Am Samstagabend gab es in Herzogenaurach ein kulturelles Angebot, das keine Wünsche offen ließ. Vor akllem nicht bei den Fans südamerikanischer Kultur. Während im Vereinshaus "Tango-Theater geboten wurde, wie es inBuenos Aires und Montevideo aufgeführt wird, gab es im Jugendhaus brasilianische "Lebensfreude" pur.

Die Besucher die zu später Stunde ins "Rabatz" wechselten, mussten von der eher ruhigen Veranstaltung im Vereinshaus umschalten auf fetzige Rhythmen. Der Spagat gelang, sie ließen sich ebenso anstecken, wie die zu Beginn des Abends gekommenen Gäste. Allerdings gab es keine Sitzplätze mehr, die waren schon kurz nach Beginn alle besetzt. Aber, bei Alberto Parmigiani und seinem Piranha Social Club, hält es eh die wenigsten auf ihrem Stuhl, da wippen und zucken die Beine ohne das Zutun seines Besitzers.

Die Brasilianische Nacht im Rabatz werden die Besucher jedenfalls nicht so schnell vergessen.
Auf die begeisterten Gäste ging ein wahres Feuerwerk an mitreißenden Rhythmen und Südamerikanischer Lebenslust herab.
"Herzo` Brasil Night” überschrieb der Piranha Social Club die heiße Nacht zu den Kulturtagen, bei der es nur noch Stehplätze gab, im Jugendhaus. Beim Auftritt der Percussiontruppe kann niemand still sitzen oder stehen bleiben. Samba, Capoeira und Bossa Nova luden ein zum Klatschen und Wippen.

Bei den heißen Rhythmen und den noch heißeren Tänzen hielt es auch den zehnjährigen Moritz nicht mehr auf seinem Platz. Ohne Scheu reihte sich der tanzbegeisterte Bub bei den kaffeebraunen Schönheiten ein und sorgte für begeisterten Applaus.

Alberto Parmigiani hatte sich auch ein tolles Programm einfallen lassen, beginnend mit eher sanften Klängen und einer Sängerin. Dann ging es Schlag auf Schlag, mit Zumba-Tänzerinnen, einer Capoeira-Show und einem Auftritt der "Os Gringos", dahinter verbergen sich Musiker der Stadtjugendkapelle.

Bemerkenswert, im Jugendhaus tummelten sich drei begeisterte Generationen und ließen sich von der südamerikanischen Lebensfreude anstecken und mitreißen. Bei dieser Begeisterung dürfte es bestimmt nicht die letze brasilianische Party gewesen sein.

Kaffeehaus-Atmosphäre

Am gleichen Abend verwandelte sich das Vereinshaus für einen Abend in ein Café, das nur von Kerzenleuchtern erhellt wurde. Das alte Cafetín befindet sich eigentlich im Stadtteil Barraca, der im Süden von Buenos Aires liegt. Es herrschte tatsächlich Kaffeehaus-Atmosphäre und Helmut Biehler vom Kulturamt der Stadt war sichtlich zufrieden. Es mussten sogar noch Tische aufgestellt werden, damit alle Besucher, im Tango-Theater mit Tanz und Musik, "Cafetín del Sur", einen Platz fanden.

Kellner Marco Esquivel hatte nichbt wirklich alle Hände voll zu tun, um die Gäste im Cafetín zu bedienen. Denn er war ja nur für die zwei Tische auf der Bühne zuständig. Marco hatte aber noch eine andere Aufgabe: Den vielen deutschen Besuchern im Saal, pardon Cafe, las er Tangotexte in deutscher Sprache vor.

"El Señorito" (ein Puppenspieler) verließ mit seinem Vater Argentinien und nach vielen Jahren fand er im Haus seines Vaters ein Heft. In diesem Heft hatte sein Großvater, der früher in Berlin lebte, seine Übersetzungen ins Deutsche notiert. Marco begab sich also auf die Spuren seines Großvaters und auf seine eigenen. Dazu passend zeigte das Tanzpaar Ester Diuarte und Chiche Núñez Tango in höchster Vollendung, mancher Besucherin war es regelrecht anzusehen, dass sie auch gerne mitgetanzt hätte.

Bei der Reise ins Cafetín wurden zentrale Themen des Tangos, enttäuschte Hoffnungen, die Träume von einem besseren Leben, der Verlust der Heimat, des geliebten Mannes oder der geliebten Frau und die Wut über Ungerechtigkeit aufgegriffen. "El Señorito"heißt eigentlich Juan Enrique Castellmonte. Er gehört als Stammgast zum "Inventar" des Cafetin. Bis zur seiner Pensionierung war er Busfahrer der Linie 97 zwischen La Boca und Barrio San Alberto. Nachdem seine Frau mit einem Eisverkäufer durchgebrannt ist, wirkt er manchmal etwas eigenartig.

Cafetín del Sur wird unterstützt von der Botschaft der Republik Argentinien in Deutschland und der Senatskanzlei des Landes Berlin im Rahmen der Städtepartnerschaft Buenos Aires - Berlin. Idee und der Text stammen von Hans-Henner Becker, das Stück zählt seit 2010 zum Kulturprogramm der ufaFabrik Berlin.

Auch Bürgermeister German Hacker war vom Stück ebenso angetan wie vom guten Besuch. "Kaum zu glauben, wo heute in Herzogenaurach jede Menge los ist", freute sich das Stadtoberhaupt über den voll besetzten Saal.