Schon immer werden in Gräfenberg Steine geklopft. Irgendwo muss der Name "Steinklopfer", wie die Gräfenberger im Volksmund genannt werden, ja herkommen. Geklopft wird nicht nur in den zwei Steinbrüchen, aus denen heute lasterweise Schotter gefahren wird. Das Steineklopfen war überlebenswichtig für die Maurer und andere Handwerker oder Bürger, die sonst ohne Einkommen in den Wintern verhungert wären. Das war in der Zeit von 1800 bis 1880, als Gräfenberg noch 200 Steinbrüche zählte - oder besser "Steinbrüchchen", wie Georg Rammensee, Gründungsmitglied der Altstadtfreunde, aus der Historie weiß. "In der früheren Zeit war der Bürgermeister zuständig, dass die Leute über den Winter gekommen sind. Kurzarbeitergeld gab es nicht. Damit die Menschen nicht verhungerten, wurden ihnen Gemeindeteile zugewiesen", erzählt Rammensee. Diese Flächen beuteten die Männer dann aus. Sie malochten, klopften unermüdlich Steine aus den Grundstücken. "Bis zu zehn Kubikmeter Steine mussten geklopft werden, um davon leben zu können", erzählt Rammensee von einem der damaligen Steinbruchbesitzer. Gräfenberg ist nun einmal voller Steine, die abgebaut wurden und werden. Neben den Gemeindeanteilen gab es Steinbrüche in privater Hand. Die gewonnenen Steine durften dann von den Bauarbeitern verkauft werden, um Geld für Nahrung zu haben, um Schulden bezahlen zu können, oder auch, um einmal ein Bier zu trinken.

Drei Kategorien

Es gab talentierte und professionelle Steinklopfer. "Sie wurden in drei Kategorien eingeteilt", erzählt Rammensee. Zur ersten Kategorie zählten die besten Arbeiter. "Sie klopften die Steine für die Futtertröge und Brunnentröge", erklärt Rammensee. Die alten Futtertröge wurden aus Kalkstein hergestellt, wie Werner Steinbrecher, ebenfalls Gründungsmitglied der Altstadtfreunde und Besitzer des Steinbruchs Bärnreuther-Deuerlein, weiß. Auch in den Hausfluren der alten Häuser sind solche geschlagenen Kalksteine als Bodenbelag gelegt worden. "Die zwei Ausbuchtungen gegenüber dem Freibad in der Egloffsteiner Straße waren zwei Kalksteinbrüche", erinnert sich Steinbrecher. "In die zweite Kategorie kamen die anderen Steinklopfer, die Lagersteine herstellten. Die Natur bestimmte die Höhe des Steins, der Mensch brachte ihn in Form. Die Stadtmauer ist aus Lagersteinen gebaut", sagt Rammensee. In der dritten Steinklopferkategorie waren die Männer, die den Abfall in Fraktionen siebten, was dann im Straßenbau verwendet wurde. Händler sicherten sich diese von den Gräfenbergern im sogenannten Winterlager hergestellten Produkte und brachten sie im Frühjahr an den Kunden. "Die Steine wurden alle mit der Hand gebrochen", betont Rammensee. Das bedeutete Schwerstarbeit, um die notwendige Menge zu erreichen und die Familie ernähren zu können.

Die Steine "abgehört"

Aber die Steinklopfer bekamen ein Gefühl für ihr Tun. "Sie haben die Steine abgehört", weiß Rammensee. Auch er hat es probiert, mit dem Hammer leicht auf den Stein geklopft, gehorcht und zugeschlagen. Vom Stein sind erwartungsgemäß viele Splitter geflogen, aber er ist nicht in hunderte Teile zerborsten. Die Steinklopfer hörten, wo sie den Schlag ansetzen mussten, damit der Stein richtig zersprang. Wo sind diese Gemeindeteile, diese kleinen Steinbrüche? "Die alten Häuser, die in den Hängen gebaut sind und im Hintergrund noch einen ausgebrochenen Hang haben, waren früher kleine Steinbrüche", erklärt Rammensee. Ob in der Sollenbeger Straße, Guttenburger Straße oder Egloffsteiner Straße - überall waren Steinbrüche, auch im Scheunenviertel.

Keller gebaut

Aus den Steinbrüchen wurden die Keller gebaut. Was die Leute für ihre Keller brauchten, haben sie beim Klopfen zurückgelegt. Dort, wo nun die Grundschule samt Sportplatz steht, war ein großer Steinbruch. Die Fläche wurde aufgefüllt, wie viele andere auch, so beim früheren Tanzcafé Pesahl, bevor die Häuser entstanden. Selbst in der Bahnhofstraße war ein Steinbruch. "Dort war ein Tuffsteinbruch", erzählt Steinbrecher. Kalk- und Tuffsteine wurden in Gräfenberg abgebaut und Häuser und Mauern mit den geeigneten der beiden Steinarten gebaut. Feinstaub war damals noch kein Thema. "Sie haben mit der Hand geklopft", erläutert Rammensee. Aber später dann wurde Schwarzpulver zum Sprengen verwendet. "Das Schwarzpulver musste in der Apotheke gekauft werden", weiß Steinbrecher. "Schwarzpulver ist leicht entzündlich und war das Gefährlichste, was es gegeben hat", fügt Steinbrecher an. Neben einer Riesenrauchwolke konnte es auch schweren Verbrennungen verursachen.

Brisanter Sprengstoff

Noch brisanter war der Sprengstoff, der folgte. Damit zu arbeiten, war nicht ohne. Niemand war darauf geschult. Der Sprengstoff durfte nur mit der Bahn geliefert werden. Am Bahnhof wurde der Sprengstoff von dem Gräfenberger Fuhrunternehmer Zagel abgeholt. Dieser hatte ein Pferdefuhrwerk und der Sprengstoff lag ungeschützt hinten im Wagen. Damit begann mehr oder weniger auch die Industrialisierung. Die Steinbrüche wurden von der Gemeinde und den Bürgern verkauft. Aus den 200 Steinbrüchen um 1880 herum sind bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 30 geworden. In den fünfziger Jahren waren es noch 15 Steinbrüche in Gräfenberg. Auch diese Areale wurden verkauft, aufgefüllt und bebaut. Die früheren Steinbrüche im Anschluss an den Steinbruch Bärnreuther-Deuerlein wurden an diese Firma verkauft. Fragmente eines Kalkofens stehen noch und sind stumme Zeugen der Geschichte der Steinklopfer in Gräfenberg.