Gerald Brehm hat sich noch schnell ein paar Sätze zurecht gelegt. Schließlich geht es für den Höchstadter Bürgermeister an diesem Freitagvormittag bei der Pressekonferenz im Kommunbrauhaus nicht etwa um eine Bagatelle. Es geht um die Kultur und darum, welche Veranstaltungen die Stadt in diesem Jahr anbieten will. Brehm also hat den großen Sitzungssaal reserviert, erster Stock, graue Ledersessel, Abstand: coronakonforme Einsfünfzig. Er tippt eine Nachricht in sein Smartphone und sagt dann: "Die Bevölkerung ist soweit, dass wir positive Zeichen senden können."

Weil solche Sätze ja immer einer Erklärung bedürfen, legt Brehm noch einmal nach: "Wir sehen die Kultur als eine Pflichtaufgabe der Stadt an." Soll heißen: Die Stadt möchte aus diesem Jahr eine Art Kulturjahr basteln. Das liegt zum einen daran, dass das vergangene Jahr vor allem für Musiker, Schauspieler und Künstler wahrlich eine Katastrophe gewesen ist. Zum anderen sind ja auch das Altstadtfest und die Kirchweih ausgefallen, und weil diese Feste und die Kultur per se eine große Bedeutung für die Höchstadter haben, will die Stadt nun umso mehr anbieten. "Wir wollen mit voller Kraft aus der Depression raus, die uns Corona verursacht hat", sagt Brehm.

Deshalb hat die Stadt in den vergangenen Wochen konkrete Vorschläge erarbeitet. Geplant ist zum Beispiel, in den Sommerferien eine Kombination aus dem Altstadtfest und der Kirchweih durchzuführen. Die Veranstaltung soll das Beste aus beiden Festen zusammenbringen und Musikern wie Schaustellern zu Auftritten verhelfen, sagt Brehm. Nun gehe es darum, die Ausgestaltung des Kulturfestes zu planen. Klar sei aber: "Wir werden das Fest auf jeden Fall durchführen."

Konkrete Planungen sind schwierig

Ähnlich formuliert das auch Susanne Bayer. Wie die Kulturmanagerin der Stadt erklärt, sei die Nachfrage nach dem Altstadtfest in den vergangenen Monaten sehr hoch gewesen. Die Leute seien in ihrem Büro gestanden und hätten sich nach der Veranstaltung erkundigt. "Viele sehnen sich nach einem großen Fest", sagt sie. Daher sei es nun umso wichtiger, das Kulturjahr mit einem guten Plan anzupacken. "Wir gehen jetzt in die genaue Planung und dann schauen wir im Frühjahr, was möglich ist", sagt sie.

Wegen der Corona-Pandemie sei eine konkrete Ausgestaltung der Pläne derzeit zwar schwierig, räumt Bayer ein. Dennoch mache man sich zu verschiedenen Szenarien Gedanken. Die Grundidee besteht darin, beide Feste in ihrer ursprünglichen Form, nur eben kombiniert, durchzuführen. Ob so eine Großveranstaltung im Sommer vorstellbar ist, ist aber zumindest fragwürdig. Schließlich ist unklar, ob die Bedenken der Menschen vor solchen Großveranstaltungen trotz hoher Impfquote leicht zu zerstreuen sind. Andernfalls mache ein solches Unterfangen keinen Sinn.

Eine mögliche Lösung könnte laut der Kulturmanagerin sein, das Fest räumlich wie zeitlich zu entzerren. So soll das Fest an mehreren Orten wie etwa am Kellerberg, im Engelgarten und auf den Aischwiesen stattfinden. Zudem denkt Bayer darüber nach, die Personenzahl zu bestimmten Festzeiten zu begrenzen. Im schlimmsten Fall, werde man das Fest in den Winter verlegen. "Aber wir werden es auf jeden Fall machen", sagt sie

Ein Grund dafür, warum Bayer so zuversichtlich ist, ist der, dass die Stadt im vergangenen Sommer bereits sehr gute Erfahrungen mit Kulturveranstaltungen gemacht hat. "Wir haben gesehen, dass es trotz Corona funktionieren kann", sagt sie. Der Andrang etwa beim Kulturpicknick im Freibad sei enorm gewesen. Auch das Feedback der Besucher sei sehr positiv ausgefallen, weshalb man die Veranstaltungsreihe im Sommer erneut anbieten werde. "Das Schöne ist, dass wir im Freibad viel Platz haben. Da würde es mich wundern, wenn das Kulturpicknick nicht stattfinden kann."

Auch in der Fortuna Kulturfabrik soll es bald wieder mehr Veranstaltungen geben, wenn es nach dem Leiter Bernd Riehlein geht. Im vergangenen Jahr habe es keine Corona-Fälle gegeben, die im Zusammenhang mit einem Kursangebot oder einer Veranstaltung der Kulturfabrik gestanden wäre, erklärt er. Das zeige, dass sich die Besucher an die Vorgaben halten und nicht zur Verbreitung des Virus beitragen. Dies sei eine gute Grundlage für das neue Kulturjahr.

Kulturfabrik hofft auf Entspannung

In der Kulturfabrik finden derzeit die meisten Kurse online statt. Lediglich der Einzelmusikunterricht laufe im Präsenzmodus. Auch in der VHS würde Riehlein gerne ab März wieder Präsenzveranstaltungen anbieten. Schließlich können viele Kursteilnehmer sich nicht mit dem Online-Unterricht anfreunden. Man hoffe dort auch deshalb, dass die Situation bis März eine Entspannung bringt und mehrere Kurse in die Realität zurückkehren können.

Dass dennoch Vorsicht angezeigt sei, sagt dann auch noch einmal Brehm. Man müsse abwarten, wie sich die Situation entwickelt, was nicht heißen soll, dass der Bürgermeister nicht mit großer Zuversicht ins Kulturjahr 2021 schaue. "Es muss unsere Aufgabe sein, kulturelles Engagement an den Tag zu legen." Spätestens im Kulturausschuss am 17. März werde entschieden, was genau möglich ist und was nicht, sagt Gerald Brehm.