Ziegen, das weiß Marcel Schaller nur zu gut, mögen keine Hunde. Als dann doch einer den Steilhang der Wolfsberger Burgrunine hochkommt, gerät die Herde sofort in Bewegung. Die Tiere wittern Gefahr und auch Schaller ist etwas nervös: "Das ist immer eine kritische Situation." Im schlimmsten Fall könnten die Ziegen über den Zaun flüchten und dann nur mit viel Mühe wieder zusammengebracht werden. Dieses Mal geht aber alles gut. Auch deshalb, weil sich der Hund an der Leine einer Wanderin befindet. Marcel Schaller atmet durch.

Schaller wohnt in Thuisbrunn und ist 25 Jahre alt. Er ist gelernter Landwirt und kam vor fünf Jahren aus Thüringen ins Frankenland, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Ein Standbein ist nun eine Nebenerwerbslandwirtschaft, zu der auch seine Ziegenherde zählt. Mit drei Kamerunschafen hat Schaller begonnen und dann die Herde Schritt für Schritt vergrößert.


Es geht um die Schönheit der Region



Heute blickt er auf 54 Ziegen, die eine Mischung aus Kamerun- und Burenziegen sind. "Die Burenziegen sind besser für Milch, die anderen für Fleischerzeugung", erklärt er. Einen Ziegenbock brachte er aus Thüringen mit, vielleicht auch ein wenig aus nostalgischen Gefühlen. Es geht Schaller aber nicht nur um Fleisch oder Milch, sondern auch um die Naturschönheit der der Region. Seit zweieinhalb Jahren ist er für die Beweidung zwischen Untertrubach und Bärnfels zuständig. "Mit gefällt es, wenn die Flächen frei bleiben", sagt er.

Die Pflege der Landschaft, wie Schaller sie betreibt, wird immer wichtiger, je mehr Landwirte ihren Beruf an den Nagel hängen. Das ist auch in Obertrubach und seinem Trubachtal nicht anders, und deshalb ist Bürgermeister Willi Müller (CSU) froh darüber, dass es Marcel Schaller und seine Ziegen gibt. "Wir haben hier viele Felsfreilegungen, die Nachpflege ist besonders schwierig. Die Verbuschung explodiert förmlich und zerstört mit den Wurzeln auch die Felsen", nennt Schaller einige der Probleme. Jetzt aber arbeiten Schallers Ziegen als Rasenmäher auf vier Beinen auf Flächen, die nicht mehr bewirtschaftet werden.


Der Tourismus schätzt die Arbeit



Schaller trägt auf diese Weise entscheidend dazu bei, dass beliebte Orte wie die Burg Wolfsberg, den Richard-Wagner-Felsen oder auch den Altarstein sichtbar bleiben. Das dankt ihm auch die Touristenbranche, die in Obertrubach eine wichtige Rolle spielt.

Wilfried Kirsch aus Untertrubach ist einer von denen, die Schaller Grundstücke zur Pflege überlassen haben. "Marcel nimmt seine Aufgabe sehr verantwortungsbewusst wahr, es ist eine gute Lösung", lobt er den Landwirt.
Allerdings: Die Sache mit den Ziegen ist schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint. "Ziegen sind bekannt dafür, dass sie sich nicht gerne einsperren lassen", sagt Schaller. Es dennoch zu machen, bedeutet harte Arbeit. Für den Nebenerwerbswirt Schaller heißt das, jeden Tag nach dem Rechten zu schauen.