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Herzogenaurach
Konzert

Zum Schluss gab's Gänsehaut

Unter dem Motto "Musik verbindet" luden der Landkreis, der Kreisjugendring und die Stadt Herzogenaurach ins Jugendhaus Rabatz.
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RocKidz aus Adelsdorf rockten für die Flüchtlinge. Für sie war die Teilnahme "völlig klar".
RocKidz aus Adelsdorf rockten für die Flüchtlinge. Für sie war die Teilnahme "völlig klar".
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Mit "Culture MiX" war das Benefizkonzert zugunsten junger Flüchtlinge im Herzogenauracher Jugendhaus Rabatz überschrieben. Nach dem Motto "Musik verbindet" hatten die Veranstalter, der Landkreis Erlangen-Höchstadt, der Kreisjugendring sowie die Nachwuchsband Trouble X, einheimische Jugendlichen und Flüchtlingen im Alter von 14 bis 24 Jahren eingeladen, um sich auf dem Konzert kennenzulernen und untereinander auszutauschen. Die Einnahmen aus der Spendenbox und dem Getränkeverkauf kommen der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zugute.


Politiker schenkten ein

Dabei nahmen auch Landrat Alexander Tritthart (CSU) und der Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker (SPD) eine für sie eher ungewohnte Rolle ein. Die beiden Kommunalpolitiker standen hinter der Theke und waren für den Getränkeausschank verantwortlich.
"Naja, ein bisschen laut, aber es geht", meinte Bürgermeister Hacker, wobei Landrat Tritthart den Sound schon eher gewohnt sein dürfte, schließlich spielt sein Sohn Pascal in der Band "Six to Real" mit, die am Samstagabend ebenfalls auf der Bühne stand. Pascal Tritthart war auch einer der Gründe, dass das Konzert in dieser Konstellation überhaupt zustande kam.
Daniela und Wolfgang Köberlein aus Höchstadt hatten schon lange die Idee für eine derartige Veranstaltung. "Bei einer Veranstaltung sprach der Wolfgang den Landrat darauf an, erläuterte ihm den Plan und Herr Tritthart sagte spontan seine Unterstützung zu", erzählte Daniela Köberlein und freute sich, dass auch Bürgermeister German Hacker sich aktiv mit einbrachte.
Shuttlebusse brachten die jungen Besucher nach Herzogenaurach und nach Konzertende auch wieder zurück. "Ich bin mit dem Besuch zufrieden, es sind junge Flüchtlinge aus dem gesamten Landkreis da", freute sich Organisator Wolfgang Köberlein schon zu Beginn des Konzertes. Und auch seine Frau Daniela versprach sich viel von dem Abend im Jugendhaus und beobachtete die jungen Konzertbesucher vor der Bühne um dann wieder hinter der Theke auszuhelfen.


Raketen statt Musik

Unter ihnen war auch der 18-jährige Jamal Abdul aus Aleppo, der sich für die Musiker der Bands "RocKidz" aus Adelsdorf, "Trouble X" aus Höchstadt und "Six to Real" aus Herzogenaurach begeisterte. Er habe zuhause auch Gitarre gespielt, aber seine zwei Instrumente liegen jetzt unter den Trümmern des zerbombten Hauses. Er sei glücklicherweise nicht zu Hause gewesen, als das Viertel mit Raketen beschossen wurde und dann auch noch Bomben fielen. Er wisse nur, dass seine Schwester und seine Mutter noch am Leben seien, weil sie bei bei Verwandten waren. Von seinem Vater und seinen zwei Brüdern habe er nichts mehr gehört.
Jamal Abdul findet es gut, dass solche Veranstaltung stattfinden, denn er würde auch gerne in eine Disco gehen, aber da sei er schon mal rausgeflogen. Er habe nicht verstanden, was die junge Frau hinter der Theke zu ihm sagte und sie habe ihn nicht verstanden. Plötzlich kamen zwei Männer und haben ihn vor die Tür gesetzt. Den Rat, doch bei einer der Bands zu fragen, ob er mal eine Probe besuchen kann oder seinen Wunsch beim Kreisjugendring vorzubringen, will er gerne nachkommen.
Gänsehaut-Feeling kam am Ende des Konzertes auf: Die drei Bands spielten gemeinsam zu dem von Lionel Richie und Michael Jackson geschriebenen Song "We Are The World".Wie bei dem großen Vorbild "USA for Africa" wurden die Strophen und Refrains jeweils als kurze Passagen von einem Künstler gesungen und dann das Mikrofon schnell zum nächsten weitergereicht. Die finalen Refrains sangen dann alle gemeinsam. Das internationale Publikum dankte mit schwenkenden Feuerzeugen und Handys und einem tosenden Schluss-Applaus, bevor sie sich auf den Weg nach Hause machten.