"Man sollte dem Mädchen eine weitere Aussage ersparen", ergriff Christian Schorr gleich zu Beginn der Verhandlung gegen den 36-jährigen Gernot G. (Name von der Redaktion geändert) wegen sexueller Nötigung das Wort. Der Staatsanwalt suchte ein Rechtsgespräch mit Richterin Silke Schneider und Rechtsanwalt Ralph Heinrich. Während des 20-minütigen Gesprächs konnte eine Verständigung erzielt werden. "Falls der Angeklagte ein vollumfängliches Geständnis ablegt, wird die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt", klärte Schneider über das Ergebnis auf.

Der Angeklagte aus dem nördlichen Landkreis Forchheim war am 3. Juni am späten Abend bei einer Familie in Forchheim zu Besuch. Als die Mutter einer 14-Jährigen für kurze Zeit die Küche verließ, rief Gernot G. das Mädchen zu sich. Er schenkte ihr ein Glas Southern Comfort ein und forderte sie auf, davon zu trinken. Nachdem die 14-Jährige einen Schluck nahm, umarmte Gernot G. das Mädchen von hinten und streichelte mit beiden Händen für zwei Minuten über ihre Brust. Dabei drückte er seine Genitalien an den Po des Mädchens und bewegte sich vor und zurück, um sich sexuell zu erregen. Anschließend hielt der 36-Jährige mit seinen Händen die Oberarme der Geschädigten fest. Das Mädchen konnte sich später aus dem Griff befreien.

Gernot G. gab sich im Gerichtssaal wortkarg. Auf die Frage der Richterin, ob sich der Vorfall wie in der Anklageschrift beschrieben zugetragen habe, brachte er nur ein gequält klingendes "Ja" heraus. Durch das Geständnis wurde auch die Aussage der Mutter und der anderen Zeugen nicht mehr benötigt.

Neben der Anklage der Staatsanwaltschaft, reichte auch die Geschädigte eine Nebenklage an. Die Vertreterin der Nebenklage, Christine Leuker, zeigte sich nach dem mehr oder weniger freiwilligen Geständnis des Angeklagten erleichtert. "Es ist sehr wichtig, dass dem Mädchen die Aussage erspart wurde. Sie ist psychisch sehr mitgenommen, nicht nur durch die Tat, sondern auch vom Drumherum", sagte sie. "Jetzt ist die Sache endlich abgeschlossen und sie kann wieder in Ruhe in die Schule gehen und an ihre Zukunft denken."

Dass Gernot G. seine Zukunft zumindest auf Bewährung in Freiheit verbringen darf, sei nur durch das Geständnis ermöglicht worden, erklärte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. "Sexuelle Nötigung ist sehr weit gefasst. Der Tatvorwurf ist zwar am unteren Rand anzusiedeln, dafür war es eine Tat gegenüber einer Minderjährigen, der es seitdem überhaupt nicht gut geht", sagte Schorr. Von einem minderschweren Fall könne nicht ausgegangen werden, Bewährung von einem Jahr sei deshalb die Mindeststrafe. Am Ende forderte der Staatsanwalt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie ein Schmerzensgeld in Höhe von 2500 Euro. Richterin Schneider schloss sich dem in ihrem Urteil an. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Außerdem wurde Gernot G. ein Kontaktverbot zur 14-Jährigen auferlegt.