Wenig gut lief der dritte Spieltag der Gruppe A in der EM für die fränkischen Sportartikel-Giganten Puma und Adidas. Gleich sieben Trikots der Schweizer, produziert von Puma, gingen laut Schweizer Zeitung "Blick" kaputt und ließen so manch entblößten Anblick auf Spieler-Oberkörper zu. Doppeltes Pech hatte Star-Kicker Granit Xhaka, der zwei Leibchen einbüßte. Und dann gab es noch den Ball vom EM-Ausrüster Adidas, dem bei einem Zweikampf nach dem Seitenwechsel zwischen dem Schweizer Valon Behrami und Frankreichs Antoine Griezmann die Luft ausging.

Der Spott war den beiden Sport-Produzenten aus Herzogenaurach gewiss. "Es fehlen nur noch Torgefahr und reißfeste Trikots", schrieb der Sender SRF auf seiner Homepage nach der Nullnummer der Eidgenossen gegen Frankreich. Und ZDF-Experte Oliver Kahn befand, dass man sich bei den Firmen, jetzt mal zusammensetzen sollte. Unter dem Hashtag #trikotgate ergoss sich via Twitter rasch viel Häme über den Hersteller. Schweiz-Star Xherdan Shaqiri erklärte gar nach dem Kick grinsend in die Kameras: "Hoffentlich macht Puma keine Pariser."



Das besondere Material der Schweizer Trikots


"Wir Schweizer sind halt nur so zu stoppen", kommentierte Granit Xhaka die Szenen mit zerrissenen Trikots. "Was soll ich dazu sagen, das passiert", meinte Teamkamerad Yann Sommer. Der Torhüter wertete die zerfetzten Trikots als Zeichen eines intensiven und kampfbetonten Spiels. Gleichwohl räumte Sommer ein, dass es vielleicht ein bisschen viele kaputte Shirts gab, ehe er schnell noch den Fabrikanten als "großartig" lobte.

Wenig amüsiert dürften die Verantwortlichen in der Puma-Zentrale sein. Dort klingelten gestern rund um die Uhr die Telefone. Pressesprecher Johannes Hackstette meinte auf Anfrage dieser Zeitung: "Unsere fünf PUMA-Teams haben zuvor zehn Spiele bei der EM gespielt, ohne dass dieses Problem auftrat. Produktexperten untersuchen derzeit das Trikotmaterial." Steckt in den Leibchen einfach zu viel Hightech, so dass die Reißfestigkeit leidet? Fakt ist, dass Puma viel Aufwand in diese Trikots investiert hat. Die Shirts sind mit der neuartigen ACTV Thermo-R Technologie ausgerüstet. Das Material ist in Tapes an der Innenseite eingearbeitet. "Integrierte Mikrokapseln absorbieren überschüssige Wärme und geben sie bei Bedarf wieder an den Körper ab, so dass die optimale Körpertemperatur-Regulierung unterstützt wird. Eingearbeitete Tapes an anatomisch wichtigen Stellen sorgen darüber hinaus für eine schnelle Aktivierung der Muskulatur", heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Genau dieser Materialmix könnte nun den Reißtest der Franzosen nicht bestanden haben. Die Sportzeitung "online" unterstellte gar: "Man konnte gar nicht anders, als zu schauen, welche Sportmarke da einen Werbegag aufführte. Oder war es tatsächlich einfach nur die mangelnde Qualität der Trikots?"


adidas-Ball geht die Luft aus


Aber auch beim Puma-Konkurrenten Adidas ist Fehlersuche nach der Ball-Pleite angesagt, wie Unternehmenssprecherin Katja Schreiber bestätigte: "Auf Grund der sehr umfangreichen Tests und hohen Qualitätsstandards ist ein Platzen des Balles extrem unwahrscheinlich. Wir untersuchen aktuell, was genau passiert ist." Der Adidas EM-Ball "Beau Jeu" basiert auf der Technologie des Brazuca, dem am meisten getesteten Ball in der Geschichte von adidas.

Im Netz kursieren derweil kreative Lösungsvorschläge: Beispielsweise wären die Schweizer Trikots ja offensichtlich perfekt für Stripper geeignet, die schnell ihre Kleider loswerden müssen. Übrigens: Schon beim letzten EM-Testspiel der Eidgenossen gegen Moldawien hatte es Ärger wegen der Trikots gegeben. Das Dress von Breel Embolo war an mehreren Stellen eingerissen und auch Admir Mehmedi hatte ein Loch in seinem Shirt.