Bereits vor der Verhandlung murmelt der Angeklagte mit seinem Verteidiger. Dem 25-Jährigen wird vor dem Amtsgericht Forchheim vorgeworfen, unerlaubt Betäubungsmittel besessen und in zwei Fällen damit gehandelt zu haben. Der Beschuldigte streitet die Vorwürfe ab und erklärt sich: "Ich bin Gelegenheitskonsument, aber wenn ich was nehme, dann nur in einer geselligen Runde mit Freunden."

Nach einer handgreiflichen Trennung wollte die Ex-Freundin des jungen Mannes diesen wegen Körperverletzung anzeigen. Bei der Polizei machte sie ihre Aussage und erwähnte dabei seine angeblichen Drogengeschäfte. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des vermeintlichen Dealers wenige Tage später fand die Polizei 0,19 Gramm Haschisch, 0,1 Gramm Marihuana und 268 Gramm Haschischkekse.
Das Rauschgift und das Handy, mit dem Rauschgiftgeschäfte verabredet sein sollen, zogen die Beamten ein.


"Nur Gelegenheitskonsument"


Die Anschuldigungen der Zeugin weist der Angeklagte von sich. Er erklärt es sich so, dass sie "gekränkt war", da er in der Beziehung untreu war. "Ich mach dir das Leben zur Hölle", soll sie ihm angedroht haben.
"Aber man fand an den von der Zeugin beschriebenen Verstecke das Rauschgift?", hakt die Amtsrichterin Silke Schneider nach. Der Angeklagte betont nochmal, keinen Handel damit betrieben zu haben, sondern nur zu konsumieren.

Auf den Handel mit dem Rauschgift schließen die Behörden aus verdächtigen Formulierungen, die im Nachrichtenverlauf des konfiszierten Handys gefunden wurden. Der Rechtsanwalt zweifelt an den Anschuldigungen: "Es handelt sich nur um Verabredungen zu gemütlichen Abenden." Doch der Richterin reicht schon die Verabredung. Der Staatsanwalt wirft ein, dass man, "ohne Experte zu sein, auf verschlüsselte Verabredungen zum Handel rückschließen kann".

Der Verteidiger fragt den Angeklagten, wie sich die Trennung abspielte. Es sei zur Auseinandersetzung gekommen mit einem "Tätschala oder Schubser". Die Ex-Freundin wusste von den Konsummitteln und hat auch konsumiert. Er habe das Rauschgift von Freunden, sagt er auf Nachfrage der Richterin. Zu den Namen macht er keine Angaben. Schneider schließt daraus, dass er sich die "Türen für später offenhalten" möchte.

Die leitende Ermittlerin wird vernommen. Bei der Vernehmung im Mai 2013 wegen Körperverletzung kam der Drogenkonsum des Exfreundes zur Sprache und sie fragte nach. "Sie konnte genau beschreiben, wo sich die Drogen befanden und nannte zwei Situationen, in denen es zum Verkauf kam. Die verkauften Mengen konnte sie nur schätzen." Die junge Frau beschrieb die ungefähre Menge Marihuana und Größe einer Haschplatte, die er verkauft haben soll.


Unklare Angaben lassen Zweifeln


Die Ex-Freundin wird befragt. Verhalten dasitzend erklärt sie, dass der Angeklagte einem Freund einen kleinen Beutel Gras abgefüllt und mitgegeben, ein anderes Mal einem Arbeitskollegen eine braune Platte mitgebracht haben soll. Direkten Handel sah sie allerdings nie. Er sagte angeblich, dass der Beutel Marihuana 100 Gramm beinhaltet. Sie deutet die Größe des Beutels und der Platte an.

Der Rechtsanwalt wirft ein, dass die Mengenangabe nicht mit den Größenverhältnissen übereinstimmen kann. Es muss sich um weit weniger und damit nur für den Eigenkonsum gehandelt haben. Die Anzeige wegen Körperverletzung wurde zurückgenommen, den Handel kann man nicht nachweisen.

Die Richterin entscheidet: Wenn der Angeklagte auf die Entschädigung des Handys und Drogen und eine Auflage von 500 Euro zahlt, wird das Verfahren vorläufig eingestellt. "Lassen Sie in Zukunft die Finger davon", sind ihre Schlussworte.