Wie sich die Nutzung der Wasserkraft auswirkt, wollen Forscher vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie an der TU München und das Landesamt für Umwelt herausfinden. Aus diesem Grund begannen sie mit einem Monitoring an ausgewählten Anlagen, welche die Wasserkraft zur Gewinnung von Energie nutzen.

In Baiersdorf-Wellerstadt steht seit 90 Jahren ein Wasserkraftwerk an der Regnitz, das in den vergangenen Jahren nicht nur aufwendig saniert wurde, sondern auch eine Fischpassage für 240 000 Euro erhielt. Heribert Spitzhorn, der für die Stadtwerke Erlangen als Betreiber anwesend war, veranlasste dies zur Aussage: "Dafür kann man eine Menge Fisch kaufen."

So wurde beispielsweise der Rechen vor dem Kraftwerk ausgetauscht und hat jetzt nur noch anderthalb statt wie bisher vier Zentimeter Stababstand. Da passen wesentlich weniger Fische durch.
Die Bewegungen der Fische werden per Ultraschall überwacht und auf einem Monitor angezeigt. Deutlich sind die Aale zu sehen, die diesem Rechen ausweichen und über eine Fischpassage in den unteren Flussabschnitt kommen.


Sind Verletzungen erkennbar?

Wasserkraftwerke wirkten sich nicht nur auf die Fische, sondern auch auf die Fließgeschwindigkeit des Gewässers und den Transport der Sedimente aus, erklärte Claus Kumutat, Präsident des Landesamtes für Umwelt in Bayern. Für die Untersuchung werden die Tiere in Netzen hinter den Kraftwerksturbinen gefangen und für 72 Stunden in Hälterungen verfrachtet. Erst dann lässt sich klar erkennen, ob die Fische durch die Turbinenpassage geschädigt wurden.

Da im Moment die Aale in der Regnitz wandern, sind diese die bevorzugten Untersuchungsobjekte. Für zwei Wochen sind Studenten in Schichten eingeteilt, weil auch nachts die Netze entleert und kontrolliert werden müssen.

Finden sie tote Fische in der Hälterung, wird nachgeforscht, woran die Flossentiere gestorben sind. "Wirbelbrüche sind beispielsweise äußerlich nicht sichtbar", erklärte Professor Jürgen Geist, Leiter des Lehrstuhls, der mit der Studie beauftragt wurde. Aber nicht nur die Fische können durch die Energiegewinnung an Flüssen beeinträchtigt werden.


Fakten für Argumente

Sinn des Monitorings: Nur wenn es aussagekräftige Fakten gibt, können Gegner und Befürworter von Wasserkraftwerken miteinander ins Gespräch kommen. "Wir versachlichen die Diskussion durch objektiv nachprüfbare Methoden und Fakten", betonte Professor Geist die Wichtigkeit der Untersuchungen. Um stichhaltige Werte für den Fischschutz und das Fließkontinuum zu bekommen, werden unterschiedliche Kraftwerke untersucht. Das Wasserkraftwerk in Baiersdorf ist dabei eines der konventionellen.

Auch die Fischer wollten die Nutzung der umweltfreundlichen Wasserkraft nicht verhindern, betonte Fritz Loscher-Frühwald, Präsident des Fischereiverbandes Mittelfranken. Doch wo die Wasserkraft genutzt werde, sollte alles so ökologisch und fischverträglich wie möglich geschehen.