Angekündigte Grußworte wurden in gekürzter Form gesprochen, die geplante Eröffnung einer Fotoausstellung mit Bildern von der Kirche und dem Stadtteil ist auf das nächste Frühjahr verschoben worden und ein schon teilweise vorbereiteter Empfang war gestrichen: Aber der Festgottesdienst selbst zum 50-jährigen Bestehen der Christuskirche Forchheim war trotz Corona nicht abgesagt worden. Natürlich mit Maskenpflicht und sogar mit anzugebenden persönlichen Daten der Besucher samt Angabe des Sitzes in der Kirche fand der Jubiläumsgottesdienst statt. 1970, auch am 1. November, war unter Gerhard Huber, dem damaligen Pfarrer der Gemeinde, die Christuskirche eingeweiht worden. Pfarrer Ulrich Bahr und Diakonin Beate Wagner hatten nun die Leitung der "Geburtstagsfeier im verkleinerten Rahmen" vom Beginn bis zum Abschlusssegen inne. Die Predigt hielt Pfarrer Christian Muschler, der 15 Jahre lang Seelenhirt und Initiator vieler (inter-)religiöser und auch sozialer Projekte für die Gemeinde der Christuskirche und ihrer Umgebung gewesen ist. Er war - zur Freude seiner früheren Gemeindemitglieder - aus Simbach am Inn, wo er inzwischen lebt, angereist. Das erst vor kurzem eingetroffene neue Pfarrerehepaar Cramer hielt sich bewusst zurück.

Muschlers Predigt bezog sich auf den Satz aus dem Neuen Testament (Johannes 14, 6): "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben", der in der Kirche auch auf einem Wandteppich links hinter dem Altar zu lesen ist. Als Christian Muschler vor seinem Abschied aus Forchheim ein letztes Mal "seine" Kirche besuchte, fiel sein Blick - so schilderte er - besonders auf diesen Teppich, und er habe bei aller Wehmut und einer gewissen Unsicherheit in Bezug auf das Neue in seinem Leben durch diese Bibelworte in diesem Moment viel Trost und Ermutigung empfunden. Denn "wenn Christus der Weg ist, dann ist er immer und auch anderswo nah", und das gelte für alle Menschen in ähnlichen Situationen und im gesamten Leben.

Wie der Name entstand

Muschler (selbst übrigens genauso alt wie die Kirche) erläuterte auch, warum das Gotteshaus vor 50 Jahren gerade den Namen "Christuskirche" bekam, der damals sozusagen auf der Hitliste der Namen gestanden habe. Er berief sich dabei auch auf den erst kurz vorher verstorbenen Vertreter der entsprechenden Strömung dieser Zeit, Christus in den Mittelpunkt zu stellen, nämlich auf den Schweizer Theologen Karl Barth (1886 bis 1968). Christus zeige den Weg der Menschlichkeit, der wiederum das Sein Gottes bestätige. Damit sei auch der Mensch das Maß aller Dinge. Dieser Satz sei aber keineswegs als Anmaßung gemeint, sondern im Gegenteil als Verpflichtung, in dieser Welt Menschlichkeit zu praktizieren und vor allem nach der Erfahrung von furchtbarer Gewalt in den zwei Weltkriegen daran zu arbeiten, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt. Nicht von ungefähr hat der Architekt Wolfgang Gsaenger der Christuskirche die Form einer Jurte, eines Zeltes gegeben: Sie sollte besonders den vielen Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Zuflucht und Heimat werden, wie die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Gabi Stubenrauch, später noch erklärte.

Keine Beliebigkeit

"Ich bin die Wahrheit", so heißt es bei Johannes 14 weiter, und Pfarrer Muschler betonte in seiner Predigt: "Wahrheit bindet, lässt keine Beliebigkeit mehr zu." Aber wenn Jesus die Wahrheit sei, dann dürfe gerade auch die Kirche nicht den Anspruch erheben, die Wahrheit allein zu besitzen; sie müsse hören, offen sein gerade auch für Menschen, die sich ihr nicht zugehörig fühlen - ein gleichermaßen mutiges wie demütiges Wort für einen Kirchenmann und das Leben: Als Karl Barth in schon hohem Alter von einem Kollegen sogar etwas kritisiert worden sei, weil er geäußert hatte, dass er noch nicht sterben wolle, antwortete der lebenskluge und lebensfrohe Theologe mit dem Singen des bekannten Volksliedes: "Freut euch des Lebens ..." Er empfinde immer noch mit Freude jeden einzelnen Tag als neu geschenktes Leben und sei nicht "lebenssatt", wie von Abraham und dessen Tod im Alten Testament berichtet wird und worauf Barths Kollege angespielt hatte. Nach so einer Interpretation des berühmten Bibelverses "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" konnte man gut nachvollziehen, warum die Christuskirche zu eben diesem Namen kam - und dass es deshalb auch so schön sei, dass sie ihn trage, so Christian Muschler. Nach minimalem Zögern brach dann, sonst durchaus nicht üblich, Applaus aus für diese offenbar alle Gottesdienstteilnehmer erfreuende und ermutigende Predigt.

Aus der Politik waren MdL Michael Hofmann und Landrat Hermann Ulm (beide CSU) anwesend; Letzterer improvisierte eine sehr persönliche Gratulation (statt eines vorbereiteten vierseitigen Grußwortes, wie er lächelnd sagte): Er sei noch als Bub zum ersten Mal in die Christuskirche gekommen und habe schon damals mit Staunen das ganz andere dieses Gotteshauses bemerkt: kein riesig großer, sehr alter Bau mit für die Gläubigen weit entferntem Altar, sondern ein "Zelt", das soviel Gemeinschaft ausstrahle. Dietmar Denzler, der Pastoralreferent der katholischen Nachbargemeinde Verklärung Christi, sprach in seinem Grußwort davon, dass der Strich zwischen evangelisch und katholisch längst von einem Trennungs- zu einem Bindestrich geworden sei. Er schloss mit einem ökumenischen Gebet von Papst Franziskus.

Mit Kinderfragen begonnen

Besonders anrührend war schließlich die Rede von Gabi Stubenrauch, die mit der einfachen, aber von Erwachsenen meist nicht so leicht zu beantwortenden Kinderfrage begann: "Wo wohnt Gott?" Nach alttestamentlichen Erläuterungen und einer ganz anderen durch Paulus (1. Korintherbrief), dass Gott eigentlich kein Haus brauche, um darin zu wohnen, sondern "lebendige Steine", Menschen, Gemeinde, sagte sie: Aber die brauche eben ein richtiges Haus zum Feiern von Festen, aber auch zum gemeinsamen Trauern und Beten. Gabi Stubenrauch versuchte sich in ihre Christuskirche zu versetzen und was diese selber erzählen würde: von ihrer Freude über die sommerlichen Besuche zahlloser Mauersegler und Fledermäuse, aber noch mehr über die Geräusche von vielen Kinderfüßen genauso wie die von sorgenbeladenen, schweren Schritten von Menschen, die Zuflucht in ihr suchen und auch oft finden.

"Nur mit Leben gefüllt, macht die Kirche als Gebäude Sinn. Und deshalb ein großes Happy Birthday, liebe Christuskirche! Meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum halben Jahrhundert, Gottes Segen und allzeit ein paar Füße, die den Weg über deine Schwelle finden!"

Nach dem Überschreiten der Schwelle wieder nach draußen ergaben sich noch kurze Gespräche der Gottesdienstbesucher, besonders mit Pfarrer Muschler.