Bis zu seinem Tod hat Georg Helt immer drauf Wert gelegt, als Forchheimer bezeichnet zu werden. In manchen Schriftstücken wurde er ohne Familiennamen nur "optimus Georgius Forchemius" genannt. Trotzdem ist der Theologe, der im 16. Jahrhundert die Reformationsbewegung mit eingeleitet hatte, heute in Forchheim nahezu unbekannt.

Engelbert Wagner, Historiker und Heimatpfleger, ist vor rund zehn Jahren bei Recherchen zur Ortsgeschichte Hausens auf den Namen Georg Helt gestoßen. Er forschte weiter und verfasste einen Aufsatz über den Reformator, der in der Heimatkundlichen Zeitschrift "An Regnitz, Aisch und Wiesent" erschien. "Leider ist mein damaliger Versuch, Georg Helt in den öffentlichen Fokus zu rücken, im Sande verlaufen", sagt Wagner. "Es ist ein echtes Versäumnis, diesen Mann zu ignorieren." Für Engelbert Wagner hätte es der Theologe aufgrund seines Lebens verdient, eine Straßenbezeichnung in Forchheim zu erhalten.

Seit einigen Wochen ist das Thema Reformation besonders aktuell. Am 31. Oktober startete das Reformationsjahr. Am gleichen Tag im Jahr 1517 hat Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen: der entscheidende Anstoß zur Reformationsbewegung.


Halbes Vermögen an Forchheim

Dass der Name Georg Helt heute kein Begriff mehr ist, hängt laut Wagner wohl damit zusammen, dass er über Jahrzehnte keinen direkten Kontakt zu seiner Heimstadt hatte und weit weg von Franken in Dessau gestorben ist. Vergessen hat Georg Helt seine Heimat allerdings nie. "Das zeigt die Tatsache, dass er die Hälfte seines Vermögens (300 Goldgulden) der Stadt Forchheim gestiftet hat", erklärt Wagner.

Im jugendlichen Alter verließ Helt Forchheim in Richtung Münster, um dort Latein zu lernen. Für sein Studium der Freien Künste zog es ihn anschließend nach Leipzig. Seinen Lebens-Mittelpunkt fand er später im anhaltischen Gebiet, wo er Theologie lehrte. Seine Trennung von der alten Kirche vollzog sich zögernd. Erst 1527 soll er sich der Reformation angeschlossen haben. "Es war eine schwere Gewissensentscheidung für ihn, zum neuen Glauben überzutreten", berichtet Engelbert Wagner. Im Forchheimer Raum ist die Reformationsbewegung bereits Ende des 16. Jahrhunderts durch die Gegenreformation der katholischen Kirche früh unterbrochen worden. "1580 gab es nur noch einzelne Fälle von Protestanten in Forchheim. Die Mehrheit wurde mehr oder weniger aus der Stadt geekelt", sagt Wagner.

Ein authentisches Bildnis von Georg Helt ist nicht überliefert. In der Literatur fällt sein Name vornehmlich im Zusammenhang mit Georg III., der auch eine treibende Kraft der Reformation war. Wagner: "Georg III. war eine Generation jünger und sah in Helt einen Mentor und väterlichen Freund."

Auch Martin Luther hielt anscheinend große Stücke auf Helt. "Martin Luther hat nach dem Tod von Helt einen sehr bewegenden Kondolenzbrief an Georg III. geschrieben", sagt Wagner. "Es ist schon eine Besonderheit, wenn ein Mann aus Forchheim, einem besonders katholisch geprägten Städtchen, in einem so engen Verhältnis zu Martin Luther gestanden hat."


Vita Georg Helt



Humanist Georg Helt war ein deutscher Humanist und Universalgelehrter. Er war zunächst Römisch-katholischer Theologe und später Lutherischer Theologe. Helt wurde um 1485 in Forchheim geboren und ist am 6. März 1545 in Dessau gestorben.

Werdegang Ab 1501 studierte Helt an der Universität Leipzig. 1502 erwarb er den akademischen Grad eines Baccalaureus und 1505 den eines Magisters der Freien Künste. Er betrieb danach eine Privatschule, die sich vor allem der lateinischen Sprache widmete.
Georg Helt hat 1519 an der Leipziger Disputation zwischen Luther und Johannes Eck teilgenommen. 1527 bekannte sich Georg Helt nach langer Gewissensprüfung zum evangelischen Glauben. red