Allerdings sind nur selten diese Hintergründe bekannt. Daher haben Flurdenkmale einen schweren Stand und verschwinden oft aus der Landschaft, ohne dass es groß bemerkt wird. Kreisheimatpfleger Manfred Welker referierte über diese Thematik bei der Kolpingsfamilie Herzogenaurach.

Bildstöcke als Zeichen privater Frömmigkeit gibt es in der ganzen Region. Martersäulen, die spätere Form, sind allerdings nur in katholischen Gebieten zu finden. Die Bildstöcke, Blockpfeiler und Martersäulen sind alle aus regionaltypischem Sandstein hergestellt. Sie wurden gewöhnlich aus Dank für einen gut verlaufenen Unglücksfall als Gedächtnissteine errichtet und zwar meistens an Ort und Stelle oder zumindest in unmittelbarer Nähe.
Eine andere Möglichkeit bestand darin, dass sie zur Kennzeichnung signifikanter und stark frequentierter Stellen eines Wegenetzes dienten. Häufig in der Hoffnung, der Vorübergehende möge ein stilles Gebet für den Stifter sprechen.

Ein katholischer Brauch

Unter Marter verstand man schon im Mittelalter Denkmäler, die eine Darstellung der Kreuzigung trugen. In unserer Region wurden derartige Flurdenkmale vom ausgehenden Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert aufgestellt. Durch diesen langen Zeitraum waren sie einem Stilwandel unterworfen, aber auch regionale Besonderheiten spielten eine Rolle. Mit der Reformation verschwand in den protestantisch gewordenen Regionen der Brauch, Martersäulen aufzustellen. Daher sind vor allem in den katholischen Regionen diese Flurdenkmale anzutreffen. Bestandteile sind meist eine Basis, ein Schaft und ein Aufsatz, der als Aedicula bezeichnet wird. Die Aedicula ist meist auf allen Seiten mit plastischem Schmuck oder Bildtafeln verziert.

Es gibt einige Bildstöcke aus dem 15. und 16. Jahrhundert in der Region: die Weiße Marter in Herzogenaurach, zwei auf 1575 datierte Exemplare in unmittelbarer Nähe zur Kirchenburg von Hannberg, die Rote Marter in Kosbach, einen Bildstock in Heßdorf, das inschriftlich auf 1517 datierte Stück in Möhrendorf und ein inzwischen im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim befindliches Exemplar aus Röttenbach. Die Mehrzahl der Martersäulen in unserer näheren Umgebung wurden im Zeitraum von 1630 (Herzogenaurach, Bittersmarter) bis 1799 (Martersäule in Untermembach) hergestellt.

Sühnekreuze oder Steinkreuze mussten meist vom Täter nach einem begangenen Mord oder Totschlag aufgestellt werden. Dies wurde in einem Vertrag geregelt, dessen weitere Bestandteile Wallfahrten, das Lesen von Messen und eine Entschädigungszahlung waren. Das stellte eine Möglichkeit der Rechtspraxis in Deutschland bis ins 16. Jahrhundert dar. Gläubige sollten beim Vorübergehen für das Seelenheil des jäh und unvorbereitet Dahingeschiedenen und auch für das des reuigen Täters beten.

Häufig gibt es Erzählungen und Sagen, die zu den Bildstöcken, Martersäulen und Steinkreuzen erzählt werden. Sie sind Indiz für die intensive Verbindung der Bevölkerung mit ihren Flurdenkmäler. Dabei ist sehr bemerkenswert, dass sich um einige wenige Objekte ein reicher Sagenschatz rankt, der sich über Generationen weitertradiert hat.

Dass ein Steinkreuz für zwei Frauen aufgestellt wurde, die sich mit ihren Sicheln gegenseitig umbrachten, ist beispielsweise eine häufig verbreitete Meinung.

Die Sage, dass ein Mädchen seinen Liebsten, der sich als Teufel verkleidet hatte, mit dem Spinnrocken erschlug, findet sich bereits im Band drei der Bavaria zu Oberfranken aus dem Jahr 1865 und ist dort auf einen Kreuzstein gemünzt, der zwischen Oberwimmelbach und Unterwimmelbach steht. Ernst Pfister traf in der Umgebung von Erlangen sieben Mal auf die Sage von dem Mädchen, das seinen geisternden Liebsten mit dem Spinnrocken erschlagen haben soll. Sie wird unter anderem auch für das Steinkreuz in Haundorf erzählt.