Während der Finanzskandal aktuell das Bamberger Rathaus erschüttert, zeigt ein Blick ins FT-Archiv: Der Fränkische Tag hat seit jeher politische Affären im Verbreitungsgebiet öffentlich gemacht und dokumentiert. "Er missbrauchte Vertrauensstellung", lautete am 24. Mai 1952 die Überschrift eines FT-Artikels, nachdem ein ehemaliger Stadtrat aus Ebermannstadt des Betrugs überführt wurde. Das Bamberger Schöffengericht hatte den 37-jährigen Hans B. aus Ebermannstadt zu einem Jahr Haft und 200 DM Geldstrafe verurteilt. Ein bedingter Straferlass blieb dem Verurteilten verwehrt. Was war passiert?

Hans B. kam 1947 nach Ebermannstadt und wurde 1948 in den Stadtrat gewählt. Er galt als rechte Hand des früheren Bürgermeisters Georg Wagner. B. nutzte seine Vertrauensstellung als Stadtrat aus, im Verlauf weniger Monate rund 5000 DM durch betrügerische Manipulationen an sich zu bringen.

Kosten für Heimatvertriebene kassiert

Seinen größten Coup landete der verurteilte Stadtrat, als er die Lohnlisten für Kanalisationsarbeiten unter sich hatte. Um sich zu bereichern, setzte er einige Wochen auf die Lohnzahlungslisten die erfundenen Namen von einem Dutzend Arbeitern, die überhaupt nicht existierten. So kassierte er 3600 DM ein. Auch Transportkosten für den Umzug von Heimatvertriebenen steckte er sich in die eigene Tasche.

Und der Betrug wurde noch abenteuerlicher: Als in Ebermannstadt wieder einmal Transportkosten von Flüchtlingen in Höhe von 237 DM ausgezahlt worden waren, setzte sich Hans B. auf sein Motorrad, fuhr nach Düsseldorf und zahlte dort 76 DM an seine Ebermannstadter Adresse bei der Post ein. Auf dem Quittungsabschnitt setzte er vor die 76 eine Zwei. Mit dem gefälschten Beleg ergaunerte er sich erneut illegalerweise Geld.

Die Anklage listete noch weitere Betrügereien auf. Der Ebermannstadter Lokalpolitiker fingierte außerdem einen Darlehensvorschuss über 800 DM und bezog zu Unrecht Arbeitslosenunterstützung. Während der Verhandlung gab die 26-jährige Braut des Angeklagten Aufschluss darüber, wohin ein Teil des ergaunerten Geldes gekommen war, und zählte verschiedene Geschenke auf, die ihr Hans B. gemacht hatte: Unter anderem ein Radio, einen Pelzmantel und die Anzahlung für ein Wohnzimmer.

Als Flüchtlingsobmann in Ebermannstadt hatte der Stadtrat die Kasse des Zentralverband der vertriebenen Deutschen (ZvD) unter sich. In dieser Stellung hob er rund 500 DM vom Sparkassenkonto für seine eigene Tasche ab - eine Straftat, die ihm das Gericht besonders ankreidet hatte.

Kein Einzelfall in der Fränkischen Schweiz

Um den Skandal von 1952 des betrügerischen Stadtrats aus Ebermannstadt einzuordnen, muss man wissen: Ende der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren die Stadt und der Landkreis Ebermannstadt mit noch nie dagewesenen Flüchtlingszahlen konfrontiert. Manfred Franze hat das in seinem Buch über "Kriegsende und Neubeginn in Ebermannstadt und in der Fränkischen Schweiz" eingehend dargestellt.

Weil die damaligen Verwaltungen mit der Bewältigung der Flüchtlingsströme überfordert waren, war der Fall des wegen Betrugs verurteilten ehemaligen Stadtrat keine Einzelerscheinung in dieser Zeit. Schon 1947 hatte der Fränkische Tag im Dezember über ein Strafverfahren vor dem Bamberger Landgericht gegen einen ehemaligen Flüchtlingskommissar und dreizehn Mitangeklagte wegen "Amtsunterschlagung und Untreue" berichtet. Der Hauptangeklagte - seines Zeichens "Flüchtlingskommissar" - erhielt damals "ein Jahr und sechs Monate Gefängnis", zwei andere sechs Monate Gefängnis und Geldstrafe.

Überhaupt sorgte das Landratsamt in Ebermannstadt zwischen 1945 und 1948 ständig für Aufregung, weil die amerikanische Militärregierung nicht nur mehrmals die kommissarisch eingesetzten Landräte austauschte, sondern auch, weil der erste demokratisch gewählte Landrat durch eine Intrige sein Amt verlor.

Chaotische Verwaltungen in der Nachkriegszeit

Zwischen 1939 und Ende 1946 stieg die Bevölkerung im Landkreis Ebermannstadt von kaum 22 000 auf über 31 000 Einwohner, in der Kreisstadt selbst um über 1000 auf 2323 Einwohner. Die Verwaltung am Landratsamt wie auch im Rathaus war überfordert, die vielen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen angemessen unterzubringen. Schon allein das war eine Aufgabe, auf die niemand vorbereitet war und enormen Aufwand kostete. Vom Ärger ganz zu schweigen. Dazu fehlte es noch an entsprechendem Personal - nicht nur wegen der Säuberung durch die Entnazifizierung, sondern auch wegen der notwendigen fachlichen Qualifikation. In dieser mehr oder weniger chaotischen Situation geeignete Kräfte zu finden, war nicht einfach.