40 Jahre lang kümmerte sich Tierarzt Dr. Edmund Hauck in Höchstadt und Umgebung um Kühe, Schweine und andere Großtiere. Ein "Knochenjob", erzählt er zusammen mit seiner Frau Erika.

Stimmt es, dass Sie fast auf den Tag genau seit 40 Jahren hier als Tierarzt tätig sind?
Dr. Edmund Hauck: Ja, die Praxis in Höchstadt habe ich am 1. April 1975 übernommen. Ich komme vom Bodensee, und den Unterschied zu Norddeutschland, wo ich drei Jahre Assistenzarzt war, hab' ich in Franken gleich gespürt: Dort gab es viel mehr große Betriebe. Außerdem ist das "gelbe Frankenvieh" viel fleischiger.
Erika Hauck: Am ersten Tag hast du gleich einen Kaiserschnitt durchgeführt. Ich weiß noch, dass du mit dem Skalpell zuerst fast nicht durch die dicke Haut gekommen bist. Nicht nur die Arbeit, sondern auch der Dialekt war am Anfang eine Herausforderung. Beim ersten Besuch haben wir jemand nach dem Weg zur Praxis unseres Vorgängers Dr. Giehl gefragt und derjenige hat uns nicht verstanden.

Würden Sie sich nochmal dazu entscheiden, als Großtierarzt zu arbeiten?
Edmund Hauck: Das ist eine schwierige Frage. Ich denke schon. Mein Vater war auch Tierarzt. Es ist also nicht so, als ob ich da unwissend reingegangen bin.
Erika Hauck: Du bist da schließlich reingewachsen, dein Vater hat dich ja immer auf seinen Fahrten mitgenommen. Es wurde erwartet, dass du die Praxis übernimmst. Ich meine trotzdem, du bist Tierarzt durch und durch. Auch wenn ich dich oft bedauert habe, wenn du mitten in der Nacht aus dem warmen Bett raus musstest.

Sie betreiben jetzt eine Kleintierpraxis. Fehlt Ihnen die Arbeit mit den Großtieren?
Edmund Hauck: Ja, aber die Arbeit war körperlich sehr anstrengend, ein richtiger Knochenjob. Das mit den Kleintieren ist natürlich weniger Kraft-, dafür umso mehr Feinarbeit.
Erika Hauck: Mein Mann hatte kaum Zeit für ein Hobby, sondern war immer in Bereitschaft, das Telefon hat ständig geklingelt. Das spiegelt sich in der Freizeit wider, nach zehn Jahren hatten wir zum ersten Mal Urlaub genommen.

Sind Ihnen bestimmte Behandlungen in Erinnerung geblieben?
Edmund Hauck: Ach, da gibt es vieles. Ich kann mich zum Beispiel an einen Kaiserschnitt erinnern, wo plötzlich Tauben in den Stall geflogen sind und es Dreck geregnet hat: auch auf den offenen Bauch der Kuh, an der wir gerade operiert haben.
Erika Hauck: Oder Kühe, die bei der Geburt ausgerissen sind, weil sie nicht ordentlich festgehalten wurden, und dann mit offenem Bauch durch den Stall gelaufen sind. Das waren schon wilde Jahre.

Was hat sich an Ihrer Arbeit in den letzten vierzig Jahren verändert?
Edmund Hauck: Früher war eigentlich jede Behandlung ein Notfall, man spricht deswegen von der "Feuerwehrpraxis". Heute wird mehr vorbeugend gearbeitet, also vor allem Beratungen und Schutzimpfungen. Die Ställe sind moderner geworden, aber auch Tierarzt-unfreundlicher: Früher gab es noch einen schönen warmen Stall, und dann kam noch der Großvater, um auch die letzte offene Stelle zu schließen. Ab den 80er-Jahren hat man absehen können, wie es in der Agrarwirtschaft später ausschaut. Schauen Sie zum Beispiel nach Höchstadt, Lonnerstadt oder Fetzelhofen. Da gibt es keinen einzigen Bauernhof mehr.
Erika Hauck: Früher sind wir im Bereitschaftsdienst im Lokal mit einem Handy gesessen, damals noch ein großer Kasten. Und wir waren gewissermaßen Computer-Pioniere. Den haben wir in den 80er-Jahren eingesetzt, um die Rechnungen zu bearbeiten, was damals noch keine andere Praxis gemacht hat.

Wie schaut es mit dem Anteil von Frauen in Ihrem Beruf aus?
Edmund Hauck: Das hat sich verändert. Im ersten Semester saß ich in einer Vorlesung mit vierzig Männern und drei Frauen. Heute sind 80 Prozent der Tiermedizin-Studenten Frauen, das wäre also umgekehrt.
Erika Hauck: Ich denke, der Job wäre ohne unterstützenden Ehepartner nicht machbar. Ich selbst habe meinem Mann nicht nur die Verwaltungs- und Organisationsarbeit abgenommen. Von Anfang an habe ich im Stall bei Operationen assistiert, da ich durch meine vorherige Arbeit selbst auch medizinische Vorkenntnisse hatte. Manchmal haben mein Mann und ich uns auf Flurbereinigungswegen ein Rennen geliefert, wenn wir mit zwei verschiedenen Autos zum Dienst gefahren sind, um zu sehen, wer schneller ist.

Das Gespräch führte Alicia Göpner