"Zum Ersten, zum Zweiten - wer bietet mehr? - und zum Dritten", hallte es am Montagabend durch den Schlosshof. "Wenn wir nebenan im Ratskeller wären, gäbe es noch ein Getränk obendrauf", warb Claudia Belzer um Gebote. Schließlich ist die Hobby-Auktionatorin für ihre humorvollen Versteigerungen bekannt, sie bringt jedes Jahr im Ratskeller "unliebsame" Weihnachtsgeschenke auf charmante Art und Weise unter die Leute.

Die hauptberufliche Lehrerin sagte dann auch nicht nein, als Helmut Biehler vom Amt für Stadtmarketing und Kultur sie bat, die Versteigerung für einen guten Zweck durchzuführen. Schon im letzten Jahr gab´s beim Open-Air-Kino eine Versteigerung und statt eines musikalischen Vorprogramms amüsierten sich die rund hundert Kinobesucher bei der humorvollen Auktion.

Denn der Witz und Charme von Claudia Belzer ist wohl mit ein Grund dafür, dass die Veranstaltung ein Erfolg ist. "Die Claudia würde sogar einem Mann, der im zehnten Stock wohnt, ein Pony verkaufen", meinte ein Bekannter der Lehrerin schmunzelnd.

Decken, Taschen und Klingeln

In diesem Jahr war der "Stop-Freundeskreis" von der evangelischen Kirche der Empfänger des Versteigerungserlöses. "Der Herr Biehler hat mich beim Altstadtfest gefragt, ob wir bei einer Versteigerung mitmachen würden", erzählte die etwas aufgeregte Ruth Niewerth. Natürlich sagte die Zweite Vorsitzende nicht nein und Helmut Biehler fand im Fundus der Stadt schöne und interessante Objekte. Auch Bürgermeister German Hacker öffnete seinen Schrank, in dem manche Präsente in einem Karton vor sich hinschlummern. Großzügig zeigten sich auch die Herzo-Werke mit Decken, Taschen, Badetüchern und anderem mehr. Das Amt für Stadtmarketing spendierte Fahrradklingeln und Sekt und vom Bürgermeisteramt wurde Honig auf den Versteigerungstisch gestellt.

Als erstes bat Belzer um ein Gebot für eine Flasche Herzo Sekt. "Ist der auch kalt?", wurde aus dem Publikum gefragt. "Das ist relativ, aber sie können ihn aufmachen und gleich trinken, diesen guten Tropfen bekommen sie nicht alle Tage" anwortete Belzer und für acht Euro wechselte die Flasche schließlich den Besitzer. Auch die "Kuscheldecken" der Herzo Werke brachte Belzer gekonnt unter die Leute, indem sie sagte einen kühlen Kinoabend voraussagte.

Da die Zeit drängte, die Auktionatorin hatte nur eine halbe Stunde, blieben auf dem Tisch noch einige Artikel liegen. Am Ende freute sich Ruth Niewerth über 170 Euro, die Kindern und jungen Frauen in Indien zugutekommen werden.

Eingangs hatte Neuwerth dem Publikum erklärt, worum es überhaupt geht. Der Stop Freundeskreis unterstützt vor Ort Maßnahmen gegen Kinderprostitution und Kinderhandel. Offiziell ist die Kinderprostitution in Indien zwar verboten. Armut und Korruption stehen dem aber entgegen und der Handel mit Kindern blüht nach wie vor. Eine Reihe von Hilfsorganisationen setzt sich rund um den Globus und jetzt auch von Herzogenaurach aus ein, um gegen Kinder- und Menschenhandel sowie Kinderarbeit vorzugehen.

Für ein würdiges Leben

So habe sich eine Delegation bei einer Reise nach Indien überzeugen können, dass die Hilfsgelder gut angelegt sind und eine Reihe von Kindern und jungen Frauen aus Bordellen befreit werden konnten. Den Betroffenen wird in geschützten Räumen eine Chance für ein würdiges Leben sowie eine Ausbildung geboten. Zugleich werden die Eltern in den Slums über den Kinderhandel aufgeklärt und eine Schule bietet Eltern und Kinder die Möglichkeit, der Armut zu entkommen.

Natürlich gab´s mit "The Imitation Game" auch einen Film. In dem packenden Thriller will ein Mathe-Genie den Enigma-Code knacken und das Leben von Millionen Menschen retten. Der geniale Mathematiker Alan Turing sorgte im Zweiten Weltkrieg für die entscheidende Wendung: im Auftrag der Alliierten gelang es ihm, die geheimen Botschaften zu entschlüsseln, die sich die Deutschen mittels der Kodiermaschine Enigma zusandten. Doch sein Verdienst ums Vaterland bewahrte ihn nicht vor dem Gefängnis - seine Homosexualität war dem Geheimdienst ein Dorn im Auge.

Franzi Sammet vom "Mobilen Kino" zeigte sich mit den Kinoabenden zufrieden. "Es passt, vor allem auch das Wetter, nur der Sonntagabend war mit 80 Besuchern etwas mau", meinte sie zu Beginn des Kinoabends.