Erlanger Arzt warnt: Lärm schadet mehr als gedacht - so können Sie Schäden vermeiden: Was haben Konzertliebhaber und Musiker im Blasorchester gemeinsam? Und Motorradfahrer, Sportschützen und Forstarbeiter? Sie alle setzen sich, über kürzere oder längere Zeit, wissentlich Lärm aus. Der internationale Tag gegen den Lärm, der dieses Jahr am 28. April stattfindet, will weltweit auf die Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit aufmerksam machen. Das teilt die Uni Erlangen mit. 

Denn: Schallpegel von rund 80 Dezibel (dB) oder mehr können bleibende Schäden am Innenohr hinterlassen, wie Prof. Dr. Dr. Ulrich Hoppe, Leiter des Cochlear-Implant-Centrums CICERO an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinrich Iro) des Universitätsklinikums Erlangen, erklärt: „Die Haarzellen in unserem Ohr bewegen sich durch die Schallwellen. Bei hoher Lautstärke schwingen die Härchen so stark, dass sie zerstört werden. Die Folge ist im schlimmsten Fall eine bleibende Hörschädigung.“

Uni Erlangen: Ab dieser Dezibelstärke wird Lärm zum Problem

Entscheidend ist dabei allerdings nicht, ob wir die Lautstärke genießen, etwa beim Musizieren, oder ob wir die Geräusche als störend empfinden, beispielsweise bei einer vorbeifahrenden Straßenbahn. Die Wahrnehmung von „laut“ und „zu laut“ ist zudem sehr individuell und genetisch bedingt. In jedem Fall wirkt es sich auf das Hörvermögen aus, wenn wir uns regelmäßig Lautstärken über 80 dB aussetzen.

Dabei gilt, ähnlich wie bei radioaktiver Strahlenbelastung: Dosis mal Zeit ergibt die ausschlaggebende Belastung. „Die maximal tolerierbare Zeit für 100 dB, das entspricht der Lautstärke in einer Disko, beträgt drei Stunden pro Woche, längere Aussetzungszeiten fügen unserem Gehör Schaden zu. Bei 110 dB – so laut ist in etwa ein Rockkonzert – beträgt diese Zeit sogar nur sieben Minuten pro Woche“, verdeutlicht der Hörexperte. Zum Vergleich: Ein Gespräch bewegt sich im Rahmen von ca. 50 bis 60 dB.

Warnhinweise des Körpers sollten keinesfalls ignoriert werden. Diese äußern sich auf vielfältige Weise: Eine zu hohe Schallexposition kann Ohrgeräusche (Tinnitus) hervorrufen, andere spüren dagegen nur ein Kitzeln im Ohr. Die Lärmeinwirkung kann aber auch zu einem dumpfen Hören führen. „Viele haben das sicherlich schon selbst erlebt, etwa nach einer längeren Autobahnfahrt oder einem Konzertbesuch.

Erlanger Arzt rät: So schützen Sie Ihre Ohren am besten vor Lärm

Auch Motorradfahrer kennen das ‚taube Gefühl‘ nach einer weiten Strecke sehr gut“, zählt Ulrich Hoppe auf. „Verändert sich das Hören plötzlich, treten also Ohrgeräusche oder ein dumpfes Hören auf, sollte unbedingt ein HNO-Arzt aufgesucht werden, um eine Hörschädigung auszuschließen. Dabei kann auch abgeklärt werden, ob ein Hörgerät erforderlich bzw. sinnvoll ist.“

Der Experte rät außerdem zur Prävention: „Professionelle Musiker wie Schlagzeuger, aber auch Konzertbesucher und Menschen, die beruflich ständig hohen Lärmpegeln ausgesetzt sind, sollten einen Gehörschutz tragen.“ Dazu zählen neben klassischen Schaumstoff-Ohrenstöpseln auch solche aus Wachs, individuell gefertigte Modelle aus Silikon oder Keramik und ein Kapselgehörschutz.

Wichtig sind aber auch gezielte Lärmpausen: „Gönnen Sie Ihren Ohren eine Auszeit, in der Sie Umgebungsgeräusche wie Radio oder Fernseher gezielt eliminieren, anstatt die Geräte immer im Hintergrund laufen zu lassen“, so Prof. Hoppe. „Nicht nur das Gehör entspannt dabei, sondern gleichzeitig beugen Sie auch lärmbedingtem Stress und Konzentrationsstörungen vor.“

Lärmschäden: Darum sind Kopfhörer so schlimm

Manchmal finden wir eine Auszeit vom Alltag aber eben nicht in der Stille, sondern in der Musik – oft auch unterwegs mit Kopfhörern. Doch gibt es dabei Unterschiede für das Gehör? „Der am Ohr eintreffende Schallpegel ist das wesentliche Kriterium. Wenn ich mir einen Kopfhörer unmittelbar in den Gehörgang stecke, kann ich selbst mit sehr kleinen Hörern hohe Schallpegel erreichen“, gibt

Ulrich Hoppe zu bedenken. „Studien konnten außerdem zeigen, dass Musik über Kopfhörer in der Regel lauter gestellt wird als über Lautsprecher.“ Die Art des Kopfhörers sei dabei eigentlich nicht so wichtig, so der Hörspezialist. „Das Problem bei Kopfhörern ist eher, dass die Lautstärke beispielsweise im Zug schon deutlich hochgedreht werden muss, um die Nebengeräusche zu unterdrücken. Daher sind On-Ear- bzw. Over-Ear-Kopfhörer – wenn sie denn Umgebungsgeräusche mithilfe von Noise Cancelling gezielt abschirmen – eher geeignet als solche, die direkt im Gehörgang sitzen.“