Er ist eloquent, witzig und mitunter etwas ironisch. Das Bad in der Menge scheut er nicht. Seine Rede schmückt er mit Anekdoten und Geschichtchen aus seiner aktiven politischen Zeit. Vor allem aber liest er uns die Leviten. Uns Deutschen, die wir ständig an Europa und dem Euro etwas herumzumäkeln haben.

"Theodor" habe ihn Franz Josef Strauß als einziger genannt, erzählt er. Dass das übersetzt "Geschenk Gottes" heiße, hätten seine Politiker-Kollegen nur nicht gewusst. Neunzig Minuten lang sprach er frei von der Leber weg, ohne dass es einem Besucher in der voll besetzten Halle langweilig geworden wäre.

"Möchte jemand heute tauschen mit einer Welt, in der ich aufgewachsen bin", fragte der 1939 geborene "Bauernbub aus Schwaben" in die Runde.

Es ärgert ihn, dass an den Stammtischen immer davon die Rede ist, dass wir Deutschen nur die Zahlmeister sein sollen. Dabei sei Deutschland das ökonomisch stärkste und politisch stabilste Land in der EU, von dem alle anderen automatisch die Führungrolle erwarten. Aus dem Gegeneinander von Jahrhunderten, von Kriegen und Auseinandersetzungen sei ein Miteinander geworden. Verbal verneigt er sich von den Gallionsfiguren dieser europäischen Politik.

Einer der Schwerpunkte war natürlich Griechenland, das sich wie ein blinder Passagier in das europäische Boot geschmuggelt habe, "weil man in Brüssel nicht aufgepasst hat". Die Forderung "über Bord werfen", die er an schwäbischen Stammtischen immer wieder höre, ist Waigel dann doch etwas zu krass. Aber mit "Wasser, Brot und Käse" müsse man die Griechen schon versorgen.

Was Europa jetzt brauche, sei die Wiederherstellung des Vertrauens. Ein Europa, das auseinanderbreche, wäre eine Katastrophe, gerade für Deutschland. Es müsse jetzt ein Jahrzehnt der Konsolidierung kommen. An der Erhöhung der Lebensarbeitszeit führe - wegen der hohen Staatsschuld die Deutschland belaste - kein Weg vorbei.

"Wir leben heute zehn Jahre länger als unsere Eltern. Dafür müssen wir zwei Jahre länger arbeiten", lautet Waigels einfache Rechnung.

Dass wir auch in der besten aller Zeiten leben, rief er seinen Zuhörern mehrfach zu. Länder, die eine gemeinsame Währung haben, würden nie wieder Krieg gegeneinander führen. Sich nicht verunsichern zu lassen und optimistisch in die Zukunft zu blicken, ist seine Devise. Wenn danach in der Diskussion mit den Zuhörern einer aufsteht und der guten alten D-Mark nachweint, kann Waigel durchaus etwas ärgerlich werden.