Ruhig, fast schon andächtig steht die Gruppe von rund 40 Jugendlichen auf dem Gehsteig. Nur wenige Meter weiter ist am Abend zuvor ein Freund mit nur 18 Jahren bei einem tragischen Verkehrsunfall tödlich verunglückt.
Marco, 17 Jahre, kam etwas später zur Unfallstelle und erfuhr so die schreckliche Neuigkeit. Nikolas erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Bereits kurze Zeit später standen die ersten Kerzen am Straßenrand und Marco informierte ein paar Freunde, sich am nächsten Nachmittag zu treffen, um gemeinsam zu trauern. "Mich haben viele Leute nach einer Uhrzeit gefragt," erzählt der Schüler, "und ich hab einfach mal 16 Uhr vorgeschlagen. Das hat sich dann wohl schnell rumgesprochen und es waren teilweise sogar bestimmt 50 Leute anwesend."


Fahrzeuge rasen vorbei


Der Zaun des angrenzenden Grundstücks wurde genutzt, um die Blumen und schriftliche Abschiedsgrüße daran zu hängen. Die Mauer und der Gehsteig glichen einem Lichtermeer, dem selbst das Tageslicht nichts von seinem Glanz nahm. Ein paar junge Leute erinnerten sich in gemeinsamen Gesprächen an ihren Freund, andere starrten schweigend auf die Unfallstelle. Trotz der Menschengruppe auf dem Gehsteig rasten viele Autos unachtsam und nah vorbei, manche bogen mit quietschenden Reifen ab, so stand manch einem Trauernden der Schrecken ins Gesicht geschrieben.

Natürlich schwebt über all dem die große Frage nach dem "Warum?", doch allen ist klar, dass es hierauf keine zufrieden stellende Antwort geben kann. Auch wird mit der Schuldfrage sehr respektvoll umgegangen und weder vor Ort noch im Internet finden sich Vorwürfe.

Die Jugendlichen gaben sich gegenseitig Halt und Zuversicht diese schwere Zeit gemeinsam zu überstehen. Die 16-jährige Rebecca ist froh, zum Zeitpunkt des Unfalls nicht zuhause gewesen zu sein: "Ich war bei Freunden in einem anderen Dorf. Wir wohnen sehr nah an der Unfallstelle und ich hätte das bestimmt mitbekommen."
Ein großes Thema war der selbstlose Einsatz der Ersthelfer vor Ort. Zwei bis drei junge Menschen, Freunde vom Verunglückten, versuchten Nikolas mit Herzmassage und Mund-zu-Mund Beatmung bis zum Eintreffen der Sanitäter am Leben zu erhalten. Dieser selbstlose Einsatz, der Zusammenhalt in der Trauer vor Ort und der Austausch über soziale Netzwerke, wie Facebook, zeigt die sensible Seite unserer Jugend und wie groß der persönliche Zusammenhalt wirklich ist. Mittlerweile hat ein junger Mann darum gebeten, ihm Fotos von Nikolas zu mailen, damit er für alle eine Video-Collage zusammenstellen kann.


Erinnerung an Nikolas


Als das Pärchen Thomas und Sasha-Sophie, 17 und 14 Jahre alt, die improvisierte Gedenkstätte verließ, wurden sie von einem älteren Herren angesprochen.

Die Versammlung weckte sein Interesse und nachdem sie ihm den traurigen Anlass erklärt hatten, zeigte er sich einerseits sichtlich betroffen und andererseits sehr gerührt von so viel Engagement.
Sehr betroffen sind auch Schüler der Realschule Herzogenaurach. Vor allem in den 10. Klassen hatte Nikolas viele Freunde, die zeitweise von der Schulpsychologin und Lehrkräften betreut wurden. Auch am zweiten Tag nach dem unfassbaren Unglück versammelten sich wieder Freunde und Bekannte am Straßenrand und es scheint, als würden noch sehr lange Kerzen auf dem Gehsteig an Nikolas erinnern.