Ein "ganzer Blumenstrauß an Gutachten", so formulierte es Silke Stadter vom städtischen Bauamt am Rande der Sitzung des Planungsausschusses, steht der Stadt ins Sachen Südumfahrung von Niederndorf noch ins Haus. Da ist das Verkehrsgutachten, das am Dienstagabend erstmals öffentlich diskutiert wurde, nur der Anfang.

Erforderlich ist das 300 Seiten umfassende Werk, damit die Stadt die Planfeststellung für den Bau der gut fünf Kilometer langen Trasse beantragen kann. Diese soll vor allem die Ortsdurchfahrten Niederndorf und Neuses entlasten. Ingenieur Matthias Kölle vom beauftragten Büro SSP Consult trug die Ergebnisse der Untersuchung vor, die dann auch ausgiebig diskutiert wurden.

Betrachtet wurden zwei Varianten für eine Südumfahrung: die sogenannte ortsferne Umfahrung (Planfall 7), wie sie von der Stadt favorisiert wird und auf die sich der Stadtrat auch schon festgelegt hat, und die Aurachtalvariante (Planfall 8), die in etwa parallel zur ehemaligen Schienenstrecke nahe der Bebauung verläuft. Eines vorweg: Beide Alternativen schaffen die erforderliche Entlastung. Doch problemlos machbar wäre nur der weite Bogen um die Dörfer, sagte Kölle.

Dass man die Südumgehung braucht, darüber "brauchen wir nicht zu reden", sagte Bernhard Schwab (CSU) in der Diskussion. Selbst wenn die Stadtumlandbahn realisiert wird, sei eine deutliche Zunahme des Autoverkehrs bis 2035 Fakt. Auch Matthias Kölle führte an, dass der Nahverkehr die schon durch die vielen Einpendler wachsenden Verkehrsmengen "nicht nur annähernd" schaffe. Außerdem entlaste die geplante Straße auch andere Bereiche rings um Herzogenaurach. Und Bürgermeister German Hacker (SPD) verdeutlichte: "Der Handlungsbedarf ist eklatant."


Entlastung für Niederndorf

Ingenieur Kölle belegte das mit Zahlen. 14 600 Fahrzeuge fahren täglichen durch Niederndorf, bis 2035 würden es 17 400 sein. Baut man die Südumfahrung (Planfall 7), dann wird die Ortsdurchfahrt aber nur noch mit 2800 Autos am Tag belastet. Mehr als 14 000 Autofahrer nehmen dann also einen anderen Weg.

Planfall 8 würde die Entlastung sogar noch deutlicher schaffen: Hier verblieben nur noch 1400 (also fast 16 000 weniger). Aber diese Alternative hat den Nachteil, dass die Strecke nah an der Wohnbebauung vorbei führt. Für Bürgermeister Hacker keine sinnvolle Alternative: "Ob die Hauptendorfer das dann auch als Entlastung betrachten?"

Und noch ein Problem hätte die Aurachtalvariante. Weil sie wesentlich enger geführt wird, würde im östlichen Bereich mit mehreren Knotenpunkten, also Kreuzungen, ein großes Brückenbauwerk erforderlich. Das wird im Gutachten vorsichtig als "entwurfstechnisch anspruchsvoll" bezeichnet. In der Sitzung wurde Kölle deutlicher: "Wir halten das für nicht umsetzbar", sagte er. Denn es wären "erhebliche Schwierigkeiten" zu erwarten. Deshalb wird auch in der Studie verzeichnet: "Es wird empfohlen, Planfall 7 weiter zu verfolgen."

Der Planer führte aus, wie die gesamte Strecke der ortsfernen Umfahrung (5,1 Kilometer) zu bewerten sei, wie leistungsfähig die großteils mit Ampeln versehenen Knotenpunkte sprich Kreuzungen sind und wo die kritischen Punkte liegen. Die Strecke könne zweistreifig ausgeführt werden, also mit einer Spur in jede Richtung, auch wenn ein Teilstück keine ideale Qualitätsstufe mehr erreiche. Die Kreuzungen sollen stattdessen eine zusätzliche Spur erhalten, um lange Rückstaus zu vermeiden.

Stark belastet werde der Knotenpunkt Neuses. Die Strecke von und zu der Autobahn müsse in beiden Richtungen jeweils dreispurig sein. Dort seien schon ohne Südumfahrung deutliche Zuwächse zu erwarten. Und auch auf der Nordumgehung wächst der Verkehr weiter. Bis 2035 sei am westlichen Bereich, also bis zum Adidas Outlet respektive Olympiaring als künftige Zufahrt zur Herzo Base, täglich 6600 Fahrzeuge mehr zu erwarten, also eine Zunahme auf insgesamt 42 200 Autos. Und auch am östlichen Ende werden weiterhin mehr als 18 000 Kfz erwartet.


Was ist mit der Nordumgehung?

Das veranlasste Kurt Zollhöfer (CSU) zu einer Nachfrage, ob auch dort bald Handlungsbedarf bestünde. Bekanntlich hatte die CSU ja bereits wiederholt einen vierspurigen Ausbau ab der Kreuzung Bamberger Straße gefordert. Mit Klaus Schwab vom Staatlichen Bauamt (verantwortlich für den Straßenbau) saß auch der richtige Ansprechpartner in der Sitzung. Man beobachte das, sagte er. Wenn etwas erforderlich werde, dann werde man auch tätig. Allerdings ließ er offen, in welcher Form das geschehen könnte. Offensichtlich weiß die Behörde, dass auch der dortige Bereich bereits an der Belastungsgrenze ist.

Zurück zur Südumfahrung. Die Grünen erneuerten in der Sitzung ihre Ablehnung des Straßenprojekts. Warum brauche man überhaupt eine Straße, wollte Retta Müller-Schimmel wissen. Man sei in einer Zeit, in der "alles nach intelligenten Lösungen schreit." Peter Maier wollte durch die ortsferne Umfahrung eine Entlastung zwar für die Niederndorfer Ortsdurchfahrt anerkennen. Aber andere Straßen in dem Ortsteil, von der Nordumgehung her kommend, würden deutlich mehr belastet, meinte er.

Die grüne Forderung "Schiene statt Straße" bezeichnete CSU-Stadtrat Zollhöfer als realitätsfremd. Um die Umgehung komme man auch trotz einer Stadtumlandbahn nicht umhin. Das bekräftigte auch Bürgermeister Hacker: "Wir haben eine besondere Situation in Herzogenaurach. Wir brauchen die verschiedensten Varianten."
Curd Blank (SPD) warf noch einen kritischen Blick in die Zukunft. Er zweifelte, ob die ermittelten Qualitätsstufen denn auch wirklich ausreichen würden. Bis 2035 habe man ein automatisiertes Fahren. Dann würde der Computer die Abstände regeln. Und sein Fraktionskollege Bernhard Wilfer befürchtete Nachteile für Burgstall, weil viele Autofahrer den kürzesten Weg nehmen.

Am kommenden Mittwoch erfolgt Teil zwei der öffentlichen Beratung, dann vor dem gesamten Stadtrat. Am 7. April ist um 18.30 Uhr eine Information der Öffentlichkeit vorgesehen. Über das Gutachten hat der FT am 18. März ausführlich berichtet: "Eine Straße gegen den Kollaps".