Eine Gefahr stellten im Sommer 1945 immer noch von Soldaten fortgeworfene Waffen und Munition dar. Am 4. Juli 1945 erging nochmals ein Aufruf des Landrats, Feuerwaffen abzuliefern sowie zu melden.

Außerdem erfolgte im Juli im ganzen Landkreis Höchstadt die Überprüfung von Soldaten, ob sie ordnungsgemäß entlassen waren. Mit dem Betreff "Überprüfung der entlassenen und zurückgekehrten deutschen Soldaten" ordnete der Landrat die Bürgermeister und die Gendarmerie-Posten im Landkreis an, die deutschen Armeeangehörigen zu kontrollieren.

Landkreis Höchstadt zum Kriegsende: Wurden die Soldaten ordnungsgemäß entlassen?

Als Zivilisten galten nur die Soldaten, die vor dem 1. März 1945 von der Wehrmacht ordnungsgemäß entlassen wurden und vorschriftsmäßige Entlassungspapiere oder einen Entlassungsschein mit Fingerabdruck von der amerikanischen Militärbehörde vorweisen konnten. Die nicht vorschriftsmäßig Entlassenen waren von den Bürgermeistern in Listen zu erfassen.

Am 3. Juli 1945 schlug Bürgermeister Hubmann vor, Balthasar Frischmann mit der Organisation der Feuerwehr im südlichen Teil des Bezirks zu beauftragen. Auf den 4. Juli ist ein Schreiben des Herzogenauracher Bürgermeisters an den Oberbürgermeister der Stadt Mülheim/Ruhr datiert. Darin ersucht er, die Abholung von Ruhrkohle und Koks zu genehmigen. Als Gegenleistung offerierte er dem Stadtoberhaupt im Ruhrgebiet Brotgetreide und Kartoffeln.

Eine schillernde Figur in der Umbruchphase nach dem Kriegsende war in Herzogenaurach Walter Harcz. Kurz nach Kriegsende in Herzogenaurach aufgetaucht, machte er sich die Nachkriegswirren und die unklaren Verhältnisse zunutze. Seine Anwesenheit bemerkten zunächst die Maria Ward-Schwestern, die er zu Übersetzungsdiensten bewegen wollte. Denn wer konnte in der damaligen Zeit schon Englisch? In den Oberschulen wurde hauptsächlich Französisch gelehrt, die Kultursprache Europas.

Walter Harcz machte sich in Herzogenaurach die unklaren Verhältnisse nach dem Krieg zunutze

Harcz forderte die Ordensschwestern eines Tages auf, ins "Bürgermeisterhaus", das heißt in die Villa von Bürgermeister Karl Körner am Buck - die damalige Adresse war Aussichtswarte 1 -, zu kommen. Dort hatte er sich eingenistet, denn der Parteigenosse und Ehrenzeichenträger Karl Körner war bei Kriegsende nicht in Herzogenaurach.

Die Villa hatte dieser sich Ende 1938 im "fränkischen Heimatstil" errichten lassen. Das Gebäude mit einem großen Grundstück lag idyllisch und abgeschirmt von der Öffentlichkeit als einziges Wohnhaus gegenüber dem Aussichtsturm.

Übersetzungen geben Einblicke in Walter Harczs Leben

Wohl oder übel musste die Oberin Mater Helene und Mater Editha dorthin schicken. Sie übersetzten den Lebenslauf von Harcz ins Englische. Daraus konnten sie ersehen, dass er Pole aus Rybnik war, sich aber als "Schutzangehöriger des Deutschen Reiches" betrachtete. Zum Abschied erhielten die beiden Ordensschwestern fünf Reichsmark, die umgangssprachlich als Preußischer Silbertaler bezeichnet wurde.

Harcz griff vermutlich deshalb auf die Schwestern als Übersetzerinnen zurück, weil er derartige Übersetzungen nicht gerne unbekannten Dolmetschern anvertrauen wollte. Denn gegenüber Priestern und Ordensleuten verhielten sich die Amerikaner sehr zuvorkommend. Am Sonntag darauf tauchte Harcz mit einem amerikanischen Captain bei den Maria Ward-Schwestern auf und verlangte nach der Schwester, "die Englisch spricht". Grund dafür war, dass ein Quartier für eine 600 Mann starke Truppe gesucht wurde.

Harcz muss die Villa im Juli 1945 verlassen

Am 4. Juli 1945 erreichte Walter Harcz die Nachricht, dass er auf Anweisung des Militärgouverneurs am 9. Juli 1945 die Villa des Bürgermeisters räumen müsse.

Die Oberin der Maria Ward-Schwester notierte in ihrem Bericht: "Nach wenigen Tagen wurde der Herr Kommissar abgeführt und seitdem haben wir nichts mehr von ihm gehört. Die Amerikaner hätten gehört, dass seine Papiere nicht gestimmt hätten."

Der Stadtkommandant Leutnant Bauer verhaftete Harcz schließlich. Ausgewiesen begab sich die ganze Familie nach Fürth weiter, nicht aber ohne das ganze Haus von Ex-Bürgermeister Körner völlig leergeräumt zu haben.