Viele Herzogenauracher kennen Hans Bitter noch als erfolgreichen Sportler, ja er ist sogar der erfolgreichste Einzelsportler der Stadt. Fünfmal Weltmeister und 13facher Europameister - der leidenschaftliche Leichtathlet war im Seniorensport über viele Jahre hinweg eine feste Größe in der Weltspitze. Wer das kulturelle Geschehen in Herzogenaurach verfolgt, der erlebte Bitter aber auch als einen ebenso unermüdlichen Künstler.

Hans Bitter, der heuer einhundert Jahre alt geworden wäre, "war ein Getriebener seiner Begabungen", wie es Brigitte Graf-Nekola formuliert. Sie ist die Zweite Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins, dessen Gründungsmitglied der gebürtige Herzogenauracher gewesen ist. Grund genug für den Verein, ihm zu Ehren eine Retrospektive zum 100. Geburtstag zu widmen. Gemeinsam mit dem Ersten Vorsitzenden Manfred Braun und mehreren Mitgliedern hat sie eine Ausstellung zusammengestellt. Am Freitag, 4. Dezember, ist Eröffnung im Kunstraum - unter Corona-Bedingungen, versteht sich. Sie kann wie geplant stattfinden, wie der Verein am Mittwoch mitteilte.

Nachlass

Skizzenbücher, Aquarelle, Zeichnungen - viele hundert Werke umfasst der Nachlass, den der Kunstverein nach dem Tod des Künstlers im Jahr 2011 von dessen Familie vermacht bekommen hat. Einhundert ausgewählte - 60 Bilder und 40 Skizzenbücher - werden nun im Kunstraum zu sehen sein und können dort auch käuflich erworben werden. Vorerst ist die Schau bis zum 20. Dezember angesetzt, doch eine Verlängerung ist angedacht. Auch das hängt etwas von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab.

"Die Kunst war nach dem Sport seine zweite Leidenschaft", sagt Vorsitzender Braun. "Er hat trainiert, und dazwischen hat er gemalt." In beiden Disziplinen war Hans Bitter ein Ausnahmetalent, einmal als der erfolgreichste Athlet der Stadt und zum anderen als leidenschaftlicher Künstler. Er widmete sich besonders dem "Malen mit schnellem Strich in expressiver Manier", wie es auf dem Flyer zur Ausstellung heißt. Die kontrastreichen Aquarelle entstanden vor allem auf seinen zahlreichen Reisen und erinnern an Landschaften und Städte, die er gerne auch wiederholt besucht hat, wie Brigitte Graf-Nekola berichtet. Wie zum Beispiel die Insel Norderney, Graubünden oder auch immer wieder Davos.

Gerade in der heutigen, vom Corona-Virus geprägten Zeit, hätten die Menschen zunehmend die Sehnsucht nach Urlaub, sagt die Zweite Vorsitzende, die selbst aktive Künstlerin im Verein ist. Man sieht auf den Bildern der Ausstellung Berge, Landschaften, Natur "und denkt sich, da möchte ich jetzt gern sein." Freilich gilt das auch für die kleine Dohnwaldserie, die Graf-Nekola genauso beeindruckt.

Autodidakt

Das gilt auch für die Tatsache, dass Hans Bitter nie eine Kunstakademie besucht, sondern sich als Autodidakt selbst weiterentwickelt hat. "Man erkennt eine gewisse Perfektion", sagt die Künstlerin. "Das kann man nicht einfach so." Und weiter: "Manche Werke sind sehr subjektiv, andere flüchtig, sehr routiniert und immer authentisch."

Beeindruckt sind die Macher der Ausstellung, ein siebenköpfiges Team aus der Künstlergruppe, aber auch von den Skizzenbüchern. Das erinnert an den Künstler und seine Tätigkeit in Herzogenaurach. Durch sein ständiges Skizzieren von Menschen und Situationen, im Karikaturstil oft abstrahiert auf das Wesentliche, sei er den Bürgern in Erinnerung geblieben.

Hans Bitter und der Kunstverein

Zur Person Hans Bitter wurde am 22. Februar 1920 in Herzogenaurach geboren und starb am 12. September 2011. Er machte sich als Seniorensportler einen Namen und gewann in seiner Altersgruppe zahlreiche Wettbewerbe, wurde mehrfach Welt- und Europameister.

Künstler Hans Bitter war im Jahr 2003 Gründungsmitglied des Herzogenauracher Kunst- und Kulturvereins. 2008 gestaltete er seine erste Ausstellung, damals noch im Kunstkästchen.

Ausstellung Die Retrospektive mit einhundert Werken des Künstlers, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre, wird am Freitag, 4. Dezember, um 18.30 Uhr eröffnet. Es gelten die Hygienevorschriften zu Corona. In der Ausstellung, die mindestens bis 20. Dezember dauert, können samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie donnerstags von 17 bis 19 Uhr Werke des Künstlers gekauft werden. Auch eine Auktion ist angedacht. Der Erlös dieser einzigartigen Impressionen aus nahen und fernen Stimmungen kommt dem Kunstverein zugute und erhält die Künstlergruppe und den Kunstraum als Teil der kreativen Herzogenauracher Stadtwelt.