Es sind nur ein paar dürre Zeilen, die Puma am Montag verschickt: Jochen Zeitz scheidet aus dem Verwaltungsrat des Sportartikelherstellers aus. Doch dahinter verbirgt sich das Ende einer mehr als zwei Jahrzehnte währenden Verbindung. Als 30-jähriger Jungspund war Zeitz 1993 von der Marketingabteilung auf den Chefsessel des damals maroden Unternehmens gewechselt. In der Folge machte er die Marke mit dem Raubkatzenlogo zur weltweit drittgrößten der Branche. Aktuell allerdings läuft es bei Puma nicht besonders gut. Nach einer Gewinnwarnung müssen die Kosten dringend runter, auch der Abbau von Arbeitsplätzen steht im Raum. Dennoch gibt der heute 49-Jährige seine Verantwortung endgültig ab und wendet sich seinem Lieblingsthema zu: Nachhaltigkeit.

Ein Rückzug, bevor die Probleme bei Puma offensichtlicher werden und einen Schatten auf sein viel bewundertes Lebenswerk werfen? Klar ist, dass es bei Puma zuletzt holpriger lief als bei der Konkurrenz. 2012 begann für die Franken mit einem schwachen Quartal, im ersten Halbjahr brach der Gewinn regelrecht ein. Im Juli folgte eine überraschende Gewinnwarnung und das Eingeständnis, den Kostendruck unterschätzt zu haben. Wenn Zeitz' Nachfolger Franz Koch nächste Woche die Ergebnisse des dritten Quartals verkündet, dürfte er auch unangenehme Nachrichten für die 10.800 Mitarbeiter im Gepäck haben.


Management kämpft gegen schwächelnde Nachfrage


Ihm allein kann man die Entwicklung allerdings nicht ankreiden. Gegen Ende von Zeitz' Amtszeit, so analysieren Experten, sei einiges liegengeblieben; allzu lange habe der Fokus nur auf Wachstum gelegen. Koch muss deshalb gleich zu Beginn seiner Amtszeit Strukturen verschlanken und die Organisation vereinheitlichen, er muss die ausgeuferte Kollektion verkleinern sowie Puma wieder klarer als Sportartikel- denn als Klamottenhersteller profilieren. Bei alledem kämpft das Management auch noch mit einer konjunkturbedingt schwächelnden Nachfrage.

Dennoch ist der rote Faden unübersehbar, wenn sich Zeitz jetzt ganz seinem Herzensthema zuwendet. Schon vor Jahren brachte er Umwelt- und Klimaschutzaspekte bei Puma auf die Agenda, ließ gar eine ökologische Gewinn- und Verlustrechnung erstellen. Eigentlich wollte er auch schon vor der großen Wirtschaftskrise 2008/09 aus dem operativen Geschäft aussteigen, führte den MDax-Konzern dann aber auf Bitten des Mutterkonzerns PPR doch noch durch die turbulenten Zeiten.

Im vergangenen Sommer dann legte Zeitz sein Amt in die Hände des mit 32 Jahren ebenfalls auffallend jungen Puma-Strategen Franz Koch. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats - des Aufsichtsgremiums der Puma SE - zog er zunächst im Hintergrund weiter die Fäden, sah sich als "Sparringspartner" für seinen Nachfolger. Jetzt kommt der klare Schnitt zum 30. November.


Zeitz will Umweltstiftung nach vorne bringen


Anfang des Monats hat Zeitz zudem die Leitung der Sport- und Lifestylesparte des Luxusgüterkonzerns PPR abgegeben. Von allen seinen Funktionen bleiben dem als Unternehmer ebenso wie als Stratege des Jahres ausgezeichneten Manager also lediglich seine Posten im Verwaltungsrat von PPR und im Aufsichtsrat von Harley Davidson. In beiden Unternehmen ist er für das Thema Nachhaltigkeit zuständig.

Langweilig wird es dem bekennenden Workaholic aber auch so wohl kaum werden, allzu groß ist die Zahl seiner geplanten Projekte. Gemeinsam mit Virgin-Group-Gründer Richard Branson stellt er gerade eine Initiative auf die Beine, in deren Rahmen sich Unternehmer weltweit für soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen einsetzen sollen. "Sein Credo ist, dass Unternehmen in der Pflicht sind, voranzugehen, und nicht erst auf gesetzliche Anforderungen zu warten", erläuterte ein Puma-Sprecher.

Außerdem wolle Zeitz seine auf Umwelt- und Klimaberatung spezialisierte Stiftung nach vorne bringen. Demnächst öffnet der passionierte Hobby-Pilot und Afrika-Fan zudem seine Farm in Kenia für Öko-Touristen. Und ein zweites Buch will Zeitz schreiben. Nach der Kooperation mit dem Benediktinerpater Anselm Grün hat er sich diesmal mit dem Nachhaltigkeits-Vordenker John Elkington zusammengetan.