Grund für die unterschiedliche Zählweise ist, dass die Braunauer ihre große Zusammenkunft in zweijährigem Rhythmus organisieren, und zwar abwechselnd in Forchheim und in Gersthofen vor den Toren Augsburgs.
Darum kommen die Braunauer nur alle vier Jahre in der Patenstadt zusammen. Seit 2001 hat sich die Patenschaft zu einer Partnerschaft erweitert, und seit dieser Zeit hat sich vieles zum Besseren, teilweise sogar zum Guten gewandelt.

Als im Juli 1953 der erste Heimattag in Mühldorf am Inn ausgetragen wurde, war von Forchheim noch nicht die Rede. Es dauerte bis zum August 1955, als der Forchheimer Stadtrat dieses in kommunistischer Zeit noch recht problematische Verhältnis beschloss, um der Aufnahme und der Integration von Heimatvertriebenen Rechnung zu tragen.

Mittlerweile zeugen das Vorhandensein des Braunauer Heimatmuseums beim Paradeplatz, eine amtliche Straßenbenennung und das Braunauer Denkmal, das einmal beim Bahnhof gestanden hatte und seit einigen Jahren auf dem Streckerplatz zur, wie man hofft, Ruhe gekommen ist, dass diese Patenschaft etabliert ist.

Heimatvertrieben und -verblieben

Inzwischen lag es am damaligen Braunauer Bürgermeister Zdenek Streubel und seinem Stadtrat, dass sich das Verhältnis zwischen Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen zusehends besserte. Und schließlich war durch den Anstoß des heutigen Vorsitzenden Ernst Birke und Vorstandsmitglied Günter Reichert die Idee geboren, diese Patenschaft zu einer Dreierbeziehung aufzuweiten. Denn zwischen Vertriebenen und Vertreibungsopfer gab es zunächst noch Berührungsängste, die es zu überwinden galt.

2001 wurde im Stadttheater von Braunau, das auf tschechisch Broumov heißt, feierlich die Partnerschaft zwischen Forchheim, Braunau und Broumov besiegelt. Es war noch eine Neuerung, da man den Unterschied zwischen Paten- und Partnerschaft noch nicht so kannte wie das heute allmählich Schule macht wie etwa zwischen Augsburg, Reichenberg und Liberec.

In der Zwischenzeit kann Braunau/Broumov den dritten Bürgermeister vorweisen, der diese Beziehung aktiv stützt. Streubel war nicht nur aus tschechischer Sicht so etwas wie der Vater des Partnerschaftsgedankens. Seine Nachfolgerin wurde Libuše Ručková, die einen deutschstämmigen Vater hatte und die Braunauer Vertriebenen dadurch bezauberte, dass sie ihre Antrittsrede im Forchheimer Rathaussaal vor einigen Jahren in perfektem "Braunschen" Dialekt hielt.

Ihr Nachfolger spricht kein Deutsch und musste sich daher von Helga Buhl übersetzen lassen. Sein Name Milan Kotrnec geht deutschen Zungen vielleicht ähnlich holperig über die Lippen wie der seiner Vorgängerin. Aber was er sagte, war fundiert und wichtig zugleich, weil es ahnen ließ, zu welcher Form von Befreiung man sich im nördlichen Böhmen emanzipieren musste, wo die Kirchenlandschaft durch Kilian Ignaz Dientzenhofer geprägt ist und vieles getan wurde, um an frühere Zeiten anzuknüpfen.

"Leider ist uns bis heute eine völlige Geschichtslosigkeit verordnet worden", ließ er Helga Buhl übersetzen. Und er dankte Forchheim, dass es den vertriebenen Braunauern in dieser für sie so schwierigen Zeit eine neue Heimat gegeben habe.

MdB aus Altötting

Der Festredner, der CSU-Bundestagsabgeordnete Stefan Mayer, kommt aus Altötting, und das bereits genannt Mühldorf am Inn liegt in seinem Wahlkreis. Seine Großeltern stammen aus der mährischen Hauptstadt Brünn, und er zeichnete - vor allem nach der "höchst respektablen Rede", die der zurückgetretene tschechische Ministerpräsident Petr Nečas im Landtag in München gehalten habe - ein rundweg positives Bild von den neuen Beziehungen.