Noch ragt nur der silberglänzende Mast vom Scheunendach auf, knapp zehn Meter hoch. Oben schauen ein paar Kabel heraus, die Rotorblätter fehlen noch. Doch schon bald wird Torsten Dürrbecks Hof in Medbach von einem Windrad gekrönt sein, einer Windkraftanlage im Kleinformat. "Ich interessiere mich sehr für regenerative Energiequellen", erzählt er. Eine Photovoltaik-Anlage und eine Hackschnitzel-Heizung gibt es bereits auf seinem Anwesen. Jetzt hat er sich zusätzlich für die Windkraft entschieden. "Das Ziel ist, dass wir uns zu einem Großteil selbst mit Energie versorgen können. Ich möchte möglichst autark sein und außerdem meinen Teil zum Umweltschutz beitragen."

Große Nachfrage

Bis zu 1,5 Kilowattstunden Strom kann Torsten Dürrbecks neues Windrad theoretisch erzeugen - wenn der Wind günstig steht.
"Wie viel Ertrag es im Endeffekt bringen wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen", erklärt Lothar Seifert. "Das hängt immer von Windrichtung, Windstärke und der Umgebung ab. Ich denke, 500 bis 1 500 Kilowattstunden pro Jahr sind realistisch." Seine Höchstadter Firma CET Technology, die sich bisher hauptsächlich mit der Erzeugung von Solarenergie befasst hat, bietet seit Kurzem auch Kleinwindkraftanlagen an. Die Nachfrage gibt ihm Recht: Seit März dieses Jahres hat er bereits drei Windräder installiert, in Höchstadt, in Bösenbechhofen und in Medbach. Drei weitere werden zur Zeit in Höchstadt und Medbach aufgebaut - eines davon bei Torsten Dürrbeck.

Windräder plus Photovoltaik

Edith und Anton Köhler aus Weingartsgreuth haben ihre Windkraftanlage bereits seit November vergangenen Jahres. Gleich zwei Windräder haben sie auf ihrem Hausdach, in Kombination mit 21 Photovoltaik-Modulen. "Diese Anlage deckt etwa die Hälfte unseres Stromverbrauchs", erklärt Edith Köhler. "Für endgültige Zahlen müssen wir die Jahresabrechnung abwarten, aber in den Sommermonaten Juni und Juli haben wir jeweils etwa 400 Kilowatt weniger von unserem Anbieter gebraucht", fügt Anton Köhler hinzu. "Natürlich erzeugt die Photovoltaik im Sommer mehr Strom als im Winter", ergänzt Edith Köhler. "Deshalb hat uns die Kombination mit den Windrädern besonders gefallen. Die erzeugen schließlich unabhängig von der Sonnenscheindauer Strom." Jedes der beiden Windräder hat eine Nennleistung von 700 Watt - natürlich abhängig von der Windstärke. Das Ungewöhnliche an den Windrädern ist ihre Bauweise: Statt um eine waagrechte rotieren die drei Rotorblätter hier um eine senkrechte Achse. "Die Leute, die an unserem Haus vorbeifahren, gucken alle", erzählt Edith Köhler und lacht. "Ich bin überrascht, dass noch keiner in den Graben gefahren ist."

Stets offen für neue Technologien

Vorreiter für Neues oder Ungewöhnliches zu sein, damit haben die Köhlers Erfahrung - gerade im Bereich alternative Energien. "Als wir 1982 gebaut haben, haben wir eine Wärmepumpe einbauen lassen. Das hatte damals niemand sonst", erzählt Anton Köhler. Später kamen Solarkollektoren für Warmwasser aufs Dach, 2005 folgte die erste Photovoltaik-Anlage. "Dann haben wir auf der Energiemesse in Mühlhausen im Mai letztes Jahr die Windräder gesehen und waren sofort begeistert." Anbieter ist die Firma Alreso Energy Solutions, die vor Kurzem von Münchberg im Landkreis Hof nach Neudrossenfeld im Landkreis Kulmbach gezogen ist. 30 000 Euro haben die Köhlers in ihre neue Anlage investiert. Außer den Windrädern und den Photovoltaikmodulen gehören dazu die Wechselrichter, die den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln, und zwölf Batterien, die bis zu elf Kilowatt Strom speichern können.

Strom für die Hackschnitzel

Torsten Dürrbecks Anlage wird rund 5500 Euro kosten, davon entfallen 4000 Euro auf das Windrad selbst. "Dazu kommen dann noch Kosten für Zubehör wie den Mast und die Befestigung, für Leitungen, Wechselrichter und Zähler", erklärt Lothar Seifert. Speichereinheiten gibt es bei Dürrbecks nicht. "Da unsere Hackschnitzel-Heizung mit ihren vier Motoren rund und die Uhr läuft, denke ich, dass wir den Strom meist direkt verbrauchen können", sagt Torsten Dürrbeck. "Was nicht verbraucht wird, kann auch ins öffentliche Netz eingespeist werden", erklärt Seifert. "Speichereinheiten sind immer noch recht teuer." Gerade Einsteigern rate er deshalb zu der günstigeren Version, um erste Erfahrungen mit dieser Art der Stromgewinnung zu sammeln.
Die Köhlers jedenfalls sind mit ihrer Anlage zufrieden. Eine Erweiterung schließen sie ebenfalls nicht aus. "Vielleicht erweitern wir die Speichereinheiten. Und ein bisschen Platz ist ja auch noch auf unserem Dach", sagt Edith Köhler.