Nachdem sich Anfang Januar der Verdacht bei einem Hobbygeflügelzüchter im Nachbarlandkreis Neustadt/Bad Windsheim bestätigt hat, sind nun auch die Behörden in Erlangen-Höchstadt alarmiert: Nicht bei privater Vogelhaltung, sondern in der freien Natur wurde die Vogelgrippe entdeckt.

Bei zwei Schwänen, die vergangene Woche am Weiher "Sauerheimer Graben" in Weisendorf gefunden wurden, wurde das für Tiere hochansteckende Vogelgrippe-Virus H5N8 nachgewiesen. Das teilte das Landratsamt Erlangen-Höchstadt am Montag mit.

Bürger haben die Behörden auf die toten Tiere am 31. Januar und am 1. Februar aufmerksam gemacht. Das Veterinäramt trifft nun Vorsorgemaßnahmen. Im gesamten Landkreis gilt weiterhin Stallpflicht und das Verbot von Geflügelausstellungen und -märkten.


Stallpflicht bereits seit November

Die Stallpflicht gilt für alle Geflügelhalter bereits seit dem 21. November. Drei Tage später wurden auch Märkte und Schauen verboten. Das Landratsamt hat dazu entsprechende Allgemeinverfügungen veröffentlicht. Wie das Amt in seiner gestrigen Mitteilung betont, ist das Virus für Menschen nicht ansteckend. Der Verzehr von Geflügelfleisch, Eiern und sonstigen Geflügelprodukten sei unbedenklich.

Selbst bei einer Infektion von Hausgeflügelbeständen sei für den Verbraucher keine Gefahr zu erwarten, weil das Virus bereits bei 70 Celsius - und damit bei der üblichen küchenmäßigen Zubereitung - sicher abgetötet werde. Für Tierhalter und Spaziergänger empfiehlt das Veterinäramt jedoch als Vorsichtsmaßnahmen vier Verhaltensregeln:

Tote Vögel nicht anfassen

Das Veterinäramt rät, tote Wasservögel (zum Beispiel tote Wildenten, Wildgänse oder Schwäne) nicht anzufassen, sondern direkt das Landratsamt unter der Telefonnummer 09193/20-506 anzurufen und über den Fund toter Wasservögel zu informieren.

Mitarbeiter des Veterinäramtes, der Bauhöfe oder der Feuerwehren bergen die Vögel fachmännisch und senden diese zur Analyse an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen. Wer einen toten Singvogel oder eine tote Taube beispielsweise im Garten findet, braucht das Landratsamt nicht zu verständigen - dass diese an Geflügelpest erkranken, sei bei diesen Tieren nicht zu erwarten.

Nicht füttern

Bürger werden gebeten, kein Futter für Vögel an Gewässern auszulegen oder in Gewässer zu werfen. Denn dadurch würden Wildvögel angelockt, die das Virus weiter verbreiten könnten.

Tiere anmelden

Das Veterinäramt weist alle (Hobby-) Geflügelhalter, die ihre Tierhaltung noch nicht beim Veterinäramt gemeldet haben, darauf hin, dies umgehend nachzuholen. Das Formblatt dafür steht auf der Internetseite des Landratsamtes im Bereich "Veterinäramt und Verbraucherschutz" unter: Alles für Tierhalter - Allgemeines - "Meldung einer Haltung von Nutztieren" zur Verfügung. Auf Wunsch sendet das Amt das Formblatt auch zu.

Hunde anleinen

Hundehalter sollten laut Landratsamt ihren Hund anleinen, wenn sie mit ihm im Uferbereich spazieren gehen. Jagende Hunde könnten Wildvögel aufschrecken. Das könne dazu beitragen, dass das Virus sich ausbreitet. Katzenhaltern, die nah am Uferbereich wohnen, empfiehlt das Veterinäramt, die Tiere nicht frei laufen zu lassen. Dass sich das Virus auf Hunde und Katzen überträgt, gelte zwar als unwahrscheinlich, sei jedoch nicht ausgeschlossen.


Bayernweit gibt es Fälle

Die Vogelgrippe hat inzwischen ganz Bayern im Griff. Derzeit sind nach Angaben des LGL 34 Landkreise und sechs kreisfreie Städte betroffen. Zuletzt wurde das Virus vom Subtyp H5N8 im oberpfälzischen Schwandorf nachgewiesen. Bayernweit gilt für unbestimmte Zeit Stallpflicht und das Verbot für Geflügelausstellungen.
Die Stallpflicht hat vor allem auf die Betriebe Einfluss, die Freilandeier produzieren.

Der Gesetzgeber hat eine Höchstfrist von zwölf Wochen festgelegt, innerhalb derer Eier von Hühnern die aus veterinärmedizinischen Gründen aufgestallt wurden, noch als Eier aus Freilandhaltung verkauft werden dürfen. Diese Frist endet in Bayern nach Angaben der Landesanstalt für Landwirtschaft am kommenden Montag, 13. Februar. Nach der sogenannten Zwölf-Wochen-Regel dürfen die Eier nur noch mit dem Hinweis "Bodenhaltung" gekennzeichnet werden.

Von sogenannte "Keulungen" in Betrieben ist im Landkreis ERH nicht die Rede. In Niedersachsen beschäftigen sich die Behörden damit, dass Betriebe seit Ausbruch der Vogelgrippe im Herbst fast 560.000 gesunde Putenküken getötet haben. Es wird geprüft, inwieweit dies gegen das Tierschutzgesetz verstoßen hat.