Wie barrierefrei ist das Bussystem in Herzogenaurach? Dieser Frage gingen jetzt Menschen mit Behinderung nach und das Einsteigen am Busbahnhof ging auch im Linienverkehr zügig und ohne Problem. Mit dabei war Annika Lang, Projektbeauftragte der Lebenshilfe für das Projekts Inklusion, die eventuelle Mängel oder Auffälligkeiten notierte.

Die erste Anmerkung konnte Lang gleich am Busbahnhof vornehmen: Die Fahrpläne hängen für Rollstuhlfahrer etwas zu hoch und Martin Meßmer von der Herzo Bäder- und Verkehrs- GmbH wird sich eine Änderung überlegen, die aber frühestens nach dem Schütt-Umbau und der Zurückverlegung des Busbahnhofs umgesetzt werden kann.

Die Herstellung gleichwertiger Mobilitätschancen soll auch beim Busverkehr gewährleistet sein. Langfristig soll der Nahverkehr barrierefrei sein - gemeint ist damit, dass auch mobilitätseingeschränkte Personen den Nahverkehr ohne fremde Hilfe nutzen können. Profitieren werden davon viele: Rollstuhl fahrende Fahrgäste, Personen mit Kinderwagen oder großem Gepäck, seh- und hörgeschädigte Menschen, Kinder und Hochbetagte.

Die Arbeitsgruppe "Mobilität und Barrierefreiheit", die aus dem Projekt Inklusion-Wohnen-Mobilität-Freizeit/Kultur entstand, will die Infrastruktur der Stadt für Menschen mit Beeinträchtigung zugänglich machen. Angeknüpft an das Projekt "Hürdenlos" sollte die Aktion jetzt zeigen, wie barrierefrei der öffentliche Personennahverkehr ist.
Um zu erfahren, wie einfach oder schwierig das Busfahren mit einer Beeinträchtigung ist, wurde diese Testfahrt im regulären Fahrbetrieb durchgeführt. Mit dabei waren Personen im Rollstuhl, mit einer Hörbehinderung, Sehbehinderung, Sprachbehinderung und Lernschwierigkeiten. Außerdem waren dabei: Wolfgang Jörg, Behindertenbeauftragter der Stadt Herzogenaurach, Martin Meßmer, Herzo Bäder- und Verkehrs- GmbH, Werner Zimmermann von Hürdenlos und Annika Lang.

Von der Orientierung auf dem Fahrplan über den Zustieg in den Bus und das Lösen einer Fahrkarte bis hin zum Umsteigen sollte alles ausprobiert und bewertet werden. Das Ziel der Testfahrt war es, Schwachstellen aufzuspüren und Empfehlungen an Herzobus zu geben, damit die barrierefreie Nutzung verbessert werden kann.


"Große Herausforderung"

"Die kontinuierliche Zunahme des Verkehrs stellt eine große Herausforderung für die Zukunft unserer Städte dar. Neue Strategien werden benötigt, um den städtischen Verkehr zugänglicher, effizienter und nachhaltiger zu machen", erklärte Bürgermeister German Hacker. Der aber auch darauf hinwies, dass man beim ÖPNV erkannt hat, wie wichtig die Barrierefreiheit ist. Die Stadt baut dazu schon seit Jahren Haltestelle für Haltestelle um und ermöglich das fast stufenlose Einsteigen in die Busse, die sich zur Türseite hin absenken können.

"Hier sind wir schon weit gekommen. Aber auch scheinbare Kleinigkeiten wie ein freier Platz für einen Rollstuhl oder Kinderwagen im Buswartehäuschen wie im Bus selbst machen viel aus", sagt der Bürgermeister. Auch niedrig hängende Schilder, laute Ansagen im Bus und vieles mehr ist nötig, um echte Barrierefreiheit hinzubekommen. "Auch hier gilt wie immer: für einen kleinen Teil ist es zwingend erforderlich, für viele andere ein großer Komfortgewinn", erklärt der Bürgermeister und bedankt sich ausdrücklich beim Behindertenbeauftragten Wolfgang Jörg und dem Team "Hürdenlos" mit Werner Zimmermann für die wertvollen Tipps."Das Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen beschreibt Barrierefreiheit als "Zustand, in dem bauliche und sonstige Anlagen ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind", erklärt dazu Jörg.