Margitta Appel sitzt in ihrer Wohnung in Medbach, schüttelt den Kopf und blickt mit verweinten Augen auf die Bilder von Boxer-Rüde Timmy. "Ich kann noch gar nicht glauben, was diesem wunderbaren Hund Schreckliches passiert ist", sagt die Frau mit stockender Stimme und wischt sich eine Träne aus dem Gesicht.

Immer wieder kommen sie hoch, die furchtbaren Bilder des 6. Februars diesen Jahres. Es war ein schöner Wintertag, Margitta Appel ging mit Timmy Gassi, bevor sie ihren Sohn Carsten - dem der Boxer gehört - im Krankenhaus besuchen wollte. Der 54-Jährigen fällt es schwer, über die dann folgenden Geschehnisse zu sprechen. "Gegen 15 Uhr gingen Timmy und ich raus. Wir liefen unseren üblichen Weg entlang der Aisch." Der junge Boxer tobte herum, fing Stöckchen und genoss den kleinen Spaziergang.

Plötzlich war Timmy weg. "Ich rief nach ihm, normalerweise hört er sofort.
Aber erst beim zweiten Rufen kam er aus einem Gebüsch und schleckte sich die Schnauze." Anscheinend hatte er dort etwas gefunden und gefressen. Margitta Appel dachte sich nichts und setzte ihren Weg fort. Aber dann begann der Alptraum: "Plötzlich hatte Timmy Schaum vor dem Maul. Er würgte, wollte brechen." Zudem blutete das Tier aus dem Hinterteil und konnte nicht mehr richtig laufen. "Ich hatte panische Angst, brachte Timmy zurück ins Auto und fuhr nach Höchstadt zum Tierarzt." Während der Fahrt litt Timmy am ganzen Leib unter Krämpfen.

Der Tierarzt wartete schon, als Margitta Appel ankam. Im Kofferraum, wo der Boxer lag war alles voller Schaum und Blut. "Der Arzt hat dem Hund eine Spritze zur Beruhigung gegeben. Ich weinte, als ich Timmy dabei den Kopf hielt und ihn streichelte", erinnert sich sein Frauchen zurück. Der Hund konnt seinen Stuhl nicht mehr halten und blutete weiter stark. Für den Tiermediziner war klar: "Er hat ein sehr aggressives Gift gefressen." Minutenlang kämpfte der eineinhalb Jahre alte Rüde um sein Leben, dann war er tot.

Anzeige erstattet
Nach dem Tod von Timmy beschlich Margitta Appel ein Verdacht: Gibt es einen gemeinen Tierhasser, der Hunde vergiftet? Fakt ist, dass Timmy wohl nicht dessen erstes Opfer ist. "Solche Fälle hat es in Medbach schon gegeben. Erst neulich hat der Hund des Nachbarn etwas gefressen, zeigte auch komische Symptome und überlebte nur durch Zufall", so Timmys Frauchen. Sie benachrichtigte die Polizei, erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und ließ Timmy obduzieren. Im Magen des Hundes wurde Geflügel gefunden sowie ein blaues Granulat - das vermutliche Gift.

Gerhard Backert von der Polizeiinspektion Höchstadt bestätigte den Vorfall auf Anfrage: "Wir werden diese Sache auch der Staatsanwaltschaft mitteilen." Derweil rät die Polizei Hundebesitzern, in diesem Bereich besonders auf ihre Tiere aufzupassen. Es könne auch ein Köder für Füchse gewesen sein. "Es gibt keine Hinweise auf einen Hundehasser in diesem Gebiet", so Backert zur Vermutung, Boxer-Rüde Timmy sei gezielt Opfer eines Gift-Anschlags geworden.

Wenig Hoffnung
Margitta Appel hat daher wenig Hoffnung: "Die Wahrscheinlichkeit, dass der Fall aufgeklärt wird, ist gering - außer der Täter verrät sich irgendwann einmal." Jetzt hofft sie darauf, dass sich weitere Hundebesitzer aus Medbach melden, denen ähnliches passiert ist. "Das würde der Polizei vermutlich helfen." Ihre ganze Familie steht unter Schock: "Mein Sohn kann das immer noch nicht begreifen. Timmy war so lieb, er spielte und tobte auch gerne mit meinen Enkeln herum. Er hat nie was böses getan."

Oft sitzt sie jetzt auf ihrer Eckbank und hält die Fotos von Boxer Timmy in ihren Händen, erinnert sich an ihn zurück. Und dann fließen Tränen, wenn sie an das qualvolle Ende denkt und sich wünscht, dass der Täter, der Timmy auf dem Gewissen hat, bald gefunden wird.

Doch welche Strafe würde drohen? Nach dem Tierschutzgesetz kann eine Geldstrafe oder Haft bis zu drei Jahren verhängt werden. Strafrechtlich gesehen handelt es sich bei so einem Vergehen nämlich um Sachbeschädigung.