Der zweite Adventssonntag in der evangelischen Christuskirche stand ganz im Zeichen der Sakramentsverwaltung, mit der die Religionspädagogin Verena Lorz beauftragt wurde. Im Klartext bedeutet dies, dass Verena Lorz nun Gottesdienste abhalten sowie das Heilige Abendmahl feiern darf.

Die Einführung leitete Dekan Hans-Martin Lechner aus Bamberg. Er erklärte, dass Lorz keinesfalls eine "Lückenbüßerin" wäre, um einzuspringen, falls Pfarrer Fritz Schäfer mal ausfällt. "Sie ist eine gleichwertige Partnerin im Team mit Pfarrer Schäfer und Sybille Stargalla." Die Frauenquote ist hoch in Höchstadt, was Dekan Lechner mit einem "ohne die Frauen wären wir wahrlich nicht so gut aufgestellt" kommentierte.

"Normalerweise wäre dies ein gigantisch großes Fest", ließ Pfarrer Schäfer die Besucher des Gottesdienstes wissen, "eigentlich wäre die Regionalbischöfin Dorothea Kreiner heute hier. Aber es ist schön, dass wir Gottesdienst feiern dürfen, natürlich mit Rücksicht."

"Sie werden für die jungen Leute in besonderer Weise da sein", erklärte Dekan Lechner in seiner Einführungsansprache, womit er auf die Jugendarbeit von Lorz einging. Seit September hält Verena Lorz in der Ritter-von-Spix-Schule in der sechsten bis zehnten Klasse Religionsunterricht und studiert im Jugendtreff ein Krippenspiel ein, welches am 24. Dezember - Corona geschuldet - an den Fenstern des Gemeindehauses stattfinden wird.

Zudem unterrichtet die gebürtige Steppacherin per Videokonferenz 21 Konfirmanden. Und sie wird ihre Schützlinge dank der Beauftragung der Sakramentsverwaltung auch konfirmieren dürfen. Es sei ihr wichtig, ihre Konfirmanden, die sie auch begleitet hat, zu konfirmieren. Wenn nichts dazwischenkommt, soll dies im April nächsten Jahres in zwei bis drei Gruppen über die Bühne gehen.

Bereicherung für Höchstadt

"Sie werden die öffentliche Verkündigung hier in Höchstadt bereichern", prophezeite Dekan Lechner. Ein besonderer emotionaler Moment nahm die Gläubigen gefangen, als Lechner, assistiert von Pfarrer Schäfer und der Bamberger Schulreferentin Renate Tallon, welche Lorz flankierten, sowie der Pommersfeldener Pfarrerin Angelika Steinbauer, die hinter Lorz stand, die Segnung vornahm.

Im Anschluss griff Verena Lorz zur Gitarre. "Ich habe mir als Lied etwas gewünscht, dass schon zu meiner Zeit als Konfirmandin ein Gassenhauer war", erklärte sie und stimmte die ersten Noten von "Fear not", der englischen Version von "Fürchte dich nicht" an. Mit ihrer hellen, klaren Stimme erfüllte sie den Raum und verlieh den Worten Flügel - sowohl mit ihrem Gesang, als auch mit ihrer anschließenden lebendigen Predigt, die am ungebetenen Begleiter Corona nicht vorbeikam. "Geduldig sein, abwarten, gelassen bleiben und den Glauben nicht verlieren", sagte sie.

Lorz ging in ihrer Predigt besonders auf die Jugendlichen ein, die ihre Freunde nicht mehr treffen können, und appellierte an die Erwachsenen, den Jugendlichen zuzuhören und deren Gefühle ernst zu nehmen. Wichtig sei ihr, dass Weihnachten gefeiert werde, denn "man kann alles verschieben, doch die Geburt Gottes lässt sich nicht verschieben".