Die Umgestaltung der Schütt wird in den kommenden Jahren ein zentrales planerisches Thema in der Stadt sein. Der Altstadtbereich will aufgewertet werden, die Rückansichten der Gebäude sollen sich zu Vorderseiten verwandeln. Lauschige Plätzchen dienen der Begegnung und ein Parkdeck nimmt die Autos auf. Diese ersten Überlegungen wurden dem Stadtrat am Donnerstagabend vorgestellt.

Doch ein Ansatz fehlt - das Gewerbe. Eine größere Handelsfläche, so erfuhren es die Räte, wäre nur mit größten Anstrengungen respektive durch die Zusammenarbeit mehrerer privater Grundstückseigentümer möglich. Das aber hat selbst Stadtplanerin Petra Güttler-Opitz vom Nürnberg Büro "Projekt 4" als "sehr unrealistisch" bezeichnet. Droht deshalb die langsame Verödung, wie es CSU-Fraktionschef Horst Körner befürchtet?

Der malte in der Sitzung den Teufel an die Wand, sparte nicht mit kritischen Bemerkungen. Er wolle damit wachrütteln, sagte er. Die Schütt dürfe langfristig kein historisches Ensemble werden, dem das Gewerbe fehlt. Denn damit würde auch das Leben aus den Straßen weichen. Körner: "Ich will aber auch längerfristig quirliges Leben in der Innenstadt".

Dem CSU-Politiker ging die Vorstellung des Rahmenplans als auch die anschließende "zu brave" Diskussion im Stadtrat am Kern vorbei. Knackpunkt sei, dass der historisch gewachsene Bereich ein Miteinander zwischen Wohnen, Leben und Gewerbe haben müsse. Man habe seit vielen Jahren die große Standort-Konkurrenz im Norden, sagte Körner. Deshalb müsse an der Schütt jetzt auch einiges passieren. Mit einer baulichen Aufwertung allein sei das aber nicht getan.


Kleinparzellige Struktur


Eine "Großverkaufsfläche klassischer Prägung" komme dort zwar nicht in Frage, schlicht weil der Bereich zu eng sei. Aber der Verzicht auf Gewerbe ist für Körner keine Alternative. Man müsse einen vernünftigen Mittelweg gehen, denn nur mit mittelalterlicher Schönheit wie beispielsweise Rothenburg ob der Tauber könne man halt nicht glänzen. Es müsse der Blick über den Tellerrand gelingen, "denn sonst bleiben wir an der kleinparzelligen Struktur hängen", forderte Körner.

Konkret meint er damit: "Wenn wir größeres Gewerbe wollen, dann muss kooperativ gehandelt werden". Die Stadt sei da allerdings außen vor, denn vor allem die Privatleute wären gefordert. Körner: "Die Grundstückseigentümer müssen miteinander reden".

Das hatte zuvor auch Güttler-Opitz angemerkt, die den Stadträten den Rahmenplan vorstellte. Sie hatte im Bereich Einzelhandel ein Objekt mit 1800 Quadratmetern Fläche vorausgesetzt. Diesen Platz finde man nicht, ohne Gebäude abreißen zu müssen. Vor allem aber seien mehrere Grundstückseigentümer gefordert, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Und diese Bedingung bleibe auch, wenn man kleinere Strukturen ansetze. Auch dann würde ein Grundstück allein nicht ausreichen. Weil aber auch ihr ein Zusammentun vieler Privatbesitzer als unrealistisch erscheint, rät die Geographin deshalb zunächst zu einer "behutsamen Nutzungsmischung".


"Aurach-Promenade" gefällt


Abgesehen von dem "Knackpunkt Gewerbe" (Körner) fanden die planerischen Überlegungen der Nürnbergerin durch alle Reihen Gefallen. Die Eingänge zur Hauptstraße sollen aufgewertet werden, dabei will Güttler-Opitz zum Beispiel die Farbelemente der einstigen Sport-Hoffmann-Passage beibehalten. Die Pflasterfläche an der Ritzgasse soll aufgewertet werden, indem ein Bushäuschen mit hochwertiger Bestuhlung aufgestellt wird. Auch die Grünbereiche am Aurachufer sollen aufgewertet werden - eine Idee, die besonders dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Curd Blank gefiel: "Eine Aurach-Promenade hätte einen gewissen Charme".

Ein Parkdeck mit weiteren 50 Stellplätzen auf dem ehemaligen, inzwischen mit Schranken abgetrennten Schotterparkplatz, würde auch die Geschäftsleute freuen. Und auch die Idee, die Imbissbuden zusammenzufassen, ihnen einen gemeinsamen, attraktiv gestalteten Platz zu geben, fand Gefallen.


Rückansichten zu Vorderseiten


Generell ist es die Aufwertung der Altstadtstraße, die angestrebt wird. Bürgermeister German Hacker gefällt die Verwandlung der "Rückansichten zu Vorderseiten". Was auch die Expertin so sieht: "Der Bereich ist zu hochwertig, als dass er Rückseite bleiben darf".

Diese Rückseite indes ist historisch gewachsen, als die parallel verlaufende Hauptstraße noch einzige Schlagader der Innenstadt war. Daran erinnerte auch der Bürgermeister. "Die Stadt hat sich stark gewandelt. Früher gab's an der Schütt Gemüsegärten", sagte er.

Hacker hatte eingangs bemerkt, dass man zunächst den ersten Schritt machen, also dem Rahmenplan zustimmen müsse. Das seien noch keine konkreten Maßnahmen, sondern nur das Heraussuchen bestimmter Orte, die gestaltet werden könnten. Dem Rahmenplan stimmte der Stadtrat einmütig zu. Gelegenheit für diese Umplanung schafft der Kanalbau, der in dem Bereich ohnehin ansteht. Baubeginn soll in zwei Jahren sein. Vorher wird die westliche Hauptstraße angepackt.