Ist der 22-Jähriger schlicht und ergreifend ein Gewalttäter? Einer der Frauen schlägt und Gegenstände demoliert? Einer, vor dem Frauen derart Angst haben, dass er erst den Gerichtssaal verlassen muss, damit sie frei aussagen können?

Für Verteidiger Bernhard Eckert ist diese Sicht nur ein Teil der Wahrheit. "Mein Mandat sagt, dass er Hilfe braucht", sagte er.

Der Forchheimer war vor einigen Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem er seine sechs Jahre Jugendstrafe vollständig hatte verbüßen müssen. Schon aus diesem Umstand klar, dass das keine Kleinigkeit gewesen sein kann.

Schläge gegen Schwangere

Im Jugendstrafrecht gibt es keine Sicherungsverwahrung, dafür aber subtile Methoden: etwa die Führungsaufsicht.


So war dem 22-Jährigen bereits 1999 eine solche Weisung erteilt und nach einem Beschluss des Landgerichts Amberg bis Mai 2016 festgesetzt worden. Eine Führungsaufsicht verlangt vom Betroffenen im Grunde wie in Mönch zu leben. "Er hat keine alkoholischen Getränke oder andere berauschende Mittel zu sich zu nehmen und sich Alkohol- und Suchtmittelkontrollen zu unterziehen, die nicht mit einem körperlichen Eingriff verbunden sind", heißt es dazu im Paragraphen 68 des Strafgesetzbuches, der sich mit dem Komplex "Führungsaufsicht" befasst.

Im Februar ist dann plötzlich aber alles ganz anders gewesen. In einer Gegend, die mittlerweile die ehemals berüchtigte Herderstraße einschlägig abgelöst hat, versetzte er einer knapp 40-jährigen Frau einen heftigen Schlag.

Das wog umso schwerer, als die Frau schwanger war. "Ich habe gar nicht gesehen, dass sie schwanger war", entschuldigte sich der Angeklagte vor dem Forchheimer Amtsgericht. Zum Tatzeitpunkt war die Frau etwa im dritten Monat. "Hochschwanger", wie es in der Anklage hieß, war sie wohl also nicht gewesen.
Ihr sei damals auch nicht allzu viel passiert, konnte die 40-Jährige Amtsrichterin Silke Schneider beruhigen. Vor drei Wochen ist ihr Kind auf die Welt gekommen.

Angeklagter bedroht Ehefrau

Seine ihm getrennt lebende Frau des Angeklagten hatte dessen Angriff auf die Schwangere beobachtet. Sie eilte der Frau zur Hilfe und wurde ebenfalls zum Opfer von Gewalt. Der 22-Jährige schlug sie beinahe zu Boden.
Noch zwei andere Fälle wurde gegen den Angeklagten verhandelt. Unter anderem eine Sachbeschädigung an einem Motorrad, was Reparaturkosten von rund 500 Euro zur Folge.

Seine Frau hatte er unmittelbar vor der Verhandlung bedroht: Wenn sie gegen ihn aussage, könne sie "ihr blaues Wunder erleben". Diese Drohung war für die junge Frau Anlass genug, den Angeklagten und gleich die gesamte Öffentlichkeit ausschließen zu lassen. Den Staatsanwalt zwang dies selbst zu der Drohung, wenn er noch ein einziges Mal höre, dass der Mann Zeugen angehe, werde er Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit der 22-Jährige wieder in den Knast einfahre.

Spätestens jetzt muss dem Mann seine Ausweglosigkeit bewusst geworden sein. Mit einem Therapeuten könne er über seine Probleme reden, mit einem Psychologen allerdings nicht. Da war der Zeitpunkt gekommen, an dem Verteidiger Bernhard Eckert den Hilferuf des jungen Mannes stellvertretend formulierte. Für seinen Mandanten sei es die beste Lösung, zunächst in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen zu werden.

Vorerst kein Gefängnis

Für Amtsrichterin Schneider war es vorstellbar, dass der Mann ein Gutachten über seine Schuldfähigkeit und eine Sozialtherapie beantrage. Der Sachverständige könne dann noch bestimmt werden.

Damit ersparte sich der 22-Jährige zumindest vorerst das Gefängnis. Vergnügungssteuerpflichtig wird die die nächste Zeit für den 22-Jährigen dennoch nicht werden.