Gibt es so etwas wie ein Koch-Gen? Wenn ja, dann hat Philipp Weichlein es von seinem Vater geerbt. "Wir haben Philipp nie dazu gedrängt, Koch zu werden", erzählt sein Vater Erich Weichlein, Küchenmeister und Chef eines Landgasthofs in Weingartsgreuth (Landkreis Erlangen-Höchstadt). Philipp habe sich immer schon fürs Kochen interessiert. Bereits als Dreijähriger habe er beim ersten Kindergartenkochen mitgemacht. Dabei war er damals noch gar nicht im Kindergarten.
Gerne erzählt Erich Weichlein die Geschichte als der Achtjährige bei einem Buffet den Gästen "Brüstchen vom Perlhuhn-Geger" angeboten hat. "Ja, es ist mein Traumberuf", sagt der heute 17-jährige Philipp.
Mit der Glitzerwelt im Fernsehen habe der Beruf nur wenig zu tun, meint Philipp. In den Koch-Shows sei alles vorbereitet und portioniert. "Wir hingegen bekommen den Fisch im Ganzen; müssen ihn waschen, schuppen, filetieren, entgräten." Im Fernsehen würden immer nur die besten Stücke verwendet. In der Realität hingegen müsse alles verwertet werden.

Der Reiz ist da


Dennoch würde er auch bei einer Kochsendung nicht Nein sagen. Er will offen sein, alle Möglichkeiten nutzen, um sich weiterzubilden. Beispielsweise einen Schüleraustausch beim Chiefs' Day, zu dem die Höchstadter Berufschule zwölf Azubis nach Chur/Schweiz entsendet. Erst einmal macht der junge Mann aber eine Ausbildung im Siemens-Gästerestaurant L'Arome bei Küchenmeister Karl-Heinz Kerscher. Mit Kantinenessen habe das aber überhaupt nichts zu tun, erklärt der Azubi. Es sei sozusagen First Class mit topfrischer Küche.
In die Höchstadter Berufsschule geht Philipp Weichlein einmal die Woche. Parallel zu seiner Ausbildung paukt er an der Berufsschule Plus in Herzogenaurach für sein Fachabitur. Das sei nur möglich, weil er "einen superguten Ausbildungsbetrieb" und günstige Arbeitszeiten habe, sagt er. Das heißt - anders als in diesem Beruf üblich - hat Philipp schon am Nachmittag frei und muss auch an Wochenenden oder Feiertagen nicht in der Küche stehen.
Dafür hilft er gern in der Küche des elterlichen Betriebs mit. Der Spross aus dem Hause Weichlein hat sich bereits in seinem ersten Lehrjahr einen ersten Platz erkocht beim Wettbewerb um den traditionellen Fischer-Wanderpokal, der unter zehn Koch-Azubis aus Berufsschulen in Bamberg ausgetragen wird. Das prämierte Menü hat er zu Hause erarbeitet. Als "Pflicht" war Saibling in der Vorspeise und Lachsforelle im Hauptgang vorgegeben.
Die "Kür" hat der junge Koch selbst kreiert: "Dreierlei vom Saibling" mit Saiblings-Kaviar-Tatar, Sülze vom geräucherten Saibling und Saiblingsfilet mit Sesam, Mango-Meerrettich-Espuma sowie Blattsalate bildeten die Vorspeise. Als Hauptgang servierte der junge Mann Lachsforellenfilet im Brotmantel mit Champa gner-Senfsauce, gebratenem Spargel und Pilzravioli. "Die Ravioli wollte ich unbedingt machen", erzählt er.
"Ein aufwändiges und für das erste Ausbildungsjahr sehr anspruchsvolles Menü", urteilte die Jury, die ihm in allen Bereichen die beste Punktzahl gab. Dabei ist Kochen allein bei diesem Wettbewerb nicht alles. Es wird auch Theorie abgefragt. Dazu komme intensive Vorbereitung, die bei der Gedankensammlung anfängt und über die Einkaufslisten bis zu den benötigten Geräten reicht. Ein großes Problem beim Wettbewerb sei der Zeitdruck. Denn nicht nur Kreativität, Anrichten und Geschmack werden bewertet, sondern auch Arbeitstechnik, Materialverwertung und Sauberkeit am Arbeitsplatz.
Einig sind sich Vater und Sohn, dass Koch ein Beruf mit Zukunft ist. Wenn man ehrgeizig sei, könne man weit kommen. Philipp kann sich vorstellen, nach der Lehre sein Können im Ausland zu erweitern. Vorerst freut man sich bei Weichleins über die Glückwünsche der Stifterin des Fischer-Wanderpokals. "Sie können stolz auf auf ihn sein", schrieb Heidi Fischer.