Darin waren sich wohl alle Stadträte in der Sitzung am Donnerstagabend einig: Die Mitarbeiter der Touristeninfo leisten sehr gute Arbeit, die Stelle wird von Bürgern und Besuchern der Stadt gut angenommen und könnte zu bestimmten Zeiten durchaus länger geöffnet sein. Ob das aber auch mit einer finanziellen Aufstockung einhergehen sollte, das sahen die Antragsteller der CSU-Fraktion und Bürgermeister German Hacker (SPD) unterschiedlich. Im Kulturausschuss soll darüber nun weiter beraten werden.

Die CSU hatte gemeinsam mit der JU beantragt, die Touristeninfo länger zu öffnen. Geprüft werden sollte der Donnerstagabend und vor allem der Samstag. Vier bis fünf Wochenstunden könnten dazu schon ausreichen, meinte in der Sitzung Stadtrat Thomas Kotzer. Das könnte man durch Verschieben von vorhandenen Arbeitszeiten schaffen, eine neue Teilzeitstelle wäre für die CSU nicht das richtige Zeichen. "Das sollte doch mit dem vorhandenen Personal zu schaffen sein", meinen die Antragsteller.

Bürgermeister Hacker sieht das anders. Er geht von einer 450-Euro-Kraft aus, die auf jeden Fall erforderlich wäre. Es sei denn, man würde Abstriche an anderer Stelle im Stadtmarketing machen. Dessen Mitarbeiter hätten gerade in Coronazeiten sehr viel Flexibilität gezeigt und es habe sich in den letzten Monaten einmal mehr gezeigt, "wie wichtig unser Stadtmarketing ist", sagte Hacker. Hier könne man keine Abstriche machen.

Auch sprach der Bürgermeister die Bedeutung der Touristeninfo an. Die sei ja gewissermaßen das Aushängeschild der Stadt. "Da darf man auch nicht jeden hinstellen", sagte Hacker. Da brauche es eine entsprechende Qualifikation. Hacker hält eine entsprechende Stellenmehrung für erforderlich. Denn dass die Zeiten ausgeweitet werden sollten, sei unstrittig. Das habe die Stadt bei Festivitäten ohnehin schon gemacht, was sich bewährt habe.

Hacker führt aber auch aus, dass man dies erst zu einem späteren Zeitpunkt gemacht hätte. Zum einen wäre das in Coronazeiten, also wohl noch im nächsten Halbjahr, keinesfalls erforderlich. Zum anderen wäre der Umzug ins neue Rathaus respektive die Rückkehr ins Schloss ein guter Zeitpunkt, meinte der Bürgermeister. Des Weiteren merkte er an, dass das Stadtmarketing die Zahlen des Jahres für die Tourist-Info gerade zusammenstelle. Man sollte dem Antrag zustimmen, aber im Kulturausschuss über dessen Haushaltsrelevanz beraten. Und zwar noch vor der Haushaltssitzung, die ja in diesem Jahr erst im März ist.

Ausflugsverhalten ändert sich

"Wenn die Verwaltung noch Zeit braucht, dann ist das überhaupt kein Ding", entgegnete daraufhin Konrad Körner (JU). Allerdings vertrete auch er die Meinung, dass es ohne zusätzliches Personal gehen könne. Es würde ja kein zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen. Eventuell könne man die nötigen Zeiten ja gewinnen, indem man die Stelle in weniger frequentierten Stunden schließe, vormittags zum Beispiel. Jedenfalls sollte man nicht reflexartig gleich neues Personal fordern, meinte er. Worauf er sich Hackers Unmut zuzog. "Eine Meinung kann man erst haben, wenn man eine Grundlage hat", antwortete er auf Körners Aussage. Sonst sei das nur eine Willensbekundung, man könne eine Forderung stellen, belehrte er.

SPD-Fraktionsvorsitzender Holger Auernheimer hielt eine "anständige Touristeninfo" für sinnvoll, man solle aber alles in Ruhe prüfen - im Ausschuss, nach Corona. Auch die grüne Stadträtin Retta Müller-Schimmel regte eine Beratung im Ausschuss an. Der Antrag sei wichtig, aber sie konnte auch Hackers Aussagen nachvollziehen. Man sollte auch berücksichtigen, dass sich das Ausflugsverhalten der Menschen geändert habe. "Viele kommen mit dem Rad". Deshalb müsse die Stelle besonders an den Wochenenden geöffnet sein.

Das war ja auch ein Kernpunkt des Antrags. Gerade Wochenendbesucher wünschen häufig Informationen, heißt es darin. Ebenso sollte man Arbeitnehmern, die nur samstags Zeit haben, die Möglichkeit geben zum Kartenkauf für die diversen Veranstaltungen, denn nicht jeder sei online und manchmal sei auch ein persönliches Gespräch notwendig.

Franz-Josef Lang, CSU-Stadtrat und Vermieter der aktuellen Räume der Tourist-Info in der Hauptstraße, hatte eingangs festgestellt, dass man mit dem Antrag den Wunsch der Bürger weitergeben wolle. "Wir wollen nicht vorschreiben, wie die Arbeitszeiten eingeteilt werden sollen", sagte er. Er wäre schon zufrieden, wenn wenigstens wenige Stunden am Samstag herauskommen würden. "Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert."