Die Einöde hat Einzug gehalten im Waldhotel "Zum wilden Gockel": Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Busse vor dem Hotel standen, die Räumlichkeiten wären dringen zu renovieren. Doch was tun, wenn das Geld fehlt? Familie Gockel ist ratlos, bis sich ein ehemaliger Gast aus Köln wieder bei ihr meldet und seinen Urlaub in dem kleinen Gästehaus verbringen will - samt Frau und Sohn.

Reiche Gäste sind die Lösung

Da kommt Mutter Agathe Gockel auch schon die zündende Idee: Wenn die reichen Gäste aus Köln schon einmal da sind, könnte man die Tochter ja auch gleich mit dem Sohn verkuppeln. Die zeigt sich wenig begeistert, mit dem "geistig dünn besiedelten Hornochsen" möchte sie lieber nichts zu tun haben.

Das Stück "Ne Macke hat doch jeder!" hielt, was es versprach. Die Theatergruppe Lonnerstadt bot ihren Zuschauern bei der Premiere am Samstagabend ein kurzweiliges Programm, das durch Verwechslungen und lustige Hinterhalte glänzte.

Denn Gotthard von Knöttelmeier, gespielt von Wolfhart Weinkauf und Oberhaupt der reichen Familie aus Köln, hatte sich schon beim letzten Besuch vor zehn Jahren einen Sechzehnender herausgesucht, den er nun schießen wollte. Jedoch sind inzwischen eher Wildschweine die Plage und daher um Abschuss frei, wie Förster Leon Schockel feststellt: "Du weißt doch, was die Viecher anstellen. Schau doch mal auf Frimmersdorf!", erklärt er Wirt Ferdinand Gockel mit Anspielung auf die Wildschwein-Attacke auf den Sportplatz des FC in diesem Jahr. Und weil der Sechzehnender Rudi ein Aushängeschild ist, wurde er extra für die Jagd am Samstag in einen Käfig gesperrt, damit er nicht geschossen werden kann. Schlecht für den Wirt, denn eigentlich hatte er seinem Gast versprochen, dass er ihn schießen kann. Der wiederum versicherte ihm dann eine Teilhaberschaft am Hotel.

Verhängnisvolle Verkleidung

Die Situation ist verzwickt, doch immerhin behält Köchin Berta Sauerkraut, im wahren Leben Maritta Schockel, den Überblick und hat eine "geistreiche" Idee: Wirt Ferdinand Gockel und sein Freund Franz verkleiden sich einfach als Rudi, zumindest vor dem Jagd-Samstag. Denn dann darf man noch nicht schießen. "Dann müssd hald ihr den zweidn Rudi spieln", rät Berta den Männern.

Und so ganz nebenbei ist eigentlich sie diejenige, die im Stück die Fäden in der Hand hat. Mit ihren nicht immer ganz klugen Ideen bringt sie die Haudegen mächtig in Bedrängnis. Denn sie werden tatsächlich von Albatius von Knöttelemeier, dem Sohn des reichen Herren, abgeschossen - mehr oder weniger ausversehen. Das Ergebnis sieht man nachher in der Hose von Ferdinand Gockel, alias Markus Ruhmann: Löcher. "Dit muss aber een komische Tier jewesen sein. Erst hat et jeschrien und dann jeflucht", wunderte sich Albatius (gespielt von Thomas Schuster) noch.

Die Theatergruppe erzählt unter der Regie von Gudrun Thoma und Hans-Jürgen Raber eine Geschichte der Gegensätze. Zwischen marodem Hotel und reicher Familie, zwischen tiefstem Fränkisch und Kölsch, zwischen bodenständiger Tochter auf der einen und einem Muttersöhnchen auf der anderen Seite. Schnell wird auch klar, dass Sohn Albatius es noch nicht so sehr mit den Frauen hat - trotz seiner 30 Lenze. Doch nun möchte er angreifen. Extra deshalb hat er sich das Buch "Technik der Liebe" gekauft. "Aber was nutzt mir dat Buch, wenn mir dat Werkzeug fehlt?"

Dem Publikum hat es jedenfalls gefallen. Vor ausverkauftem Haus im Sonnensaal des Gasthauses Zur Sonne haben die Schauspieler das Zwerchfell der Zuschauer beansprucht. Vor allem, wenn dann auch noch eine delikate Affäre des Herrn von Knöttelmeier ans Licht kommt - in Person einer jungen Dame mit schrillen Outfits. "War dat eine einjebildete Zimtzicke", urteilt die Frau des Hobby-Jägers schnell, die von Katharina Kaiser dargestellt wird.

Am Ende fliegt natürlich alles auf und dem reichen Herrn von Knöttelmeier bleiben weder Frau, noch Affäre. Vielleicht sollte er sich einmal das Buch seines Sohnes borgen. Gelegenheit hat er dazu am kommenden Wochenende wieder, Restkarten gibt es noch für die Vorstellungen am Freitag, Samstag und Sonntag.