Mit einer faustdicken Überraschung und ohne Satzungsbeschluss endete die Debatte über das neue Wohngebiet "In der Reuth" am Donnerstagabend im Stadtrat. Es werden Nachbesserungen erforderlich.

In einem Punkt aus der Bürgerbeteiligung fiel die Verwaltung mit ihrem Vorschlag nämlich durch, stattdessen bekam der Einwand der Nachbarn des Gebietes mit 18:13 Stimmen eine Mehrheit. Das bedeutet, dass der Bebauungsplan noch warten muss, bis er als Satzung beschlossen werden kann.

Ein Teilbereich an der Grenze zur bestehenden Bebauung soll demnach, die Höhe der Gebäude betreffend, überarbeitet werden. Die Anwohnergemeinschaft hatte verlangt, dass bei drei Häusern die Anzahl der Vollgeschosse von vier auf drei beziehungsweise zwei reduziert werde und konnte sich damit nun überraschend durchsetzen. Offensichtlich waren auch die Anwohner selbst davon überrascht, denn sie blieben der Sitzung fern. Im Planungsausschuss waren noch mehre Besucher zugegen. Dort hatte sich das jetzige Abstimmungsverhalten aber nicht abgezeichnet.

Unterstützt wurden die Nachbarn von der CSU-Fraktion. Diese hatte in einem Antrag gefordert, dass eines der drei kritisierten Häuser, nämlich die Stadtvilla nahe der Gerhart-Hauptmann-Straße, von vier auf zwei Vollgeschosse verkleinert werden soll. Die Planer vom Büro Vogelsang hatten daraufhin drei Geschosse plus ein nach hinten versetztes Staffelgeschoss daraus gemacht, was allerdings der CSU nicht weit genug ging.

Im Planungsausschuss scheiterte die Fraktion mit einer Stimme und stellte für den Stadtrat nun den Antrag erneut, allerdings etwas abgeschwächt. Jetzt wollte man eine Reduzierung von vier auf drei Stockwerke, ohne die Staffel. Mit diesem Kompromiss hoffte man auch auf die Zustimmung der Grünen.

124 Anwohner unterschrieben

Fraktionsvorsitzender Walter Drebinger verwies in seiner Begründung für den Antrag auf den schriftlichen Einwand von 124 Anwohnern, was der Fraktion wichtig sei. Aber auch im Stadtrat scheiterte der Antrag denkbar knapp. Den 15 Stimmen von CSU und Junger Union (10), den Freien Wählern (4) und dem AfD-Vertreter standen im vollzählig besetzten Gremium 16 Stimmen dagegen: SPD plus Bürgermeister (10), Grüne (5) und Partei.

Die Sache schien also gelaufen, als über die Einwände von Bürgern und Anregungen der Behörden abgestimmt wurde, mehr als acht Gegenstimmen fanden die Planungen nie. Bis zum Punkt "Öffentlichkeit Nr.4", also das Schreiben der Anwohnergemeinschaft. Plötzlich stimmten neben den 15 vorherigen auch drei Grüne gegen den Vorschlag der Verwaltung und damit mit dem Bürgerantrag. Das war die Mehrheit. Jetzt müssen also drei Häuser noch einmal in die Diskussion, und nicht nur das eine von der CSU gerügte Gebäude.

Grüne Gründe

Manch einem erschien dieses Abstimmungsverhalten seltsam, auch Walter Drebinger hätte damit gerechnet, dass die Grünen sich schon dem CSU-Antrag anschließen würden. Dann hätte man doch eine Verbesserung im Sinne der Bürger erreicht. Hätte die CSU mit ihrem Antrag die Mehrheit gefunden, dann hätte sie anschließend beim Bürgereinwand wohl nicht nochmal gegen die Planungen gestimmt, sagte Drebinger im FT-Gespräch.

Die Grünen hatten ihre Gründe für ihr Verhalten, und die waren spontan und taktischer Natur. Das erklärte Retta Müller-Schimmel auf Anfrage des FT. Denn zuvor waren sie mit einem anderen, deutlichen Wunsch nicht auf Entgegenkommen gestoßen. Durch die jetzige Abstimmung müsse der Bebauungsplan aber noch einmal auf den Tisch. Die Grünen (mit Retta Müller-Schimmel stimmten Peter Maier und Marc Deavin) erhoffen sich nun, dass sie sich mit dem Wunsch nach einer Fläche für den letzten "Herzogenauracher Biobauern" doch noch durchsetzen können. "Unsere Abstimmung war taktisch klug", meinte die streitbare Stadträtin mit einem Augenzwinkern.