Es gibt sie wirklich, die Oase in der Stadt beziehungsweise am Stadtrand. Am südlichen Ortsausgang von Herzogenaurach, von der Lortzingstraße in Richtung Steinbach, da steht sie - eine Ruhebank, gestiftet und installiert unter der Lortzing-Linde von den Familien Deschner, Habermann, Lorz und Seichter. Hier wird Nachbarschaft gepflegt, hier leben und feiern verschiedene Generationen miteinander. Und sie denken auch an die Mitmenschen.

Zum dritten Mal fand das Lort zing-Straßenfest statt und zum dritten Mal hat es geregnet, doch die Anwohner der Lortzing-Straße waren bestens auf diesen Augenblick vorbereitet. Zur kleinen Einweihung der Ruhebank kam auch Bürgermeister German Hacker auf einen Kaffee vorbei und betonte, dass so ein Zusammenhalt unter den Einwohnern bei weitem nicht selbstverständlich sei, und er begrüßte die Aktion ausdrücklich.

"Die Ruhebank dient nicht nur als Treffpunkt für die Anwohner der
Straße, egal ob als Rentner-Stammtisch, für Kaffeekränzchen, zur gemeinsamen Brotzeit oder als Spielplatz der in der Lortzingstraße lebenden Familien-Generationen. Sondern sie ist auch eine Zwischenstation für die vielen Spaziergänger auf ihrem Weg nach Steinbach und Dondörflein". Das sagte Mitorganisator Walter Lorz in seiner Einführung.

Die Ruhebank unter der alten Linde sei aber noch viel mehr: Ein deutliches Zeichen für das außergewöhnliche Gemeinschaftsgefühl in der Straße, in der eine gute Nachbarschaft keine Floskel, sondern ein hohes Gut ist, das mit viel Engagement gepflegt wird, über die Generationen hinweg.


Echtes Wahrzeichen


Der Dank der Organisatoren, Bewohner und Nutzer ging an die "vorbildliche Unterstützung des städtischen Bauhofs" bei der Gestaltung des Platzes unter dem großkronigen Baum, der jetzt zu einem echten Wahrzeichen der Straße geworden ist.

Für Bürgermeister German Hacker war es "ein außergewöhnlicher Termin in einer außergewöhnlichen Straße", denn so viel Eigeninitiative ist für ihn beispielhaft für gelebten Gemeinsinn. Während man sich an anderer Stelle in der Stadt über zu große Bäume, Wendehämmer oder die Nachbarn ärgert, wurde hier eine städtische Grünanlage sogar noch deutlich aufgewertet.

Welche Anziehungskraft die Ruhebank schon jetzt ausübt, wurde dieser Tage deutlich, denn trotz des schlechten Wetters waren die Plätze schnell besetzt. Die Einrichtung hatte ihren Sinn sofort erfüllt, denn bei Kaffee und Kuchen wurde mit German Hacker intensiv diskutiert. So auch über die mangelhafte Nahversorgung der Bewohner des Schleifmühlviertels, die vor allem den älteren Bewohner zu schaffen macht. Denn ein Einkaufsmarkt wird dort seit langem schmerzlich vermisst. Oder über unvernünftige Hundebesitzer, die die Grünanlage noch immer falsch interpretieren.

Beim anschließenden Straßenfest gab es dann auch noch eine ganz besondere Überraschung. Die Lortzingbräu stellte ein eigenes Bier vor. Sie ist seit Oktober 2011 aktiv und braut ihr Bier, wie es sich für fränkische Hobbybrauer gehört, in einem alten Wurstkessel. Gelagert wird der Gerstensaft nach der offenen Vergärung in einem tiefen Sandsteinkeller. Eben ganz wie früher.

Die Lortzingbräu ist zudem Mitglied im Verein zur Förderung der fränkischen Braukultur. So wird die Braukultur dann auch mal schnell zur echten Straßenkultur.