Piotr Balcarczyk kann vieles gut. Vor allem Gitarre spielen. Der 24-jährige Frontman der polnischen Band "Jumanji" textet und singt außerdem einprägsam und erklärt die Lieder allesamt in deutsch. Das hat er von seiner schlesischen Oma gelernt. Auch wenn Piotr sich bescheiden gibt: "Meine Deutsch ist nicht gut".

Aber diese Charaktereigenschaft zeichnet sie aus, die fünf jungen Leute aus dem Partnerlandkreis Tarnowskie Gory, die zum Baserock-Festival der Musikinitiative Herzogenaurach (MIH) angereist waren. Keine Allüren, sondern brave Zurückhaltung und Freude prägen die Band, obwohl sie auf der Bühne drauf los hämmern, dass es den Besuchern ein fettes Ausrufezeichen auf die Stirn treibt. Und der Bassist Macek auf den Saiten herumklopft wie einst Mark King von Level 42. Und das, obwohl der 21-Jährige Kontrabass studiert, also eher was Klassisches. Und der 19-jährige Jacek mit seinem älteren Bruder Piotr auf der Bühne herumhüpft wie Rumpelstilzchen.


Sanfter Geigenklang


Mit ihrer Mischung aus Ska, Punk und Reggae haben "Jumanji" einen ganz eigenen Stil kreiert, angereichert durch die sanften Geigenklänge der ebenso zarten 20-jährigen Ola. Ihre zweite CD war am Samstagabend schnell vergriffen. Die gab's übrigens für bescheidene acht Euro.

Und wie haben die jungen Polen ihren ersten Auftritt in Deutschland selbst gesehen? Klasse war's, bescheinigt Piotr. Auch wenn er gerne ein paar tanzende Leute vor der Bühne gesehen hätte. Aber das ist halt Franken. Seit 2006 gibt's die Band, blutjung haben sie angefangen. Und schon mal vor etwa 3000 Zuschauern beim "Gwarki"-Festival in der Heimat gespielt. Und jetzt vor vielleicht mal guten hundert Besuchern in Herzi. Aber geil war's trotzdem.


Alt und jung


Jugendpower war auch bei "Spin Off" angesagt, einer Band aus Mitgliedern der MIH, die ebenfalls ihren ersten Auftritt hatte. Jugendpower - verkörpert durch den 19-jährigen Sänger Christian Amon und den 21-jährigen Gitarristen Felix Kastner - traf auf Alt-Herren-Erfahrung. Denn den Rest der Zwei-Generationen-Band bilden gestandene Musiker, unter anderem auch Christians Vater Mike am Schlagzeug.

Spätestens wenn der blutjunge Sänger Christian das "Hey Joe" von Jimi Hendrix ins Mikro röhrt und Felix trotz bandagierter Fingerspitze ein irres Solo über die Saiten fetzt, spätestens jetzt weiß man, wie unsterblich Rockmusik ist. "Hey Joe" ist 45, und damit älter als die beiden jungen Musiker zusammen. Sänger Jochen Bierl, Ex-Powerage-Mann, fasst es zusammen: "Das ist die Zukunft. Dann stehen wir am Jacki-Stand und schauen denen zu".

Auf drei Tage verteilte sich das Festival auf dem Gelände der Music-Base an der Nutzung, gleich neben der Soli. Der Freitag gehörte traditionell dem Einfeiern und gilt als Insiderabend. Am Sonntag klang das Fest gemütlich mit dem Frühschoppen aus. Dafür ließ man den Samstag umso krachender enden: Die "Freibiergesichter" (FBG) hämmerten gewohnt souverän ihre Coversongs ins Publikum, und das in einem irren Tempo.


Nur zaubern kann er nicht


Piotr Balcarczyk kann vieles gut. Nur eines kann er nicht: zaubern. Und so ließ es sich nicht vermeiden, dass während des grandiosen Auftritts der jungen Polen auf der Bühne zeitgleich das Fußballspiel der Nationalmannschaft verloren ging. Georg Strzodka, der Herzogenauracher Pole aus Tarnowskie Gory, hat's mit dem Internet handy verfolgt. Ein anderes Missgeschick ließ sich hingegen ausbügeln. Olas klassische Geige war zu leise, selbst mit Mikrofon konnte sie sich nicht gegen E-Gitarren und Schlagzeug durchsetzen. Da sprang "Crazy" Kreijsa ein, einer der MIH-Senioren, und besorgte eine E-Geige. Zuhause hatte er so ein Instrument "herumliegen". Improvisation ist eben alles.

Fast alles. Denn manches muss perfekt geplant werden. Und wenn Rafael Strzodka mit dem I-Pad vor der Bühne herumturnt, dann hat das seinen Sinn. Er ist mit dem Mischpult vernetzt und bewegt die Knöpfe per Computerfernsteuerung aus der Ferne - wie von Geisterhand. Und das alles über W-Lan. Und wenn das mal ausfällt? "Egal", sagt Raffi. "Dann wird's erst recht spannend". Also doch wieder improvisieren.