Es ist 5 Uhr, wenn der Wecker von Lorena Oßmann in Mittelehrenbach klingelt. "Wenn ich noch duschen muss, sogar 4.30 Uhr", erzählt die 18-jährige Schülerin. Um sechs muss sie bereits an der Bushaltestelle stehen, damit sie pünktlich zum Schulbeginn um 8 Uhr in Erlangen ist.

Die junge Frau ist nur eine von vielen, die aus dem Landkreis Forchheim nach Erlangen, Nürnberg oder Bamberg pendelt. Dort sind einige Fachschulen oder auch Berufsschulen angesiedelt, die die Schüler und Auszubildenden in der Regel besuchen. Wer dann keinen Führerschein oder kein Auto zur Verfügung hat oder einfach aus umweltschonenden Gründen auf den öffentlichen Nahverkehr zurückgreifen will, der muss nicht nur Geduld mitbringen, sondern auch entsprechend viel Geld.

"Wenn ich mit dem Auto fahren würde, wäre das günstiger", sagt die 18-Jährige, "aber schon allein die Parkplatzsuche stresst mich. Außerdem fahre ich auch nicht so gerne Auto. In der Bahn kann ich wenigstens schon mal Hausaufgaben machen."

Dafür zahlt die Mittelehrenbacherin 132 Euro im Monat - als Schülerticket. Für Berufstätige kostet die Tarifstufe 6 +T, die von Mittelehrenbach nach Erlangen benötigt wird, zwischen 195 und 139 Euro. Je nach dem, für wie viele Monate man das "Abo" abschließt.

Ab September wird Lorena Oßmann dann für nur 365 Euro im Jahr durch den gesamten VGN-Bereich fahren können. Dann ist sie Auszubildende zur Groß- und Einzelhandelskauffrau. Die Berufsschule dafür besucht sie in Bamberg. "Ich habe das Glück, dass ich auf die Berufsschule 3 gekommen bin, die ist nur fünf Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt." Auch da wird sich das 365-Euro-Ticket dann lohnen. "Ich weiß noch nicht, ob mein Arbeitgeber die Fahrt zur Berufsschule, also das Ticket, dann bezahlt", sagt sie.

Noch ist sie aber Schülerin und hat Anspruch darauf, ihr Zugticket vom Landkreis bezahlen zu lassen. Dafür sammelte sie das ganze Jahr die Monatskarten, um sie dann jetzt im Juli gesammelt einzureichen. Bisher wurde das bei den Oßmanns so gehandhabt, dass die Tickets vorab von Lorenas Vater bezahlt wurden. "Man muss als Schüler immerhin erstmal das Geld haben, die Tickets zu bezahlen", sagt sie.

Aufgrund von Corona und der Tatsache, dass sie in diesem Jahr ihren Abschluss gemacht hat, hat sie in den letzten Wochen oft auch nur Einzelfahrten gekauft. "Ein Wochenticket für die Prüfungswoche hat über 44 Euro gekostet", erzählt sie. Jetzt sei sie froh, dass das Ticketsammeln und Kilometer aufschreiben für die Abrechnung bald vorbei sei. Nur noch die Anträge ausfüllen und sie bekommt das Geld wieder.

Beim Landratsamt Forchheim ist Klaus Hummel zuständig für den öffentlichen Personennahverkehr. Er erklärt, dass durch das 365-Euro-Ticket gar nicht mehr so viele Schüler einen Erstattungsanspruch haben werden wie bisher.

"Schüler und Schülerinnen bis zur 10. Klasse erhalten ohnehin kostenfrei ihre Fahrkarten, soweit sie einen Schulweg von mehr als zwei Kilometer (Grundschule) beziehungsweise drei Kilometer (weiterführende Schulen) haben", sagt Hummel, "Schüler und Schülerinnen ab der 11. Klasse müssen sich - mit Ausnahme von Empfängern von Sozialleistungen - ihr Ticket selbst kaufen und können am Schuljahresende Kostenerstattung beim Landratsamt beantragen. Erstattet werden nur jährliche Kosten über 440 Euro." Dieses sei die sogenannte "Familienbelastungsgrenze", erklärt Hummel. Da ein 365-Euro-Ticket unter dieser Grenze sei, werde das dann nicht mehr bezahlt. "Denkbar sind auch Fälle von Rückerstattungen, wo zwei Kinder gleichzeitig in der Oberstufe sind und so zusammen die Belastungsgrenze überstiegen wird", sagt Hummel.

Günstigeres Ticket, mehr Kosten

Bisher erstattete der Landkreis ca. 230 000 Euro jährlich, wovon ihm rund 80 000 wiederum an staatlichen Zuschüssen vom Land vergütet wurden. Das wird nun weniger werden. Allerdings, so rechnet Hummel vor, wird am Ende trotzdem ein Minus gemacht, denn: der Landkreis muss sich an den Verlusten aus den verminderten Einnahmen beteiligen. "In Zahlen bedeutet das, den 560 0000 Euro Verlust im ÖPNV stehen zirka 1,2 Millionen Euro Kostensenkung bei den Ausgaben für Schülerfahrkarten gegenüber", so Hummel. "Dieses insgesamt auf den ersten Blick positive Ergebnis wird durch den Wegfall der anteiligen staatlichen Förderung von ca. 70 Prozent in ein jährliches Minus von rund 220 000 Euro verwandelt ."

Ob das 365-Euro-Ticket auch für "alle" kommt, wagt Hummel nicht zu prognostizieren. Dafür müssen nämlich noch einige Sachen geklärt werden. "Diese Entscheidung müsste von allen Mitgliedern im Verkehrsverbund einstimmig beschlossen werden", erklärt er. "Die dann zusätzlich fehlenden Einnahmen müssten definitiv ebenfalls ausgeglichen werden." Grundsätzlich wäre eine einheitliche Fahrkarte für alle von seiner Seite aus aber zu begrüßen. "Es wäre ein enormer Schritt hin zu einem höheren ÖPNV-Anteil an der Gesamtmobilität im Landkreis."

Mit dem 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende kann Lorena Oßmann künftig auch ihren Freund in Höchstadt besuchen. Auch er nutzt oft den ÖPNV und hat ausgerechnet, dass er jährlich über 1000 Euro braucht, um zu seiner Ausbildungsstätte und der Berufsschule zu kommen. Daher freut auch er sich schon auf das 365-Euro-Ticket.

Um dieses zu bekommen, muss aktuell noch immer die Berechtigung, sprich der Verbundspass vorliegen. "Der gilt allerdings immer nur ein Jahr und man muss ihn dann am Schalter verlängern lassen", erklärt Lorena Oßmann. Trotzdem: Das Einheitsticket ist ein Schritt in Richtung ÖPNV für alle. Da ist sich auch Klaus Hummel sicher: "Mit dem Schüler-Ticket soll ein erster Schritt dahin gemacht werden, gerade der jungen Generation langfristig die Vorzüge der öffentlichen Verkehrsmittel schmackhaft zu machen und somit ihr Umweltbewusstsein auch für später zu stärken."