Still ist es im Musiksaal der Realschule, als sich Autor Hermann Schulz vorstellt und aus seinem interessanten Leben berichtet. Als Sohn eines Pastors wurde er vor 73 Jahren in Afrika geboren, aber schon vier Wochen nach seiner Geburt machten sich die Eltern mit ihm auf den Heimweg. Erst mit 13 Jahren fand er zum Buch und "es war ein Schlüsselerlebnis für mich, zu erfahren, dass sich mir durch eine geschriebene Geschichte eine ganz neue Welt auftut."
Eifrig haben die Assistenten oder Paten aus der achten Klasse als Fotografen, Journalisten, Begrüßer und Verabschieder zusammen mit der Lehrerin Leman Uysal den Lesevormittag für drei Gruppen vorbereitet: die Mitschüler eingeladen, Flyer gestaltet, den Kontakt zum Autor hergestellt, ihn selbst und das jeweilige Buch vorgestellt und an der Begrüßung und Danksagung gefeilt.
Diese Aktion ist der Anfang einer Lesereihe im laufenden Schuljahr. "Jeder Schüler unserer Schule soll einmal eine Lesung mitgemacht haben", erklärt Lehrerin Leman Uysal. "Außerdem wollen wir diese Sache ganzheitlich angehen und uns nicht nur hinsetzen und zuhören. Deshalb die Assistenten, die ihr Amt unheimlich ernst nehmen. Unser Motto ist: Schüler arbeiten für Schüler."
Schulz erzählt weiter aus seinem Leben: "Es hat lange gedauert, bis ich selbst zum Bücherschreiben kam. Im Jahre 1998 erschien mein erstes Werk 'Auf dem Strom'." Schon vier Jahre zuvor hatte die Geschichte bei ihm an die Türe geklopft und "ich brauchte sie einfach nur aufzuschreiben", verrät er den Kindern.
Heute erzählt er eine ganz neue Geschichte, die von Freddy und seinen Kumpels. Sie spielt im Jahr 1947 in Niedersachsen, genauer in Lüchow-Dannenberg. Günter, ein Außenseiter, erscheint seinen Kameraden nicht ganz normal - etwas wirr im Kopf - und sie ärgern ihn mit allem möglichen Unsinn. Dass der arme Junge eine Hirnhautentzündung hatte, stört sie wenig. Sogar in die Hosentasche haben sie ihm gepinkelt. Dass nichts raus kommt, wollen sie ihn kurzerhand umbringen - aber wie? Mehr wird nicht verraten ...
Die vier Assistenten kennen den Autor vom letzten Jahr. Sie haben sein Buch "Auf dem Strom" gelesen und sind begeistert von Hermann Schulz. Da macht es natürlich noch mehr Spaß, alles vorzubereiten. Sandra Frischmann bedankte sich am Ende bei Schulz. Jonas Kraus war für die Begrüßungsrede zuständig und Marit Voigt ist als Reporterin verantwortlich für den Jahresbericht und für einen Bericht in der Schülerzeitung.

Schüler sind die Paten


Laura Fuchs ist die Fotografin: "Wir haben die Aufgaben unter uns aufgeteilt. Das machen die anderen Gruppen für die beiden folgenden Lesungen genau so." Leman Uysal fügt noch an, dass das auch für die weiteren Autorenlesungen im Schuljahr gilt. Am Schluss müssen alle Paten oder Assistenten noch einen Feedbackbogen ausfüllen: Was habe ich gelernt, was hat mir dieses Amt gebracht?
Viele Fragen haben die Hörer an den Schriftsteller. Wie kommt man auf den Gedanken, eine Geschichte zu schreiben? "Oft ist es so, dass sich irgendwann eine Geschichte irgendwie festsetzt und sich dann auf einmal meldet" erklärt der Autor geduldig. Übrigens erscheinen alle seine Bücher im selben Verlag wie die Harry Potter-Bücher. "Natürlich haben sie keine so hohe Auflage", erzählt er schmunzelnd.