Schwimmen stellten die Wächter über den Badebetrieb ihren Aufsichtsraum zur Verfügung. Und Kummerer richtete dort das Wettbewerbsbüro ein. Samt Computer. "Prima gelaufen, habe ich gedacht, als wir 1997 beim ersten 24-Stunden-Schwimmen gleich 375 Teilnehmer hatten." Allerdings sollten die alle ihre Urkunde mit zurückgelegter Strecke erhalten. "Doch dann ist wegen der Feuchtigkeit immer wieder der Rechner abgeschmiert." Deswegen wurde dann die Logistikzentrale in den Sozialraum verlegt.

Zahlreiche Erinnerungen


375 Teilnehmer - und das hätte sich niemand im Startjahr träumen lassen - war die drittgeringste Zahl in den zwölf Jahren. Um und sogar über 500 Schwimmer waren es in den Hochzeiten. Nur 2007 und 2009 waren es weniger. Dafür hatten sich etliche Gegner des späteren Königsbad zum Protest im Foyer versammelt.
Kummerer hat akribisch Buch geführt über die alljährlich geschwommenen Meter: 16 381 600 in zwölf Aktionen. Und nur im ersten Jahr ist man mit 88,5 Kilometern unter der 100er-Marge geblieben. 1482 Kilometer waren es 2002. Ein Kundiger hat ausgerechnet, dass dabei die Schwimmer bis in die Partnerstadt Biscarrosse in Südwestfrankreich gekommen wären. Ein Forchheimer Journalist muss prophetische Gaben gehabt haben, kann man Kummerers Aufzeichnungen entnehmen. Der Redakteur titelte nämlich im Jahr 2000: "Streckenrekord beim Wassermarathon". 1530 Kilometer hatten die Schwimmer zurückgelegt, beim vierten Wettbewerb. Die noch folgenden acht Male wurden es nicht mehr.
Über eine andere Zeitungsüberschrift muss Kummerer im Nachgang schmunzeln: 1997 hatte es geheißen: "Bis 1 Uhr in die Disco, dann ab ins Hallenbad." Heute wäre es vielleicht umgekehrt, aber im Königsbad lässt sich das 24-Stunden-Event nicht wiederholen.