"Wir wissen genau, wo ein Krug ist, wohin wir also gehen können", sagt Raffael Funk. Funk ist ein Handwerksgeselle auf der Walz. Als "Krug" bezeichnen die "Reisenden" eine Herberge für Handwerksgesellen auf Wanderschaft. Das Höchstadter "Töpfla" ist so eine Herberge. Mirjam Wellein, die Wirtin der Kultkneipe, stellt ihnen in einem Nebengebäude eine Unterkunft zur Verfügung, die sich die Wandergesellen selbst ausgebaut haben.

"Einfach einen Raum, wo man seinen Kopf hinlegen kann", sagt Mirjam Wellein im Telefongespräch mit dem FT. Was in der kalten Jahreszeit und bei dem momentanen Wetter auch unbedingt vonnöten ist. Zwei Zimmerleute und ein Steinmetz auf Wanderschaft logieren derzeit im Töpfla. Der Ausbau der Herberge ist sozusagen ihr Dank für die Aufnahme. Betten haben sie gebaut und zwei hochwertige Abdeckplatten für das Mobiliar angefertigt und montiert. Steinmetzgeselle Raffael Funk hat bei den Platten aus Granit selbst Hand angelegt.

Moderne Maschinen im Steppacher Betrieb

Das Ausgangsmaterial stellte ihm der Steppacher Steinmetzbetrieb Weikert & Maier zur Verfügung. In der Werkstatt des Betriebs wurden die Platten exakt auf Maß geschnitten. Mit einer neuen Wasserstrahlschneidemaschine, die das Unternehmen erst vor einem halben Jahr angeschafft hat. Ute Maier ist ganz begeistert, wenn sie über die moderne Anlage spricht. Allein mit Wasserstrahl könne nahezu jedes Material in höchster Präzision geschnitten werden. Die Bandbreite reiche von Metall , Stein, Glas und Holz bis hin zu Kunststoffen . Wie exakt das geht, zeigte der neu geschnittene Schriftzug "Töpfla", der künftig die Höchstadter Herberge der Handwerksgesellen zieren soll.

Feinarbeit per Hand

Raffael Funk hat mit einer so modernen und komplexen Anlage noch nicht gearbeitet. Daher überließ er den Zuschnitt samt der notwendigen Aussparungen lieber der Erfahrung von Steinmetzmeister und Betriebsinhaber Manfred Maier und dessen Mitarbeitern . Die Feinarbeit per Hand blieb aber dem Wandergesellen überlassen.

Seit etwa einem halben Jahr ist Funk, der aus der Nähe von Stuttgart stammt, unterwegs. Drei Jahre und ein Tag sollen es am Ende werden. Mit Gesellenbrief und Wanderbuch in der Hand werden die "Tippelbrüder" immer freundlich aufgenommen. Obwohl "Tippelbruder" ein wenig despektierlich anmutet, ist es doch eine gängige Bezeichnung, die sogar in den Abschiedsgruß Eingang gefunden hat.

Freiheit und Abenteuer locken

Wandergesellen bekommen Arbeit und - wenn das, wie in Coronazeiten, nicht möglich sein sollte - zumindest Unterstützung von den aufgesuchten Handwerksbetrieben. In Husum hat der Steinmetzgeselle schon etliche Wochen gearbeitet. Von Höchstadt aus soll es nächste Woche weitergehen. Zusammen mit Jorge, einem Zimmermann auf der Walz, der aus der Nähe von Schleswig stammt. Wer wollte es leugnen, dass Freiheit und Abenteuer bei der Wanderschaft auch eine Rolle spielen. Funk nennt aber vor allem die berufliche Erfahrung als ausschlaggebend für seine Wanderschaft. Schon bevor er sich auf die Walz machte, habe er sich in der berühmten italienischen Marmorregion Carrara auf künstlerischem Gebiet weitergebildet.

Die beiden Granitplatten für das Töpfla sind schnell in einem geliehenen Fahrzeug verstaut. Dann gilt es, in Steppach Abschied zu nehmen. Zuvor wird noch der "Handwerksgruß" überbracht - in voller Kluft mit Hut und Wanderstab. Der Stock heißt übrigens "Stenz". Alles, was der Geselle auf der Walz braucht, ist im "Charlie" exakt zusammengeschnürt. Nach alter Tradition bedanken sich die Wandergesellen mit einem Spruch in gereimter Form bei ihren Wohltätern. Unter anderem geht ihr Dank auch an den Höchstadter Zimmereibetrieb Leicht, der Holz für die Ausstattung der Herberge zur Verfügung gestellt hat. Wohin der Weg sie führt - wer weiß das schon? Na dann - "fixe Tippelei"!