Die Tage der Landratsamt-Dienststelle am Schlossberg in Höchstadt sind gezählt. Das Landratsamt zieht aber nicht aus Höchstadt ab, im Gegenteil: Einstimmig beschloss der Kreistag in seiner Sitzung am Montag den Neubau eines Landratsamtgebäudes in Höchstadt. Die derzeit 142 hier beschäftigten Mitarbeiter des Landratsamts Erlangen-Höchstadt sollen endlich auch moderne Arbeitsplätze bekommen.

Landrat Alexander Tritthart erinnerte in der Kreistagssitzung - die übrigens einmal mehr coronabedingt in der Höchstadter Aischtalhalle stattfand - an den Beschluss aus dem Jahr 2008, auch nach einem Neubau in Erlangen die Dienststelle in Höchstadt zu erhalten. Jetzt müsse Höchstadt angegangen werden. "Wir müssen in Höchstadt neu bauen", sagte Tritthart und appellierte an die Kreisräte, diese "ganz, ganz wichtige Entscheidung" mitzutragen.

Architektin Sophie Bermüller machte ihnen die Entscheidung auch durch Vorstellung ihres Gutachtens leicht, in dem ihr Nürnberger Büro Bermüller und Niemeyer die Sanierung der bestehenden Räume einem Neubau gegenüberstellte. Das Ergebnis der Untersuchung: Eine Sanierung der aktuell genutzten Räumlichkeiten nach den heutigen Arbeitsstättenrichtlinien würde knapp über zehn Millionen Euro kosten. Dann hätte man aber nur 95 Arbeitsplätze untergebracht. 47 weitere müssten woanders geschaffen oder angemietet werden. Ein kompletter Neubau auf einem anderen Grundstück würde nach ersten Berechnungen auf ähnlichem Kostenniveau liegen.

Zur Landratsamt-Dienststelle in Höchstadt gehören die Abteilungen Bauamt, Gesundheitsamt, Sozialamt und Jobcenter, Kfz-Zulassung, Umweltamt, Veterinäramt und Abfallwirtschaft. Untergebracht sind die Abteilungen in einem Teil der historischen Höchstadter Schlossanlage und in einem Anbau aus den 1960er Jahren, bei dem vor zehn Jahren das Dach und die Fassade saniert wurden.

Architektin Bermüller berichtete von Schäden an den meterdicken Außenmauern des Schlosses, von der kleinteiligen, verschachtelten Raumstruktur, der sanierungsbedürftigen Haus- und Elektrotechnik, der zu kleinen Räume mit zu wenig Stauraum, unzureichenden Sozialräumen und vielen Mängeln mehr. Die Kosten pro Arbeitsplatz berechnet Bermüller bei einem Neubau mit 71 400 Euro, für die Sanierung veranschlagt sie 72 000 Euro.

Man müsse auch an die "Kunden" denken, sagte Landrat Tritthart und prognostizierte für die Zukunft eher mehr als weniger Beschäftigte bei der öffentlichen Hand. Deshalb sollten die Kreisräte eine zukunftsgerichtete Entscheidung treffen. Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) stünde aus Sicht des Denkmalschutzes und der Innenstadt-Belebung einer Sanierung zwar nahe, werde dem Landkreis aber ein Grundstück anbieten können. Brehm stimmte dem Neubau zu.

Auch für Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) und seine Kreistagsfraktion stehe ein Neubau in Höchstadt außer Frage. Sollte der Landrat in den Grundstücksverhandlungen mit Bürgermeister Brehm aber nicht klarkommen, halte Herzogenaurach ein Grundstück an der Stub-Trasse frei, meinte Hacker augenzwinkernd.

Grünen-Kreisrätin Lydia Göbel attestierte der Höchstadter Dienststelle 1960er-Jahre-Charme. Ihre Fraktion plädiere bei einem Neubau für eine ökologische Bauweise mit Holz und Lehm. Die Mehrkosten dafür veranschlagt Architektin Bermüller mit 15 bis 20 Prozent. Müsse aber nicht sein, meinte Walter Nussel (CSU), wenn man die Holzbauweise von Anfang an in die Planungen mit einbezieht. Die CSU wolle einen Neubau in Höchstadt auf jeden Fall forcieren.

Schockiert über die Bilder vom Zustand der Höchstadter Dienststelle zeigte sich Nico Kauper (JU). Für ihn als Verwaltungsbeamten gebe es nichts anderes als einen Neubau. An den will auch Christian Beßler (AfD) ran.