Kurz aber heftig fegte am 5. Februar zur Mittagsstunde ein Wirbelsturm durch den Seebachgrund. Bis zu 155 km/h Geschwindigkeit erreichte der Wind, der vom Weisendorfer Sportplatz eine gut fünf Kilometer lange Schneise bis Hannberg zog - der FT hat damals mit Bild berichtet. Jetzt steht es fest: Es war definitiv ein Tornado, der da gewütet hat. Das hat Björn Stumpf aus Fulda festgestellt, der sich seit acht Jahren mit Tornados befasst und seit 2008 das Forschungsprojekt WTINFO unterhält. Es war laut Stumpf der erste Tornado in diesem Jahr in Deutschland.

Stumpf hat den Weisendorfer Sturm als Tornado der Schadensklasse T3F1 verifiziert. Das bedeutet Windstärken zwischen 151 und 183 km/h. So ein schwächerer Tornado kann bereits Bäume fällen oder Wohnwagen umstürzen, auch Dächer werden abgedeckt. Selbst in dieser Kategorie hat ein Wirbelsturm schon solche Macht, dass fahrende Autos von der Straße gedrückt werden können, berichtet Stumpf.

In Weisendorf wurde der größte Schaden in der Straße "Am Ochsenweiher" verzeichnet. Dort hat der Sturm ein komplettes Gewächshaus zerlegt und 46 Meter weiter auf einen Acker geweht. Stumpf wurde damals auf der FT-Onlineseite infranken.de auf den Vorfall aufmerksam und reiste wenige Tage später nach Mittelfranken. Dort hat er sich alle Schäden genau angeschaut, die der erste Tornado in diesem Jahr in Deutschland angerichtet hatte.

"Ich bin schon mein ganzes Leben lang am Wetter interessiert", sagt Stumpf im FT-Gespräch. Vor acht Jahren hat er dann seinen ersten Tornado untersucht. Der tobte an der bayerisch-hessischen Grenze und "hat mich unglaublich begeistert". Zwei bis drei Wochen lang hat er sich in dem Schadengebiet umgesehen, alles aufgeschrieben, die Folgerungen gezogen. Was damals noch Hobby war, hat der ehemalige IT-Experte jetzt zu seinem beruflichen Lebensinhalt erkoren.

In all den Jahren hat sich der 41-Jährige durch die praktische Arbeit vor Ort vielfältige Kenntnisse angeeignet. "Ich kann jeden Windschaden verifizieren", sagt er. Da muss es sich nicht ausschließlich um Tornados handeln, denn es gebe zum Beispiel auch Microbursts (Fallwinde) oder den Gustnado (Böenfrontwirbel). Diese beiden schließt er für Weisendorf nach der Sichtung der Schäden aber deutlich aus: "Das war definitiv ein Tornado".
Eine Windhose war es demnach auch nicht. Von diesem Begriff, wie er gern verwendet wird, rät der Tornadokenner übrigens ab. Dieses altdeutsche Wort werde in der Bevölkerung für mehrere Wetterphänomene verwendet. Auch wenn Heu auf dem Acker aufgewirbelt wird, sei das schon eine Windhose. Außerdem, so Stumpf, klinge dieses Wort verniedlichend. Dabei könne jeder noch so schwache Wirbelwind beispielsweise durch umher fliegende Trümmerteile lebensbedrohlich werden.

Tornados in Deutschland sind laut Björn Stumpf nicht mehr außergewöhnlich, auch wenn es hierzulande keine bestimmten Tornadogebiete gebe. "Sie können punktuell überall auftreten. Egal wo". Das Wichtigste für einen solchen Wirbelsturm seien optimale Bedingungen, wie feucht warme Luft am Boden, dynamische Hebungsprozesse und Scherwinde in unterschiedlichen Luftschichten. Bei diesem Wintersturm sei es eine Kaltfront gewesen, die ein "orographisch verstärktes System produzierte, das in unterschiedlichen Luftschichten zu guten Scherungswerten geführt hat. Dadurch bildete sich in Höhe des Sportplatzes ein nichtmesozyklonischer regenumhüllter Tornado". So weit die Analyse des Sturmforschers.

Begonnen hatte der Sturm um 12.55 Uhr. Zu dieser Zeit bildete sich ein schwacher Tornado am Sportplatz in Weisendorf. Dieser Regen umhüllte (rain wrapped) Tornado zog in das Neubaugebiet, wo er leichte Gegenstände im Schleifweg "verfrachtete", wie es im Expertendeutsch heißt. Mit anderen Worten: Der Wind blies Mülltonnen um. Der Trichterkern verstärkte sich dann in der Straße "Am Ochsenweiher" und verwehte ein Gewächshaus. Davon liegt dem Tornadoforscher eine genaue Augenzeugenbeschreibung der Familie Förster vor, die Björn Stumpf dem FT-Bericht auf "inFranken.de" entnahm.

Die weiteste Verfrachtung von 264 Metern erreichten übrigens zwei rote Kunststoffdeckelteile eines Eimers. Diese wurden von Stumpfs Team im Ochsenweiher gefunden. Weitere eindeutige Tornadoschäden zeigten sich an einem kleinen Mischwaldbestand zwischen Weisendorf und Großenseebach. Hier wurde ein Hochsitz mitsamt Baumstamm zu Boden gerissen. Björn Stumpf berichtet weiter: "Es zeigten sich Druckschäden und Brüche tornadischen Ursprungs in dem angrenzenden Linienbiotop".

Der Tornado zog in nordöstlich Richtung weiter durch den Ort Großenseebach, wo er in der Bergstraße eine Gartenbank aus Holz sowie einen Gartentisch mit sich riss. Von nun an schwächte sich der Wirbelsturm entlang der Kreisstraße ERH26 ab, zog weiter nach Hannberg und löste sich dort auf.

Die insgesamt verifizierte Schneisenlänge beträgt 5,4 Kilometer. Die maximale Schneisenbreite wurde mit 57 Meter bemessen. Gedauert hat der Spuk ganze sechs Minuten, um die Strecke von Weisendorf bis Hannberg zurückzulegen, berichtet Björn Stumpf.