Michael Zimmermann hat in diesen Wochen viel zu tun. Er kümmert sich seit Jahrzehnten in Erlangen und dem Landkreis drum herum um Störche, und zu denen, die sowieso in unseren Gefilden überwintern, gesellen sich momentan diejenigen, die aus dem Süden zurückkehren. Es ist ein unbestreitbarer Verdienst von Zimmermann, aber auch von weiteren Naturliebhabern, dass sich in den letzten Jahren die Störche im Regnitz-, Aurach-, Seebach- und Aischgrund wieder vermehrt ansiedeln und offensichtlich auch wohl fühlen.

Dabei versucht der Erlanger "Storchenvater" Michael Zimmermann im Grunde nur ein Stück Wiedergutmachung. Schließlich hat die "Spezies Mensch" die Lebensräume zahlreicher Tierarten zerstört und die von Großvögeln, darunter Weißstorch, Greifvögel und Eulen, massiv eingeschränkt. Im Jahr 1994 wurde der vom Aussterben bedrohte Weißstorch zum "Vogel des Jahres" gewählt. Im Lauf der Jahre verschwanden Auwälder, die Landschaft wurde intensiv bewirtschaftet, Pestizide und Düngemittel taten ihr Übriges, um die Bestände vieler Wildtiere schrumpfen zu lassen.

Windräder bringen Gefahr

Auch kommt es immer wieder zum Tod von Großvögeln durch Stromleitungen, obwohl die Netzbetreiber sehr kooperativ sind, wie Zimmermann lobt. "Sie isolieren die Leitungen in der Nähe der Horste und sind auch in Sachen Umbauten bei Strommasten aktiv", bescheinigt Zimmermann den Stromversorgern ein positives Verhalten. Neue Gefahren sehen Natur- und Umweltschützer aber jetzt durch den verstärkten Bau von Windkraftanlagen.

Stolz zeigt Michael Zimmermann im kleinen Museum der Erlanger Steinbach-Bräu die "Storchenecke". Schließlich ist der Storch auf dem Kamin der Brauerei auch Namensgeber des Storchenbieres. Der Horst unweit Zimmermanns Wohnung wird natürlich auch von ihm betreut. Zahlreiche Storchenhorste rund um Erlangen wurden entweder von Zimmermann selbst oder auf seine Initiative hin gebaut, und unzählige Jungstörche wuchsen darin auf.

Rettung aus dem Nest

Dabei blieb es nicht aus, dass manches Jahr auch Jungtiere aus den Horsten genommen und in den Nürnberger Tiergarten gebracht oder nach einer Erholungsphase wieder in den Horst gesetzt wurden. Meistens drohte dem Nachwuchs der Tod durch Ertrinken oder durch Erfrieren. Die Störche haben nämlich die Angewohnheit, neben Zweigen, Holzstücken und Gras auch unseren Wohlstandsmüll wie Plastiktüten und dergleichen im Horst zu verbauen. Bei starkem oder andauerndem Regen kann dann das Wasser nicht mehr abfließen und die Brut stirbt an Unterkühlung.

Die ehrenamtliche Arbeit von Michael Zimmermann, des Höchstadter Storchenvaters Edmund Lenz und des Oberlindacher Storchenbetreuers Lothar Ort veranlasste vor einiger Zeit sogar den bekannten Dokumentarfilmer Gerhard Amm dazu, einen Film über die Fränkischen Störche zu drehen. Bei den Bayerischen Film- und Video-Festspielen in Bad Wiessee wurde Amm für den Film "Ein Herz für Störche" mit dem "Bayerischen Löwen" ausgezeichnet. Bei zahlreichen Aufführungen stieß der Film auf viel Interesse und wurde auch vom Fachpublikum mit Anerkennung und viel Lob bedacht.

Anerkennung und Ärger

Viel Lob und Anerkennung bekam auch Zimmermann im Lauf seines Lebens für sein Engagement. So wurde ihm die Umweltmedaille der Bayerischen Staatsregierung ebenso verliehen wie der Ehrenbrief der Stadt Erlangen. "Ich habe nahezu mein ganzes Leben in meiner Freizeit ehrenamtlich für die Erhaltung der Natur gearbeitet", erzählt Zimmermann zurückblickend.

Dabei darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass Michael Zimmermann nicht gerade ein einfacher Zeitgenosse ist und auch schon mal als Querkopf bezeichnet wird. So stieß die Fütterung der Winterstörche, die im Herbst aus verschiedenen Gründen, etwa wegen einer Verletzung, nicht in den Süden ziehen, zu manchem Streit und Anzeigen. Mit seiner vielleicht auch manchmal übertriebenen Fütterung zog er nicht nur den Zorn der Angler und Jäger auf sich, sondern bekam er auch Schwierigkeiten mit der Stadt Erlangen. "Mir ist bewusst, dass ich beim Oberbürgermeister und der Stadtverwaltung in Ungnade gefallen bin", bedauert Zimmermann.

Derzeit erzürnt den Storchenbetreuer besonders, dass ihm die Stadt für die Beringung der Jungstörche am 24. Mai sowie am 3. und 14. Juni 2012, bei der die Drehleiter der Feuerwehr zum Einsatz kam, insgesamt 821,50 Euro in Rechnung stellt. Schließlich habe ihn sein Einsatz für die Störche bereits ein kleines Vermögen gekostet.

Unbesehen davon droht die Stadtkasse mit der letzten Zahlungsaufforderung mit der Pfändung von Konten und Renten sowie zwangsweiser Öffnung der Wohnung und Durchsuchung. Grundlage der Forderung ist die Prüfung durch das Rechnungsprüfungsamt mit dem Ergebnis, dass Pflege und Reinigung der Storchennester eine freiwillige Leistung darstellen und zukünftig nicht mehr kostenfrei seien. Unberührt hiervon bleiben aber Einsätze im Zusammenhang mit der Tierrettung nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz.

In seiner Verzweiflung wandte sich Michael Zimmermann an den Bundespräsidenten Joachim Gauck und bat diesen um Unterstützung. Eine Antwort steht noch aus.